21.04.2024

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Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021 / Richard Schirrmann / Vater der Jugendherberge / Der in Ostpreußen geborene Mitbegründer des DJH starb vor 60 Jahren in Hessen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021

Richard Schirrmann
Vater der Jugendherberge
Der in Ostpreußen geborene Mitbegründer des DJH starb vor 60 Jahren in Hessen
Manuel Ruoff

Richard Schirrmann kam vom Land. Bis zum 15. Lebensjahr ging er auf die von seinem Vater geleitete einklassige Schule des Dorfes Grunenfelde, Kreis Heiligenbeil, in dem er am 15. Mai 1874 zur Welt gekommen war. Danach besuchte er die von seinem Großvater geführte zweiklassige Schule des unweit gelegenen Dorfes Eisenberg. Wie Vater und Großvater wurde auch er Lehrer. Nach einer entsprechenden Ausbildung in Ostpreußen und ersten Einsätzen in zweiklassigen Dorfschulen in Königshöhe, Kreis Lötzen und Schrombenen, Kreis Preußisch-Eylau verschlug es ihn 1901 nach Gelsenkirchen. Das Landkind litt unter der Umweltverschmutzung des Ruhrpotts. „Als ich ein Bad in der Emscher nahm, kam ich wie ein geteerter Regenwurm wieder heraus“, erzählte er später. 

Ein Freund des Wanderns war der Lehrer schon vorher gewesen. Nun kam der Wunsch hinzu, den Industriestadtkindern Erholung in einer gesunden Umgebung zu gönnen. Entsprechend viele Wandertage nahm er ins Schulprogramm. Das brachte ihm allerdings Probleme mit der Schulaufsicht ein, und er wurde 1903 nach Altena ins Sauerland versetzt.

Dort errichtete er 1907 probeweise im Lehrmittelraum einer Schule die erste Jugendherberge der Welt. In der Folge boten weitere Schulen in der Ferienzeit wandernden Jugendlichen Übernachtungsmöglichkeiten. Zu diesen Schulen kam 1912 die wiederhergestellte Burg Altena. Aus dieser weiteren Ferienherberge entstand 1914 die weltweit erste eigenständige Jugendherberge. Und Schirrmann wurde ihr erster Herbergsvater. 

Dem Preußen schwebte ein ganzes Netz von Jugendherbergen vor, die einen Tagesmarsch voneinander entfernt sein sollten, sodass der Jugendliche beim Reisen auf keine anderen Übernachtungsmöglichkeiten angewiesen war. Hierzu gründete er mit hochrangigen Funktionsträgern des Sauerländischen Gebirgsvereins das heute 2,38 Millionen Mitglieder zählende Deutsche Jugendherbergswerk (DJH).

Schirrmanns Idealismus zeigt sich auch darin, dass er als Freiwilliger am Ersten Weltkrieg teilnahm. Nach dem Krieg ließ er sich 1922 vom Schuldienst befreien und widmete sich ganz dem Aufbau eines Jugendherbergsnetzes. Und das auch über Deutschlands Grenzen hinaus. Nach der Gründung eines internationalen Dachverbandes der nationalen Jugendherbergsverbände war Schirrmann 1933 bis 1936 dessen erster Präsident Nach deren „Machtergreifung“ versuchte Schirrmann sich mit den Nationalsozialisten zu arrangieren. Die nahmen ihm jedoch seine internationalen Aktivitäten übel und nötigten ihn, sich ins Privatleben zurückzuziehen.

Seine schlechte Behandlung durch die Nationalsozialisten und sein guter Ruf im Ausland erleichterten es Schirrmann nach dem Kriege, sein völkerverständigendes Werk in der Bundesrepublik fortzusetzen. Vielfach geehrt durch Staat und Gesellschaft starb Schirrmann am 14. Dezember 1961 im hessischen Grävenwiesbach.