24.05.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 01-22 vom 07. Januar 2022 / Wohnungsnot / Familienministerin Anne Spiegel findet keine Bleibe / Berliner Angebot für Familien mit Kindern schrumpft – Wohnungsmarkt setzt auf Einpersonenhaushalte

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-22 vom 07. Januar 2022

Wohnungsnot
Familienministerin Anne Spiegel findet keine Bleibe
Berliner Angebot für Familien mit Kindern schrumpft – Wohnungsmarkt setzt auf Einpersonenhaushalte
H. Müller

Wenn in Berlin Aktivisten unter dem Motto „Wir haben Platz“ für die Aufnahme sogenannter Geflüchteter demonstrieren, gehört die Formulierung „Refugees welcome – bring your families“ (auf Deutsch: Flüchtlinge willkommen – bringt eure Familien mit) zu den Standardparolen. 

Wie wenig Platz in der Stadt Berlin insbesondere für kinderreiche Familien vorhanden ist, musste nun offenbar die neue Bundesfamilienministerin Anne Spiegel erfahren. Die Grüne war bis Mai 2021 bereits in Rheinland-Pfalz Familienministerin. Wohnort der 41-Jährigen war einige Jahre die Stadt Speyer. Als nun der Ruf kam, Bundesfamilienministerin zu werden, fasste Spiegel nach eigener Aussage den Entschluss, zusammen mit ihrer Familie nach Berlin zu gehen. „Nachdem klar war, wohin die Reise geht, habe ich erst mit meinem Mann und dann mit den Kindern gesprochen. Der Familienrat hat sich eindeutig dafür ausgesprochen, dass wir alle zusammen nach Berlin ziehen.“

In einem Interview mit der Illustrierten „Bunte“ erzählt die Grünen-Politikerin inzwischen von ihren Erfahrungen, in Berlin eine Wohnung für ihre Familie zu finden. „Nicht ganz einfach, dort eine Sechs-Zimmer-Wohnung zu finden, jedem Kind habe ich ein eigenes Zimmer versprochen“, verriet die Grünen-Politikerin.

Tatsächlich ist der Berliner Wohnungsmarkt für kinderreiche Familien ein besonders hartes Pflaster. Laut dem Geschäftsführer des Berliner Mietervereins, Reiner Wild, möchten viele Vermieter keine kinderreichen Familien: „Ob Flüchtlinge oder Einheimische – für Familien mit vier oder mehr Kindern wird es in Berlin immer schwieriger, eine Wohnung zu finden.“ Anteil an der Entwicklung hat nicht nur der Zuzug kinderreicher Familien „Geflüchteter“ und aus südosteuropäischen EU-Ländern. Die Berliner Bezirke haben seit Mitte der 90er Jahre immer mehr Wohnvierteln den Status von „Milieuschutzgebieten“, im Amtsdeutsch „soziale Erhaltungsgebiete“, verliehen. 

Chancen nur im Berliner Umland

Erklärtes Ziel der Politik ist es dabei, die Zusammensetzung der Wohnbevölkerung in den betreffenden Vierteln zu schützen. Eigentümer bekommen in den Milieuschutzgebieten regelmäßig weder eine Zusammenlegung von Wohnungen genehmigt, noch Grundrissänderungen, mit denen großzügigere Wohnverhältnisse geschaffen werden könnten. Laut der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen sollen solche Beschränkungen „den Verlust von günstigem Wohnraum und damit verbundene Verdrängungseffekte für Teile der Gebietsbevölkerung“ verhindern.

Nebeneffekt ist dabei allerdings, dass keine zusätzlichen Wohnungen für kinderreiche Familien auf den Markt kommen. Auch im Neubausegment sind solche Wohnungen eher eine Seltenheit. Gestützt auf die Voraussagen von Sozialwissenschaftlern, die seit Jahren einen breiten Trend zu immer mehr Einpersonenhaushalten sehen, verzichten viele Bauherren bei ihren Projekten inzwischen gleich darauf, Wohnungen für Kinderreiche mit einzuplanen.

Viele Berliner mit Kindern haben in den letzten Jahren aus dieser Entwicklung auf dem Berliner Wohnungsmarkt die Konsequenz gezogen, indem sie in Einfamilienhäuser im brandenburgischen Umland Berlins gezogen sind.