21.04.2024

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Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021 / Der Wochenrückblick / Lasst es brodeln! / Warum gerade unsinnige Maßnahmen so stark wirken, und was Herr Müller alles merkt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 49-21 vom 10. Dezember 2021

Der Wochenrückblick
Lasst es brodeln!
Warum gerade unsinnige Maßnahmen so stark wirken, und was Herr Müller alles merkt
Hans Heckel

Beim Niederringen der Opposition sind Phantasie und Einfallsreichtum keine Grenzen mehr gesetzt. Lasst hundert Blumen blühen, wie  schon der gute alte Mao wusste! Für Sie haben wir eine besonders hübsche Blume gepflückt: Im NDR-Radio hat Johannes Kiess, Soziologe am Institut für Demokratieforschung der Uni Leipzig, die wahre Triebfeder jener Unholde gefunden, die vermehrt gegen die Corona-Maßnahmen der Regierenden auf die Straße gehen.

In den Köpfen jener Kritiker der immer umfassenderen obrigkeitlichen Restriktionen herrscht laut Kiess ein tiefes „Misstrauen gegen die Politik“. Und worauf deutet das hin? Sie werden staunen, was er herausgefunden hat! Dieses Misstrauen ist laut dem Experten ein Zeichen für den „Autoritarismus“, von dem diese Leute durchdrungen seien.

Kritik an den Mächtigen und ihren Entscheidungen ist demnach „Autoritarismus“, im unkritischen Strammstehen vor den Anordnungen von oben erblicken wir demgegenüber vermutlich den Ausdruck von „kritischem Bewusstsein“, wenn nicht gar von regelrechter demokratischer Aufmüpfigkeit. Rückstandsfreier kann man die Wirklichkeit nicht auf den Kopf stellen. 

Der Soziologe hat schon im Blick, wie sich die Oppositionsbewegung gegen die Corona-Maßnahmen weiterentwickelt. Weil sich „einfach auch Einzelpersonen so an die Wand gestellt fühlen, so an die Wand gedrängt fühlen, dass sie keinen anderen Ausweg mehr sehen, als Gewalt anzuwenden“, werde es „sicherlich auch Versuche von Tötungen geben“. Daher helfe nur noch ein „klares Durchgreifen der Polizei“, so Autoritarismus-Gegner Kiess. 

Wie wär’s stattdessen mit einem Dialog über die Lagergrenzen hinweg, um der ständigen Aufheizung entgegenzuwirken? „Das ist schon zu spät, die Radikalisierung findet eh schon statt“, diagnostiziert der Soziologe düster. Oder voller Erwartung – wir wissen es nicht. Wäre ihm eine nicht mehr eindämmbare Radikalisierung womöglich sogar recht, da er sich schon so sehr auf das „klare Durchgreifen“ eingeschossen hat? 

Keine Ahnung. Allerdings fragen wir uns doch ständig aufs Neue, warum jeden Tag neue Verschärfungen „diskutiert“ werden, selbst wenn die Inzidenz stagniert oder rückläufig ist. Und obwohl noch niemand einen Beleg dafür vorweisen konnte, dass das seit dem Frühjahr 2020 aufgezogene deutsche Maßnahmen-Regime überhaupt eine wesentliche Wirkung auf die Pandemie-Entwicklung gezeitigt hat. 

„Diskutiert“ werden die Verschärfungen ja sowieso nicht. Wenn die so wunderbar offen und demokratisch klingende Vokabel von der „Diskussion“ fällt, ist in Wahrheit schon wieder etwas beschlossen. Wer dann wirklich noch diskutieren will, der ist ein Leugner oder, falls es sich um einen ausgewiesenen Wissenschaftler handeln sollte, fortan mindestens „umstritten“. 

Wir haben uns auch gefragt, was das Verbieten oder Drangsalieren von Weihnachtsmärkten unter freiem Himmel eigentlich soll. Die zuständigen Wissenschaftler aus der Aerosolforschung reden sich seit anderthalb Jahren Fransen an den Mund, um die Botschaft zu verbreiten, dass Treffen draußen an der Luft so gut wie unproblematisch und deren Verbote damit medizinischer Unsinn ersten Ranges seien. 

Damit die Straße sauber bleibt

Ja, medizinisch! Aber darum geht es möglicherweise gar nicht. Hier geht es wohl eher um Politik. Wer Demonstrationen verbieten will, muss bei anderen Zusammenkünften im Freien eben auch Strenge zeigen, sonst fällt die Perfidie zu deutlich auf. So müssen die Weihnachtsmärkte vielleicht nur deshalb strengste Regeln beachten oder an vielen Orten Deutschlands sogar ganz dran glauben, damit unsere Straßen politisch sauber bleiben vom oppositionellen Unrat. Denn, wie gesagt, hinreichende medizinischen Gründe gibt es für die Schikanen gegen die Märkte laut Aerosolforschung nicht.

Sogar um sie ganz wegzukriegen muss man die Märkte gar nicht unbedingt zwangsschließen. Manchmal reicht es schon, dass man die Traditionsveranstaltungen dermaßen mit Auflagen einschnürt, dass die Menschen die Lust verlieren hinzugehen und die Marktbetreiber daher „freiwillig“ dichtmachen, wie mancherorts bereits geschehen. 

Mit diesem Vorgehen heizt man die Stimmung in der Bevölkerung immer weiter auf. Das Volk spaltet sich in mehrere Gruppen. Diejenigen, die es schon immer ungehörig fanden, Anordnungen von oben zu widersprechen, folgen artig den Verboten und beschimpfen alle, die es nicht tun. Die Widerspenstigen dagegen zerfallen in weitere drei Gruppen: Die meisten resignieren irgendwann und ziehen sich zurück, die zweite Gruppe bleibt standhaft und protestiert weiter. Durch das „klare Durchgreifen“ der Polizei wird das allerdings immer schwieriger. Die regierungsfrommen Medien vergessen zudem nicht, nach möglichst jeder Demo zu vermelden, dass „auch Neonazis mitdemonstriert haben sollen“. 

Die dritte und kleinste Gruppe schließlich verliert buchstäblich den Verstand und dreht durch. Hier kann es dann zu besonders hässlichen, auch sogar gewalttätigen Ausbrüchen kommen. Die kann man dann dazu benutzen, um die gesamte Opposition an den Pranger zu stellen.

Für diese Strategie sind unsinnige Verbote geradezu ideal geeignet, weil sie das Blut der „Gedrängten“ besonders zuverlässig zum Brodeln bringen. Soziologe Kiess hat die gesamte Spirale bereits zu Ende gedacht. Auf „die Wissenschaft“ ist eben Verlass. Vertrauen wir ihr!

Andererseits genügt es gelegentlich auch vollkommen, dass wir uns auf unser Gefühl verlassen. Der scheidende Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller, tut das ohne Scheu in aller Öffentlichkeit. Nach der jüngsten Ministerpräsidentenkonferenz zur Corona-Lage am 2. Dezember enthüllte der Sozialdemokrat vor den Medienvertretern, dass die Kunden sehr wohl einverstanden seien mit den 2G-Regeln im Einzelhandel. Warum? Weil sie „merken“, dass es sie schützt, so Müller. 

Wir „merken“ also, dass uns der Ausschluss der Ungeimpften aus den Geschäften schützt? Wie stellen wir das an? 

Ganz einfach: Indem wir es uns so gründlich einreden lassen, dass wir am Ende glauben, es selbst zu spüren. Der Vorgang birgt nichts Neues: Die ganze Menschheitsgeschichte ist voll von Bedrohungen, von deren Existenz die Leute zutiefst überzeugt waren, ohne dafür den geringsten realen Hinweis zu benötigen. Es reichte, dass ihnen die Autoritäten nur oft und eindringlich genug davon erzählt haben. Daher meinen wir laut Müller nun auch zu „merken“, wie viel sicherer wir durch 2G geworden sind.

Und sobald die Regierenden meinen, dass es neue Maßnahmen hageln muss, werden wir abermals „merken“, wie heilsam die nächsten Verbote wirken. Verdächtig macht sich nur derjenige, der angesichts dieses Theaters wirklich etwas merkt.