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Folge 01-22 vom 07. Januar 2022 / Daimler-Konzern / Aufteilung mit Chancen und Risiken / Einzelteile des Konzerns dürften für Investoren interessanter werden – Seit zwei Jahren halten chinesische Investoren Geely und BAIC bedeutendes Aktienpaket

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 01-22 vom 07. Januar 2022

Daimler-Konzern
Aufteilung mit Chancen und Risiken
Einzelteile des Konzerns dürften für Investoren interessanter werden – Seit zwei Jahren halten chinesische Investoren Geely und BAIC bedeutendes Aktienpaket
Peter Entinger

Die Abspaltung des Lkw-Geschäfts der Daimler AG war lange geplant. Kurz vor dem Jahresende wurde der Schritt vollzogen. Daimler Truck wurde eine eigenständige an der Frankfurter Wertpapierbörse notierte Aktiengesellschaft. 35 Prozent der Daimler Truck Holding blieben bei Daimler. Die übrigen 65 Prozent gingen an die Daimler-Aktionäre. Für zwei Aktien von Daimler gab es eine zusätzliche Aktie der Daimler Truck Holding. Zur Begründung der Abspaltung hieß es, wenn beide Bereiche unabhängig voneinander arbeiteten, könne jeder für sich schneller und damit auch besser werden. 

Aus dem verbleibenden Rest der Daimler AG soll kommenden Monat die Mercedes-Benz Group AG werden. Dahinter steckt wohl der Gedanke, dass die Marke Mercedes in vielen Teilen der Welt bekannter ist als Daimler.

Beide Unternehmen werden ihren Sitz im Autoland Baden-Württemberg haben. Die Zentrale der Daimler Truck Holding ist in Leinfelden-Echterdingen im Stuttgarter Umland, die Zentrale von Daimler bleibt weiterhin in Stuttgart-Untertürkheim. Vorstandsvorsitzender von Daimler bleibt Ola Källenius. Martin Daum, der schon vorher das Lkw-Geschäft verantwortete, steht an der Spitze der Daimler Truck Holding AG. Die fast 300.000 Beschäftigten wurden einem der beiden Unternehmen zugeteilt. Etwa 100.000 gehören der Daimler Truck Holding an, 170.000 Daimler. 

Übernahmekandidat Daimler

„Die Trennung ist aber alles andere als eine nüchterne Sache. Der Konzern steht für die Erfindung des Automobils. Der Mercedes-Stern als Symbol für deutsche Ingenieurkunst ist eines der wertvollsten Markenzeichen der Welt – und es bleibt übrigens beiden Unternehmen zur Nutzung erhalten. Allein diese emotionsgeladene Thematik war ein Grund, warum man in Stuttgart dem Drängen von Analysten und Investoren jahrelang widerstanden hat“, kommentierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ („FAZ“) den Schritt. 

Es war in der Tat kein leichter Schritt, und unumstritten ist er keinesfalls. Autoexperte Helmut Becker hält ihn sogar für katastrophal. „Das Schlimme dabei ist: Niemand hat sich darüber aufgeregt – auch im Ländle nicht. Die Machtposition des alten Konzerns ist damit dahin, die Einzelteile des Konzerns sind für Investoren verdaulicher geworden. Daimler wird zum Übernahmekandidaten“, sagte der einstige Chefökonom von BMW. 

Besonders der Blick nach China bereitet dem Autoexperten Sorgen. Unlängst wurde bekannt, wie groß die Macht chinesischer Aktionäre über Daimler ist. Die Aufspaltung macht dies aus seiner Sicht noch schlimmer. Die beiden chinesischen Großinvestoren Geely und BAIC halten bereits seit zwei Jahren knapp 20 Prozent an der Daimler AG. 

„Zu einem Fünftel ist Daimler damit in chinesischer Hand“, erklärte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) dem „Handelsblatt“. Durch die Verteilung der Aktien lässt sich dieser Einfluss auf die zukünftige Mercedes-Benz Group und die Daimler Truck Holding übertragen. 

Eine chinesische Übernahme verwies der Konzern umgehend ins Reich der Fabel: „Das ist einfach Quatsch“, teilte das Unternehmen mit. Die Zusammenarbeit mit den Chinesen sei vielmehr Chance als Risiko. „Wir freuen uns über das Engagement aller langfristig orientierten Aktionäre, die unsere Strategie unterstützen“, sagte Källenius. „Im Verlauf unserer Partnerschaft mit BAIC hat sich China zum größten globalen Markt für Mercedes-Benz und zu einem entscheidenden Treiber des Wandels zur Elektro-Mobilität und Digitalisierung entwickelt.“ 

Holpriger Start in China

Bei der E-Auto-Strategie des Unternehmens spielt China als Absatzmarkt eine große Rolle. Doch der Start dort verlief holprig. Vor mehr als einem Jahrzehnt starteten Daimler und der chinesische Konzern BYD unter der Marke Denza ein Projekt, welches das Ziel hatte, „der erfolgreichste Hersteller von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben in China zu werden“. Doch das Ganze wurde ein Flop. Die Elektrokarossen, die von BYD entwickelt und von Daimler designt werden, gelten als echte Ladenhüter. 

Daimler zog noch vor Jahresende die Reißleine. Der Kooperationspartner BYD wird künftig 90 Prozent an der Firma halten. Die Stuttgarter begnügen sich mit den restlichen zehn Prozent. Gegründet worden war Denza als 50-50-Joint-Venture im März 2012. Kein Wunder, dass die Daimler-Aktie in den vergangenen Wochen eine regelrechte Berg- und Talfahrt hinlegte. China bleibe ein wichtiger Absatzmarkt für alle deutschen Autobauer, betont Ex-BMW-Ökonom Becker: „Aber man muss aufpassen, fast jede chinesische Familie hat mittlerweile ein Auto. Der Absatzmarkt ist überschaubar geworden.“