Wirtschaft fordert Rettung
Berlin – Die deutsche Wirtschaft sorgt sich um ihre Produktionsfähigkeit, sollte Russland auch nach den Reparaturarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 kein Gas liefern. Peter Adrian, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, fordert für diesen Fall von der Bundesregierung einen Rettungsschirm. Zur Begründung heißt es, dass Betriebsschließungen bevorstünden, weil viele Unternehmen keine Alternativen zum Einsatz von Gas in der Produktion hätten. Steigende Energiepreise, mögliche Versorgungsengpässe und Rationierungen würden die Unternehmen mit voller Wucht treffen, was sich auf die gesamte deutsche Wirtschaft und deren Beschäftigte auswirken würde.MRK
Glückliche Schweiz
Bern/Luxemburg – Die Inflationsrate in der Eurozone hat sich nach Schätzung des Statistikamts Eurostat im Juni im Jahresvergleich um 8,6 Prozent erhöht. Dies war der stärkste Anstieg seit Einführung des Euro im Jahr 1999. Vergleichsweise gering fiel die Teuerung in der Schweiz aus. Für die Eidgenossenschaft ermittelte das dortige Bundesamt für Statistik für Juni einen Anstieg der Verbraucherpreise um 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Alexander Rathke von der Konjunkturforschungsstelle der Universität ETH nannte als Grund für die im internationalen Vergleich geringe Inflation in der Schweiz die Aufwertung des Franken, der importierte Güter für Verbraucher billiger macht. Als weitere Faktoren nennen Ökonomen Preiskontrollen bei Strom und Gas sowie den hohen Anteil von günstigem Wasserkraft- und Atomstrom am Strommix. Die Aufwertung des Franken kommt nicht von ungefähr. Sein Kurs ist hoch, weil er stark nachgefragt ist. Das hat zwei Gründe. Zum einen hat die Schweiz eine stabile, wettbewerbsfähige Volkswirtschaft mit attraktiven, stark nachgefragten Exportgütern, welche die Nachfrage nach dem Franken erhöhen. Zum anderen flutet die Schweizerische Nationalbank nicht die Märkte mit billigem Geld, wie es die Europäische Zentralbank tut, um überschuldeten Staaten den Staatsbankrott zu ersparen.N.H./PAZ
Unternehmen wandern ab
Genf – Die Schweiz galt bislang als einer der wichtigsten Rohstoffhandelsplätze der Welt. Etwa 900 Unternehmen mit rund 10.000 Mitarbeitern sind laut dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen in der Rohstoffbranche tätig. Auch 80 Prozent der russischen Rohstoffe wurden über die Schweiz gehandelt. Seit die Berner Regierung sich den EU-Sanktionen gegen Russland angeschlossen hat, orientieren sich immer mehr Rohstoffkonzerne um. Einige sind bereits von Genf nach Dubai abgewandert, weitere wollen folgen, darunter die Ölkonzerne Rosneft und Lukoil sowie der Gasriese Gazprom. Auch das Genfer Unternehmen Solaris Commodities, das russisches Getreide handelt, plant den Umzug nach Dubai, das mit Freihandelszonen und mit einer niedrigen Besteuerung lockt.MRK


