05.12.2023

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Folge 27-22 vom 08. Juli 2022 / Manuel Noriega / Vom Kriegssieger verurteilt

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-22 vom 08. Juli 2022

Manuel Noriega
Vom Kriegssieger verurteilt
Manuel Ruoff

Vor 30 Jahren, am 10. Juli 1992, wurde Manuel Noriega von den Eroberern seines Landes zu 40 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Dass Sieger über Besiegte zu Gericht sitzen, ist inzwischen zur Regel geworden. Aber dass ein Bundesrichter der USA Noriega den Status eines Kriegsgefangenen zubilligte in einer Zeit, in der es eher normal ist, den Kriegsgegner zu kriminalisieren, vor ein eigenes Gericht zu schleifen und dort abzuurteilen, ist schon bemerkenswert. 

Wegen guter Führung wurde das Strafmaß später auf 17 Jahre verkürzt. Die USA konnten sich diese Großzügigkeit problemlos leisten, weil Noriega nun nicht etwa in Freiheit kam, sondern an die französischen Verbündeten in Europa ausgeliefert wurde. 2010 wurde er an Frankreich überstellt. Seinem Wunsche folgend wurde er im darauffolgenden Jahr an Panama ausgeliefert. Dort saß er bis 2017 ein. Dann wurde die Strafe wegen eines Tumors, an dem er noch im selben Jahr starb, in Hausarrest umgewandelt.

Dabei hatte Noriega einmal als Günstling der USA angefangen. Während seines Aufstiegs in den Streitkräften Panamas arbeitete er eng mit der CIA zusammen, auf deren Gehaltsliste er mindestens zehn Jahre stand.

Dann drohte Noriega jedoch zu selbstständig zu werden. Das heutige Western Hemisphere Institute for Security Cooperation (WHINSEC) in Columbus, Georgia, saß damals noch als „School of the Americas“ (SOA) am Panamakanal. Washington musste damals fürchten, dass Panamas Einverständnis nicht verlängert wird. Zudem sollte der Auftrag zum Ausbau des Panamakanals an japanische Baufirmen gehen statt an die US-amerikanische Bechtel Corporation. 

Washington entschloss sich schließlich zum Angriffskrieg. Wenn andere Großmächte einen Regime Change in der Nachbarschaft versuchen, mag man von „Zeitenwende“ sprechen, bei den USA ist es eher die Regel. Erst wenige Jahre zuvor, 1983, hatten die USA Grenada militärisch überfallen. 113 Menschenleben hatte der US-amerikanische Angriffskrieg gegen Grenada gekostet. Noriega warnte zwar: „Wir sind kein Grenada“, aber es half nichts. 

Am 20. Dezember 1989 begann der US-amerikanische Überfall auf Panama. Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) schlug sich analog zur Europäischen Union im Ukrainekrieg auf die Seite des Angegriffenen. Die OAS forderte die Vereinten Nationen auf, die USA zum Abzug zu zwingen. Die EU hingegen forderte damals kein Ende der Aggression. Vielmehr verhinderten dessen Mitgliedsstaaten im Sicherheitsrat, Frankreich und Großbritannien, im Schulterschluss mit dem Aggressor dessen Verurteilung.

Die USA sprachen bei ihrem Überfall, immerhin der größten Luftlandeoperation seit dem Zweiten Weltkrieg, nicht von einer „militärischen Sonderoperation“, sondern eher noch euphemistischer von einer „Operation Just Cause“. Am 3. Januar 1990 hatte der Aggressor obsiegt. 23 Angreifer sowie 234 bis 314 Verteidiger kostete der Krieg das Leben. Daneben mussten 500 panamaische Zivilisten, so eine UN-Schätzung, für die „gerechte Sache“ sterben.