24.05.2024

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Folge 15-22 vom 14. April 2022 / Krisenfolgen / Die Rückkehr der Mangelwirtschaft / Statt eines postpandemischen Konsumrauschs leeren sich Supermarktregale – Erinnerungen an die DDR werden wach

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 15-22 vom 14. April 2022

Krisenfolgen
Die Rückkehr der Mangelwirtschaft
Statt eines postpandemischen Konsumrauschs leeren sich Supermarktregale – Erinnerungen an die DDR werden wach
Norman Hanert

Als im Juli 1990 zwischen Elbe und Oder die D-Mark als gesetzliches Zahlungsmittel eingeführt wurde, bedeutete dies schlagartig das Ende der Mangelwirtschaft. Über Jahrzehnte war das Leben der Deutschen in der DDR von Versorgungsproblemen bei selbstverständlichsten Dingen geprägt, für die leere Verkaufsregale, Begriffe wie „Bückware“ oder jahrelanges Warten auf die Lieferung eines Kleinwagens Marke „Trabant“ standen.

Mittlerweile erlebt der Begriff „Mangelwirtschaft“ eine gesamtdeutsche Wiedergeburt. Der „Spiegel“ veröffentlichte unlängst eine Kolumne, die mit „Lernen von der DDR“ überschrieben war. Unter Hinweis auf „unseren Konsum, unseren Energieverbrauch“ und „unsere verschwenderische, räuberische Lebensweise“ zog Autorin Sabine Rennefanz die Schlussfolgerung: „So wie es ist, wird es nicht bleiben.“ Mit Blick auf „die DDR-Mentalität, alles zu reparieren“ oder Weihnachtspapier aufzuheben, um es glattgestrichen im nächsten Jahr wieder zu verwenden, urteilte Rennefanz: „Die Dinge hatten einen eigenen Wert, auch aus dem Mangel heraus.“ Der Rückblick auf die Mangelwirtschaft der DDR könnte sich für die heutigen Verbraucher tatsächlich als eine Art Einstimmung auf Kommendes entpuppen.

Bereits im vergangenen November hatte sich ebenfalls der „Spiegel“ unter dem Titel „Deutsche Industrie leidet unter Mangelwirtschaft“ mit ausbleibenden Rohstofflieferungen, dem Fehlen von Halbleitern, Hartplastik und Holz sowie gestiegenen Frachtkosten beschäftigt, die Importe unwirtschaftlich machen. 

Lücken werden geschickt getarnt

Zum Abreißen der globalen Lieferketten und Pandemie-bedingten Personalausfällen ist nun der nächste wirtschaftliche Schock durch den Ukrainekrieg und die Sanktionen gegen Russland, den weltweit größten Rohstoffexporteur, gekommen. Im Schlepptau des Begriffs „Mangelwirtschaft“ taucht nun sogar immer öfter das Wort „Rationierung“ auf. In den Märkten großer Lebensmittelhändler wie Aldi und Lidl kann es Kunden passieren, dass sie an den Regalen auf den Hinweis stoßen, dass bei einigen Produkten die maximale Abgabemenge begrenzt wurde. Bei Speiseölen oder Toilettenpapier sind solche Rationierungsversuche mitunter überflüssig: Die Ware ist im Laden oftmals gar nicht mehr vorhanden. „Ob bei der nächsten Lieferung wieder etwas mitkommt, können wir nicht sagen“, so eine mittlerweile recht geläufige Formulierung, die an das „Konsumparadies“ DDR erinnert.

Mit den Lieferproblemen hat auch der Handel die schon im real existierenden Sozialismus gepflegte Kunst des Kaschierens des Mangels wiederentdeckt. Aus den USA wird berichtet, dass Lebensmittelketten leere Regale mit großen Reklametafeln verdecken. Hierzulande versuchen Marktleiter, das Fehlen von Produkten wie Mehl zu überspielen, indem sie die Regallücken einfach mit reichlich vorhandener Ware, wie etwa Tütensuppen, füllen.

Für die Verbraucher ist diese Entwicklung nach zwei Jahren Corona-bedingter Einschränkungen ein herbes Erwachen. Noch vergangenes Jahr hatten viele Wirtschaftsexperten nach dem Motto „ins Restaurant gehen, shoppen oder Urlaub machen“ einen nachholenden Konsumrausch vorausgesagt, wenn erst einmal die Pandemie-Beschränkungen aufgehoben sind.