14.04.2024

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Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021 / Zum Tode von Klaus Rainer Röhl / Ein deutsches Leben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021

Zum Tode von Klaus Rainer Röhl
Ein deutsches Leben
René Nehring

Am 30. November 2021 verstarb in Köln der Publizist Klaus Rainer Röhl. Geboren am 1. Dezember 1928 in Trockenhütte/Danzig, wurde sein Lebenslauf zu einem Spiegelbild der vielen deutschen Umbrüche und Verwerfungen des 20. Jahrhunderts – nur dass Röhl zumeist konträr zum Geist der jeweiligen Zeit stand. 

Nach der Einberufung zum Reichsarbeitsdienst, der den Schüler als Wachsoldaten im KZ Stutthof einsetzte, sowie nach kurzem Kriegsdienst in Dänemark und anschließender Kriegsgefangenschaft konnte Röhl 1948 in Stade sein Abitur ablegen. Dort lernte er auch den Schriftsteller Peter Rühmkorf kennen. 

Ein Jahr später begann Röhl, in Hamburg zu studieren und betrieb mit Rühmkorf das politische Kabarett „Die Pestbeule“. Inmitten der konservativen Ära Adenauer gründete er 1955 die linke Zeitschrift „Studentenkurier“, die 1957 in „konkret“ umbenannt und schnell zum Sprachrohr der Anti-Atomkraft-Bewegung wurde. Maßgeblich finanziert wurde die Zeitschrift bis 1964 von der DDR. Als 1956 die KPD in der Bundesrepublik verboten wurde, trat der „konkret“-Herausgeber ihr aus Protest bei. 

1961 heiratete Röhl die Journalistin Ulrike Meinhof und bildete mit ihr eines der prominentesten Paare der linken Außerparlamentarischen Opposition. Doch während sich Meinhof immer stärker radikalisierte und zur Mitbegründerin der Rote Armee Fraktion wurde, wendete sich Röhl vom Linksextremismus ab und bekämpfte die RAF von Beginn an mit publizistischen Mitteln. 

Nach der Trennung von „konkret“ 1973 vollzog Röhl eine allmähliche innere Wende. Anfang der 1990er Jahre promovierte er bei Ernst Nolte und rechnete in seinem Buch „Linke Lebenslügen“ mit dem „langen Marsch durch die Illusionen“ ab. Er engagierte sich im nationalliberalen Flügel der FDP und initiierte den „Appell 8. Mai 1945 – gegen das Vergessen“, um ein Zeichen gegen die zunehmend einseitige Deutung dieses Datums als „Tag der Befreiung“ zu setzen. 

Auf seine alten Tage dann wurde Röhl Kolumnist dieser Zeitung. Politisch und publizistisch war dies weit von seinen Anfängen entfernt. Und doch hatte es nicht nur geographisch Sinn, dass der gebürtige Danziger am Ende seiner langen Reise durch die deutschen Zeitläufte für Das Ostpreußenblatt und später die PAZ schrieb. So steht Röhl mit den Irrungen und Wirrungen seines Lebenslaufs stellvertretend für das Schicksal einer Generation, die zeitlebens an und mit ihrem Vaterland litt, die sich an ihm abarbeitete – und ihm doch nie entkommen konnte. 

Nicht zuletzt steht Röhls Biographie dafür, dass es keine letzten Gewissheiten gibt – weder in der Politik noch im persönlichen Leben.