24.05.2024

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Folge 15-22 vom 14. April 2022 / Erich Hartmann / Mit 352 bestätigten Abschüssen der erfolgreichste Jagdflieger / Desillusioniert schied der vor 100 Jahren geborene Kampfpilot mit 48 Jahren vorzeitig aus dem Dienst der Bundeswehr

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 15-22 vom 14. April 2022

Erich Hartmann
Mit 352 bestätigten Abschüssen der erfolgreichste Jagdflieger
Desillusioniert schied der vor 100 Jahren geborene Kampfpilot mit 48 Jahren vorzeitig aus dem Dienst der Bundeswehr
Manuel Ruoff

Der am 19. April 1922 im württembergischen Weissach, Kreis Leonberg, zur Welt gekommene spätere Flieger Erich Hartmann war erblich vorbelastet. Sein Vater wird als eher ruhig und nachdenklich geschildert, doch seine temperamentvolle und unternehmungslustige Mutter war ins Fliegen vernarrt. Häufig nahm sie den kleinen Erich und dessen jüngeren Bruder mit zum nahegelegenen Flughafen Böblingen, wo die Familie zeitweise sogar zusammen mit dem „Wetterfrosch“ des Flugplatzes eine Maschine stehen hatte. Früh lernte der Junge das Segelfliegen, und als sich ihm die Möglichkeit bot, als Soldat Motorfluzeuge zu fliegen, ergriff er diese Chance.

Nach dem Abitur im Frühjahr 1940 ging Hartmann als Freiwilliger zur Luftwaffe. Seine militärische Grundausbildung erhielt er beim Ausbildungs-Regiment 10 in Neukuhren, Kreis Samland, seine fliegerische Aus- und Fortbildung in westlicheren Provinzen seines Vaterlandes. Im Oktober 1942 erfolgte die Versetzung des ausgebildeten Jagdpiloten zum Jagdgeschwader 52 an die Ostfront. Im Mai 1943 wurde er Staffelführer, im August/September desselben Jahres Staffelkapitän, im Oktober 1944 zusätzlich stellvertretender Gruppenkommandeur und im November/Dezember jenes vorletzten Kriegsjahres schließlich Gruppenkommandeur.

Diese Karriere spiegelt nur unvollkommen Hartmanns militärische Erfolge als Jagdflieger wider. Aus mindestens 352 Luft­kämpfen ging er als Sieger hervor. Damit gilt er als der erfolgreichste Jagdflieger in der Geschichte des Luftkrieges.

Das Kriegsende erlebte der frischgebackene Major mit seinen Kameraden im böhmischen Deutschbrod. Zusammen mit seinem Geschwaderkommandanten erhielt er den Befehl, sofort nach Dortmund zu fliegen, um sich einer Gefangennahme durch die Russen zu entziehen und stattdessen den britischen Streitkräften zu ergeben. Beide waren sich darin einig, dass die Befolgung dieses Befehles einem Verrat gleichgekommen wäre.

Stattdessen versuchten sie, mit ihren Geschwaderkameraden und dem Tross an Zivilisten, der sich zwischenzeitlich angesammelt hatte, nach Pisek zu kommen, um sich dort den US-Amerikanern zu ergeben. Dieses Ziel erreichten sie zwar, doch ahnten sie nicht, dass die Amerikaner sie entsprechend einem alliierten Übereinkommen den Russen ausliefern würden.

Die Auslieferung hatte für Hartmann über zehn Jahre Lagerhaft unter den schwersten Bedingungen zur Folge. Ungeachtet gegenteiliger Zusagen wurden er und seine Mitgefangenen nach Russland verbracht, nachdem sie noch in Böhmen eine Massenvergewaltigung unter den mitgezogenen Frauen und Mädchen hatten miterleben müssen.

Hartmann hatte den Sowjets große Verluste beigebracht, und er weigerte sich, mit ihnen zu kooperieren und für sie zu arbeiten. Stattdessen forderte er die ihm als Stabsoffizier zustehenden Rechte ein. Die Russen vergalten ihm dies, indem sie ihn als Kriegsverbrecher verurteilten. Wie viele seiner Landsleute erhielt Hartmann erst nach Bundeskanzler Konrad Adenauers legendärem Moskaubesuch vom September 1955 seine Freiheit zurück. 

Als Hartmann endlich in seine Heimat zurückkehren konnte, war er bereits 33 Jahre alt, aber noch ohne zivile Berufsausbildung. In Ermangelung einer Alternative folgte er wie so viele seiner alten Kameraden dem Ruf der neuen Streitkräfte. Dort wurde er 1959 der erste Kommodore des ersten Jagdgeschwaders. Bereits elf Jahre später nahm der damals erst 48 Jahre alte parteilose, manchen zu zivile und lockere bekennende Gegner der „Starfighter“-Anschaffung seinen Abschied. Es folgten noch 23 Jahre Zivilistendasein, bis der Oberst a.D. am 20. September 1993 in seiner württembergischen Heimat im Kreis seiner Familie eines natürlichen Todes starb. 

Zu den Gründen seines frühen Ausscheidens ist sein folgender wenig schmeichelhafte Kommentar überliefert: „Wenn die Bundeswehr richtig geführt, wenn Leistung und Effektivität Oberhand über das Karrieredenken behalten würden, wäre ich geblieben – um jeden Preis. Aber die Bundeswehr wird verwaltet. Das ist nicht nach meinem Geschmack.“