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Folge 21-22 vom 27. Mai 2022 / Landwirtschaft / Wenn Düngen nicht Erträge steigert, sondern Böden vergiftet / In China bedroht die Kontamination von Ackerflächen die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 21-22 vom 27. Mai 2022

Landwirtschaft
Wenn Düngen nicht Erträge steigert, sondern Böden vergiftet
In China bedroht die Kontamination von Ackerflächen die Lebensgrundlagen von Hunderten Millionen Menschen

Die Festlandschinesen machen fast ein Viertel der Weltbevölkerung aus. Zu ihrem Staatsterritorium gehört aber nur gut ein Zehntel der global vorhandenen Ackerfläche. In der Volksrepublik China werden etwa 135 Millionen Hektar Boden als Ackerland genutzt. Das sind 0,09 Hektar pro Bürger. Zum Vergleich: In der EU sind es 0,22 Hektar. Insofern sollte man meinen, dass der Umgang mit der landwirtschaftlichen Nutzfläche in China besonders sorgsam geschieht. Tatsächlich ist aber das Gegenteil der Fall. Dies zeigt eine Studie des Deutsch-Chinesischen Agrarzentrums über die „Kontamination von Ackerböden in China“ vom März dieses Jahres.

Als Hauptursache für die Kontamination gilt der exzessive Gebrauch von chemischen Düngemitteln und Pestiziden zur Maximierung des Ertrages. Die rund 300 Millionen chinesischen Landwirte verbrauchen ein Drittel der globalen Gesamtmenge an Stickstoffdünger. Und beim Phosphatdünger liegt die Quote sogar bei 36 Prozent. Da die Düngermassen nur zum Teil von den Pflanzen aufgenommen werden können, gelangen sie in den Boden und ins Grundwasser.

Ein weiteres Problem stellt der Umstand dar, dass fast die Hälfte des chinesischen Ackerlandes künstlich bewässert werden muss und die Wasserqualität nicht nur aufgrund der Überdüngung schlecht ist. Deshalb versauern die Böden, und es entsteht ein ph-Milieu, in dem die Pflanzen verstärkt gesundheitsschädliche Schwermetalle aufnehmen. Nach Angaben der Chinese Academy of Engineering gelangen pro Jahr ungefähr zwölf Millionen Tonnen Gemüse auf den Markt, das deutlich zu viele Schwermetalle enthält. Diese wiederum kommen oftmals aus der Luft. Der jährliche Kohleverbrauch liegt in China bei rund vier Milliarden Tonnen. Bei der Verbrennung des fossilen Energieträgers werden 51.600 Tonnen Blei, 38.300 Tonnen Arsen, 1100 Tonnen Kadmium und 750 Tonnen Quecksilber frei. Ein Großteil davon gelangt aus der Atmosphäre durch die Schwerkraft oder den Regen in den Boden. 

Bisherige Maßnahmen zur Bekämpfung der Bodenverschlechterung haben keine nennenswerte Wirkung gezeigt. Im Jahre 2013 kündigte zwar der damalige Stellvertretende Minister für Land und Ressourcen, Wang Shiyuan, großangelegte Programme zur Sanierung des chinesischen Ackerlandes an. Doch passiert ist seitdem praktisch nichts. Nun soll ein Handbuch des Pekinger Umweltministeriums mit Ratschlägen bezüglich der Vermeidung der Kontaminierung von Ackerland die Wende bringen. Wenn diese misslingt, droht dem bevölkerungsreichsten Land der Welt eine ökologische Katastrophe und eine Verknappung genießbarer Nahrungsmittel.W.K.