18.06.2024

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Folge 52-21 vom 31. Dezember 2021 / Omikron / Die Politik verharrt im Panikmodus / Berlin und Brandenburg beschließen „epidemische Lage“ und setzen auf härtere Corona-Regeln

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 52-21 vom 31. Dezember 2021

Omikron
Die Politik verharrt im Panikmodus
Berlin und Brandenburg beschließen „epidemische Lage“ und setzen auf härtere Corona-Regeln
Norman Hanert

Die südafrikanische Ärztin Angélique Coetzee gehörte zu den Ersten, die vergangenes Jahr auf die Omikron-Variante des Coronavirus aufmerksam machte. Angelegentlich der Resonanz, den die neue Virusvariante in Großbritannien hervorgerufen hat, zeigte sich die Vorsitzende des südafrikanischen Ärzteverbands in einem Gastbeitrag für die „Daily Mail“ regelrecht „fassungslos“. „Lassen Sie mich klarstellen: Nichts, was ich an dieser neuen Variante gesehen habe, rechtfertigt die extremen Maßnahmen, die die britische Regierung als Reaktion darauf ergriffen hat“, so die Medizinerin aus Pretoria. Tatsächlich hat sich die Regierung von Boris Johnson bislang noch sehr zurückhaltend gezeigt.

Coetzee entsetzt über Reaktion

Zwar rief Londons Bürgermeister Sadiq Khan (Labour) für die Hauptstadt den Katastrophenfall aus. Auch der Expertenrat Sage warnte vor einer Überlastung des Gesundheitssystems durch 3000 Krankenhauseinweisungen pro Tag allein in England. Boris Johnson verzichtete allerdings darauf, noch vor Weihnachten Kontaktbeschränkungen oder ähnliche Maßnahmen zu verhängen. Beobachter sehen Johnsons Zurückhaltung teilweise als Folge seiner geschwächten Position nach Enthüllungen über Feiern der Downing Street, die während der Zeit scharfer Pandemiebeschränkungen stattgefunden haben sollen. 

Im Unterschied zu den vorhergehenden Corona-Wellen sind in der Berichterstattung über die neue Corona-Variante allerdings auch neue Töne zu hören. Nach den Angaben von Medizinern aus Südafrika ist Omikron zwar ansteckender als die bisherigen Corona-Varianten, dafür aber meist auch nur mit einem milden Krankheitsverlauf verbunden. Gegenüber der BBC sagte Coetzee zu ihren Erfahrungen aus Südafrika: „Die Patienten klagen meist über einen schmerzenden Körper und Müdigkeit, extreme Müdigkeit, und wir sehen es bei der jüngeren Generation, nicht bei den älteren Menschen.“ Forscher entdeckten inzwischen ein weiteres Symptom, das neben Niesen, Halskratzen und Nachtschweiß nach einer Infektion mit der Omikron-Variante auftritt: Appetitlosigkeit.

Vor dem Hintergrund des Berichts über die relativ harmlosen Symptome haben Analysten der US-Bank JP Morgan inzwischen die Frage aufgeworfen, ob das Auftauchen der Omikron-Variante nicht sogar das Ende der Pandemie einläutet. Tatsächlich liefern die bisherigen Berichte zu Omikron-Infektionen wenig Potential für neuerliche Horrorprognosen.

Ausfall von Arbeitskräften befürchtet

Aufgrund der Erfahrungen aus Südafrika und inzwischen auch aus Großbritannien besteht allerdings für hiesige Politiker ein dringender Handlungsbedarf bei den Quarantäne-Regelungen. Weil Omikron sehr ansteckend ist, besteht die Gefahr, dass die Beibehaltung der bisherigen Quarantäneregeln dazu führt, dass möglicherweise Millionen Arbeitnehmer bei allenfalls leichten Symptomen nicht mehr am Arbeitsplatz erscheinen dürfen.

Berlin und andere Bundesländer haben dagegen erst einmal andere Prioritäten verfolgt. Noch kurz vor den Weihnachtsfeiertagen beschlossen in Berlin SPD, Grüne und Linke sowie die CDU auf Antrag des Senats im Abgeordnetenhaus erneut eine sogenannte epidemische Lage. Der Beschluss macht für den Senat den Weg frei, neue Beschränkungen bis hin zu Ausgangssperren zu verhängen. 

Berlins neue Gesundheitssenatorin Ulrike Gote (Grüne) sagte zur Begründung: „Omikron verändert fast alles, was wir über die Pandemie bisher gehört haben.“ Die Grünen-Politikerin sprach sogar davon, dass die Omikron-Variante des Coronavirus eine bisher nicht da gewesene Bedrohung darstelle, die neue Beschränkungen nötig mache. Laut Gote sei die Omikron-Ansteckungsrate so gravierend, dass es nicht wie bisher allein um die Sicherung der Gesundheitsversorgung gehe.

Woidke vermeidet Alarmismus

Schon einige Tage zuvor hatte auch der Landtag in Potsdam eine „epidemische Lage“ beschlossen. Im Kontrast zu den Tönen aus Berlin vermied Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) allerdings offenbar ganz bewusst jeglichen Alarmismus. Woidke warnte angesichts der Omikron-Variante sogar vor einer übereilten Debatte über schärfere Corona-Regeln: „Wir dürfen die Menschen nicht überstrapazieren.“ Woidke wies zudem auf die Gefahr hin, dass neue Maßnahmenpakete im Wochenrhythmus zu Unverständnis in der Bevölkerung führen.

Tatsächlich wächst in Brandenburg mittlerweile eine Protestbewegung heran, die sich gegen die bisherigen Pandemiemaßnahmen der Politik richtet. Allein in der Zeit zwischen dem 14. und 

20. Dezember registrierte die Polizei in Brandenburg mehr als 90 Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen. Zu denken geben muss der Landesregierung auch, dass die Demonstrationen nicht nur in der AfD-Hochburg Cottbus stattfanden, sondern zunehmend auch in vielen Kleinstädten in der Fläche des Landes.