03.03.2024

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Folge 27-22 vom 08. Juli 2022 / Historischer Roman / Robert Koch in der Hansestadt / Ralf Günther schreibt in seinem Roman „Arzt der Hoffnung“ über den Cholera-Ausbruch in Hamburg und die Bekämpfung der Epidemie

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 27-22 vom 08. Juli 2022

Historischer Roman
Robert Koch in der Hansestadt
Ralf Günther schreibt in seinem Roman „Arzt der Hoffnung“ über den Cholera-Ausbruch in Hamburg und die Bekämpfung der Epidemie
Angela Selke

Der Entdecker des Tuberkulose-Erregers, Robert Koch, wird im Sommer 1892 im Auftrag des Kaisers von Berlin aus nach Hamburg geschickt, um sich dort der Eindämmung des Cholera-Erregers anzunehmen. Bisher gab es eine harmlose Variante, aber nun sterben die Infizierten innerhalb eines Tages an der Krankheit. Koch macht sich auf den Weg zum Hamburger Krankenhaus in St. Georg. Dort liegen mehrere Erkrankte, für die jede Hoffnung auf Rettung vergebens erscheint. Der Arzt legt diverse Proben des Hamburger Trinkwassers an und entdeckt, dass der Erreger darin in hohem Maße vorhanden ist.

Er versucht, den Hamburger Senat davon zu überzeugen, die Bevölkerung über seine Erkenntnisse zu informieren. Dieser hat allerdings zunächst die Wirtschaft der Stadt im Blick und will nicht in eine seiner Ansicht nach unbegründete Panik verfallen. Als der stellvertretende Senatspräsident Gerhard Hachmann selbst fast der Cholera zum Opfer gefallen wäre, ist Hamburgs Führung endlich bereit, der Bevölkerung Hygieneratschläge zu erteilen. 

Besonders im Hamburger Gängeviertel herrscht eine unzumutbare Verschmutzung durch Fäkalien. Ein Kollege Kochs, der Eppendorfer Arzt Karst, findet heraus, dass die Infusion von Kochsalzlösung die Menschen retten kann. Das Cholera-Bazillus verursachte eine tödliche Austrocknung des Körpers innerhalb von einigen Stunden.

Der Grund für die Ausbreitung des Erregers wird dann auch bald gefunden. Anders als in Altona, wo fast niemand erkrankt ist, wurde in Hamburg daran gespart, die Filteranlage für Trinkwasser richtig auszustatten. So war es nicht ungewöhnlich, wenn neben gesundheitsgefährdenden Erregern selbst kleine Fische ins Trinkwasser gelangten. Von der Wasserverschmutzung war kein Hamburger ausgeschlossen.

In seinem Roman „Arzt der Hoffnung“, den Ralf Günther vor Ausbruch der Corona-Pandemie geschrieben hat, kommt der Hamburger Zeitgeist gut zum Ausdruck. Unter anderem wurde damals die moderne „Ehe“ von Koch mit einer jungen Frau als unziemlich angesehen. Interessant und auf Tatsachen basierend wird die Epidemie dargestellt, sodass der Leser sich alles sehr gut bildlich vorstellen kann. Besonders in Anbetracht der Corona-Pandemie lassen sich viele Parallelen bei den  Maßnahmen zur Eindämmung der Krankheit entdecken, die auch heute wieder Anwendung finden. Günther stammt aus Köln und hat bereits einige historische Romane geschrieben. 

Ralf Günther: „Arzt der Hoffnung“, Rowohlt Verlag, Hamburg 2021, Taschenbuch, 315 Seiten, 12 Euro