24.05.2024

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Folge 15-22 vom 14. April 2022 / Ostpreussen / Wertvolle Silbermünzen aus Königsberg / Von der Ordenszeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts – Die Geldproduktion in der Pregelmetropole

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 15-22 vom 14. April 2022

Ostpreussen
Wertvolle Silbermünzen aus Königsberg
Von der Ordenszeit bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts – Die Geldproduktion in der Pregelmetropole
Wolfgang Kaufmann

Um 1225 ersuchte Herzog Konrad von Masowien den Deutschen Orden um Hilfe im Kampf gegen die „heidnischen“ Prußen, und versprach den Rittern für ihren Beistand das Kulmer Land. Kaiser Friedrich II. bestätigte 1226 in der Goldenen Bulle von Rimini, dass dieses Territorium und alle weiteren Eroberungen des Ordens auf dem Gebiet der Prußen von Masowien unabhängig sein sollten. Aus der so garantierten Staatlichkeit ergab sich das Recht zur Prägung eigener Geldstücke. Allerdings dauerte es noch bis zum 28. Dezember 1233, ehe der Ordenshochmeister Hermann von Salza eine Münzordnung erließ. Darin wies er an, nur eine einzige Art von Hohlmünzen auszugeben, von der je fünf Stück einem Kölner Pfennig entsprachen. Die Herstellung dieser Zahlungsmittel fand zuerst in Thorn und Kulm statt, sowie ab 1246 auch in Elbing. Und 1261 folgte dann die Errichtung der Prägestätte in Königsberg.

Erste Prägestätte in Königsberg

Letztere stellte ihre Arbeit jedoch schon 1309 wieder ein, weil die Ausmünzung nun vor allem in der Marienburg, also dem Sitz des Hochmeisters und der Zentralverwaltung des Ordens, erfolgte. Dem folgte ab 1410 ein finanzpolitischer Niedergang aufgrund der anhaltend kostspieligen Kriegszüge. An deren Ende stand der Zweite Friede von Thorn vom 19. Oktober 1466, durch den der Ordensstaat die Hälfte seines Territoriums und damit auch fast alle Münzstätten verlor. Letztlich blieb ihm nur noch die 1456 wieder in Betrieb genommene Prägeanstalt in Königsberg.

Dort wurden bald immer mehr verschiedene Schillinge aus Silber produziert, um die horrenden Kriegsschulden des Ordens zu bezahlen: 1476 waren bereits 21 Varianten dieses Geldstücks in Umlauf, was ein währungspolitisches Chaos verursachte. Dem versuchte der Hochmeister Johann von Tiefen zwischen 1490 und 1497 entgegenzuwirken, indem er die Umstellung auf eine neuartige Münze, nämlich den Groschen im Wert von drei Schillingen beziehungsweise 18 Pfennigen, anordnete. Zu wesentlichen Verbesserungen führte aber auch dieser Schritt nicht. Dazu bedurfte es erst der Maßnahmen des 37. Ordenshochmeisters Albrecht von Brandenburg, der den Deutschordensstaat 1525 säkularisierte. Er wandelte den katholisch geprägten Staat in das erbliche lutherische Herzogtum Preußen verwandelte, welches er bis 1568 regierte.

Albrecht unterstellte sich am 8. April 1525 im Vertrag von Krakau lehnsrechtlich dem polnischen König Sigismund I. Dem folgte 1528 der Marienburger Rezess, ein Münzabkommen zwischen Preußen und Polen, in dem die beiden wirtschaftlich ungewöhnlich befähigten Fürsten vereinbarten, ihre jeweiligen Geldsysteme so zu reformieren, dass sie mit dem der Hanse kompatibel waren. Anschließend entwickelte die preußische Währung zu einer der härtesten ihrer Zeit. Denn die spanische Flotte, welche Unmengen von Silber aus der Neuen Welt heranschaffte, ließ viele ihrer Schiffe in Königsberg bauen oder überholen und zahlte dafür mit dem Edelmetall, das dann wiederum in gutes Geld verwandelt wurde. 

Neue Prägeanstalt am Pregelufer

1584 entstand zu diesem Zweck die neue Prägeanstalt in Königsberg am Ufer des Pregel. Diese profitierte von der 1618 entstandenen Personalunion zwischen dem  Herzogtum Preußen und dem Kurfürstentum Brandenburg. Unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm war die Münze in Königsberg die größte Münzstätte des neuen brandenburgisch-preußischen Gesamtstaates. Erst zum Ende des 17. Jahrhunderts wurde sie von Berlin überflügelt.

Zwischen 1728 und 1751 ruhte die Münzprägung in Königsberg ein zweites Mal, danach ging die Geldproduktion weiter. Seit 1753 trugen die in Ostpreußen hergestellten Zahlungsmittel den Erkennungsbuchstaben „E“. Besonders viel zu tun gab es in der Folgezeit während des Siebenjährigen Krieges, als Friedrich der Große massenhaft sächsisch-polnisches Silbergeld fälschen ließ, bis am 22. Januar 1758 die Russen in Königsberg einmarschierten und dort bis Anfang 1762 Münzen im Auftrag von Zarin Elisabeth I. prägten. Ebenso stark war der Arbeitsanfall in der Anstalt am Pregel nach der Einverleibung Westpreußens im Jahre 1772, als es galt, die vormaligen polnischen Gebiete möglichst schnell mit der preußischen Währung zu versorgen.

1803 schlug die letzte Stunde der seit 1261 bestehenden Münzstätte in Königsberg: Sie wurde stillgelegt und abgerissen. Das bedeutete allerdings keineswegs schon das Ende des hier hergestellten Geldes. Kleinere Scheidemünzen wie die Groschen sowie die beliebten Dreigroschenmünzen namens Düttchen behielten ihre Gültigkeit bis zum Jahre 1821. Und mit Teilstücken des Talers konnte sogar bis 1873 bezahlt werden. Noch länger blieben die vollwertigen ganzen Taler aus Königsberg zu 30 Silbergroschen im Umlauf. Diese zog der preußische Staat erst 1902 endgültig aus dem Verkehr.

Heute legen Sammler teilweise horrende Summen für alte Münzen aus Königsberg auf den Tisch. So erzielte ein vierfacher Reichstaler aus dem Jahre 1628 einen Auktionserlös von 130.000 Euro, und für ein Zehndukaten-Stück von 1598 mit dem Bildnis von Georg Friedrich I. wurden sogar 170.000 Euro geboten.