Zum Kriegsende im Mai 1945 galten mehr als 20 Millionen Deutsche als vermisst, darunter auch zahlreiche Kinder, die durch Flucht oder Vertreibung von ihren Eltern getrennt worden waren. Deshalb entstanden zwei Suchdienste des Deutschen Roten Kreuzes in Flensburg und München, welche dann 1950 in einem einheitlichen DRK-Suchdienst für die Bundesrepublik aufgingen. Dieser wiederum stand in der Tradition ähnlicher Institutionen, deren Geschichte sich bis 1859 zurückverfolgen lässt.
In den ersten fünf Jahren gingen
14 Millionen Anfragen beim DRK ein, auf die in 8,8 Millionen Fällen klärende Antworten erfolgten. 1959 lagen dann noch 2,5 Millionen offene Anträge auf Auskunft vor. In all den Jahren danach wurden indes nur knapp die Hälfte, nämlich 1,2 Millionen, erfolgreich abgearbeitet. Die Suche blieb also nicht selten vergeblich – teilweise bis zum heutigen Tage –, was auch für die Nachforschungen über 5000 nach wie vor verschollene Kinder gilt.
Gleichzeitig erhält der Suchdienst weiterhin Anfragen von Menschen, welche etwas über den Verbleib ihrer Angehörigen in Erfahrung bringen möchten. Allein 2020 registrierte das DRK 11.501 neue Erst-Anträge, von denen mittlerweile 8561 abschließend bearbeitet und rund 1700 auch mit einer aussagekräftigen Auskunft beschieden werden konnten. An den Recherchen beteiligten sich die Suchdienst-Leitstelle im Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin, die zentralen Suchdienststandorte in München und Hamburg sowie die Suchdiensteinrichtungen der Landesverbände des Roten Kreuzes mit ihren 90 hauptamtlich besetzten DRK-Suchdienst-Beratungsstellen und 246 ehrenamtlichen Kreisauskunftsbüros.
Immigranten als neues Arbeitsfeld
Die Finanzierung des DRK-Suchdienstes erfolgt seit 1953 durch das Bundesinnenministerium. Und dieses beschloss trotz des anhaltenden Stroms von Anfragen im Juli 2017, die Klärung von deutschen Vermisstenschicksalen des Zweiten Weltkriegs zum 31. Dezember 2023 einstellen zu lassen. Allerdings wurde die Frist dann 2020 bis Ende 2025 verlängert. Gleichzeitig soll sich der DRK-Suchdienst nun aber auch um den Verbleib von Menschen kümmern, die infolge aktueller bewaffneter Konflikte und weltweiter Katastrophen sowie durch Migration von ihren Angehörigen getrennt wurden „und bei denen entweder der Suchende in Deutschland lebt oder der Gesuchte in Deutschland vermutet wird“.
Diesbezüglich trafen bereits einige tausend Anfragen ein, wobei es meist um Personen aus Afghanistan, Somalia, Syrien und dem Irak ging. Bei deren Beantwortung arbeitet der Suchdienst des DRK mit 192 nationalen Rotkreuz- oder Rothalbmond-Gesellschaften zusammen und verwendet parallel dazu eine Online-Fotogalerie namens Trace to Face (Spur zum Gesicht).
Darüber hinaus werden Anfragen zum Schicksal von Spätaussiedlern bearbeitet und Rot-Kreuz-Nachrichten beziehungsweise „Nachrichten zur persönlichen Unversehrtheit“ übermittelt, wenn die Kommunikation zwischen den Angehörigen durch Kriege oder Naturkatastrophen unterbrochen ist. Zudem berät der DRK-Suchdienst jetzt auch Immigranten bei der Familienzusammenführung in Deutschland.


