21.05.2024

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Folge 18-22 vom 06. Mai 2022 / Inflation / Krieg und Corona sollen von eigenen Irrwegen ablenken / Der Geldwert erodiert. Der Nullzins zerstört die Daseinsvorsorge von Millionen Deutschen. Doch ein Aufschrei der Betroffenen bleibt bislang aus

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-22 vom 06. Mai 2022

Inflation
Krieg und Corona sollen von eigenen Irrwegen ablenken
Der Geldwert erodiert. Der Nullzins zerstört die Daseinsvorsorge von Millionen Deutschen. Doch ein Aufschrei der Betroffenen bleibt bislang aus
Hans Heckel

Die Inflation steigt und steigt. Sie ist die erbarmungsloseste und wohl auch unsozialste Steuer, die sich denken lässt. Und sie bedroht mittlerweile auch die wirtschaftlichen Grundlagen der Mittelschicht, nachdem der arme Teil der Bevölkerung längst massiv in Bedrängnis geraten ist.

Im Verbund mit kümmerlichen oder verschwundenen Zinsen verteuert die Preisinflation nicht bloß den täglichen Einkauf, das Essen, Einkleiden, Heizen, Tanken oder Beleuchten. Sie spült zudem die Daseinsvorsorge von Millionen Menschen dahin. Denn auch die Kapitalstöcke von Lebensversicherungen oder privaten Pensionsfonds schmelzen dahin. 7,4 Prozent jährliche Geldentwertung schrumpfen das Ersparte bei Nullzins binnen zehn Jahren auf die Hälfte. Wobei Zweifel bestehen, ob die offizielle Inflationsrate die Entwicklung überhaupt korrekt abbildet oder aber die tatsächliche Inflationsrate noch höher liegt.

Vor diesem Hintergrund muss es verwundern, wie (oberflächlich) ruhig die Deutschen ihre rasante Enteignung gerade hinnehmen. Dass bislang kein Aufschrei, keine Demonstrationen dagegen zu verzeichnen sind. 

Kanzler Scholz, der als ehemaliger Finanzminister bestens im Bilde ist über die anstehenden Verheerungen im Wohlstand in unserem Land, übergeht das Problem weitgehend. Andernorts wird neuerdings gern der Ukrainekrieg als Auslöser des Preisauftriebs identifiziert. 

Das Argument ist aber vorgeschoben. Als die milchverarbeitende Industrie nunmehr Preissprünge bei Milchprodukten im Mai um 20 bis 25 Prozent ankündigte, wies sie darauf hin, dass diese Preise schon vor Monaten, lange vor Kriegsausbruch, verhandelt worden seien. Der nächste Sprung, in den dann auch der Krieg mit allen seinen Folgen hineinwirken werde, stehe erst noch aus.

Folge politischer Entscheidungen

Der breite Inflationsschub hat in Wahrheit ein Bündel politisch gemachter und teils sogar gewollter Ursachen. Per Energiewende wurden günstige Energiequellen abgeschaltet und durch teurere, unzuverlässigere ersetzt. Dies treibt die Preise in der gesamten Produktpalette, insbesondere bei Nahrungsmitteln.

Auch soll Corona für Angebotsverknappungen weltweit gesorgt haben. Doch muss hier festgehalten werden, dass es letztlich die Lockdown-Maßnahmen waren, nicht das Virus selbst, das diese Probleme verursacht haben. China macht gerade vor, wie eine aus den Fugen geratene Anti-Covid-Strategie ins Verderben führt. Dass Gesundheitsminister Lauterbach derzeit ein so großes Interesse zeigt, die wissenschaftliche Überprüfung der Corona-Maßnahmen zumindest hinauszuzögern, lässt vermuten, dass er um die Unsinnigkeit vieler Restriktionen selbst längst weiß.

Vor all dem aber hat die Geldpolitik das Tor zum Inflationsdesaster aufgestoßen. Durch ungezügelte „Gelddruckerei“ hat insbesondere die EZB die Geldmenge weit über das vertretbare Maß aufgebläht, um bankrotte Staaten, Banken oder Unternehmen zu retten. Nun flutet dieses Geld die Märkte und entwertet damit die Guthaben und Einkommen der Menschen. Denn während andere Währungsräume ihre Zinsen langsam wieder anheben, um Geld aus dem Markt zu nehmen, traut sich dies die EZB nicht: Länder wie Italien oder Frankreich haben sich mit dem billigen EZB-Geld derart verschuldet, dass jeder selbst moderate Zins sie in die Knie zwingen und damit das Euro-Experiment an sein Ende bringen könnte.

Diese Zusammenhänge zuzugeben, käme einem Offenbarungseid der Politik gleich. So übergehen die Verantwortlichen das Thema Inflation einfach oder sie nutzen jede neue Krise als Sündenbock, um vom eigenen Irrweg abzulenken: Erst war es Corona, nun kam der Ukrainekrieg als Ausrede hinzu. Eine Lösung dieses (wie eines jeden) Problems ist jedoch nur denkbar, wenn zumindest die Ursachen ehrlich benannt werden. Dazu muss die Öffentlichkeit die Politik zwingen.