Das Kaffeehaus gehört zu den Synonymen Wiens und steht seit 2011 auf Österreichs nationaler Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco. Seine Geschichte begann am 17. Januar 1685, als der Armenier Johannes Theodat in einem Raum seiner Wohnung am Haarmarkt, dem Hachenbergischen Haus, heute Neubau Rotenturmstraße 14, mit Erlaubnis von Kaiser Leopold I. seinen Gästen auf kleinen Tischen und einfachen Holzbänken erstmals kommerziell Kaffee servierte.
Genauso klein und privat begann die Geschichte der „Vollpension“ in Wien, einem neuen und spannenden Ableger der 300-jährigen Kaffeehaus-Tradition. Als Mike Lanner und Moriz Piffl in einem Wiener Kaffeehaus einen staubtrockenen Kuchen verzehrten, erinnerten sie sich an die saftige Mehlspeise ihrer Omas vom Land. Damit war die Idee, Senioren ihr Wissen in köstliche Kekse, Kuchen und Torten verwandeln zu lassen, geboren. Im September 2012 fand im damaligen „Hosenlabor“, einer Schneiderei im 6. Wiener Bezirk, für eine Woche ein Probelauf statt – mit riesigem Erfolg.
Es dauerte jedoch bis Juni 2015, um Omas Kuchen in nostalgischer Wohnzimmer-Atmosphäre im Souterrain der Schleifmühlgasse 16 einen festen Wohnsitz zu verschaffen. Im Oktober 2019 wurde die erste Filiale in der MUK, der Musik und Kunst Privatuniversität Wien, Johannesgasse 4A, eröffnet. Dann kam Corona dazwischen.
„Doch der Generationendialog, das Miteinander von Alt und Jung, bewährt sich auch in der Pandemie“, bestätigt Piffl. Denn die „Vollpension“ ist mehr als ein Kaffeehaus, sie ist ein Sozialprojekt. Suchen die backenden Senioren hier doch nicht nur eine Beschäftigung im Alter, sondern auch einen Zuverdienst. Um die Gehälter der 45 Senioren weiter bezahlen zu können, war die erste Idee Crowdfunding, das Eintreiben von Kapital übers Internet von Gästen und Fans, und die Bitte um Vorkasse, was 140.000 Euro einbrachte. Die weitaus wichtigere Idee aber war die Schaffung einer professionellen Online-Back-Plattform, an der sich laut Piffl kurzerhand 55 Leute beteiligten.
Inzwischen gibt es eine ganze Angebotspalette vom Online-Shop bis zu Video-Backkursen und Live-Backkursen. Sogar ein eigenes TV-Format wurde produziert und vier Print-Produkte im Eigenverlag herausgegeben. Und das Wachstum nimmt kein Ende. Jetzt sucht die Vollpension unter dem Slogan „Bake Against Poverty“ – Backen gegen Armut – sogar die besten Omas der Welt. Das Internet macht so etwas auch in Omas Kaffeehaus möglich.
Unter www.vollpension.wien findet man eine ganze Reihe kostenloser Rezepte.


