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Folge 29-22 vom 22. Juli 2022 / Großbritannien / Wer folgt auf Boris Johnson? / Beim Wettkampf um die Downing Street 10 liegt Ex-Schatzkanzler Sunak vorne, gefolgt von zwei Frauen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-22 vom 22. Juli 2022

Großbritannien
Wer folgt auf Boris Johnson?
Beim Wettkampf um die Downing Street 10 liegt Ex-Schatzkanzler Sunak vorne, gefolgt von zwei Frauen
Claudia Hansen

Nach dem Sturz des Boris Johnson vor zwei Wochen ging es ganz schnell. Innerhalb von wenigen Tagen startete die Konservative Partei das Rennen um die „Party Leadership“. Der nächste Tory-Chef wird britischer Premierminister. 

Anfangs gingen elf Kandidaten ins Rennen. In die Stichwahl werden aber zwei Kandidaten gehen, bei der die Mitglieder der Partei den „Leader“ küren. Es gibt derzeit ein Hauen und Stechen unter den Blauen, das konservative Magazin „The Spectator“ schrieb von „Blue Murder“. Deutsche Beobachter würden dennoch von einem eher zivilisierten Wahlkampf sprechen.

Als sicher galt, dass Ex-Schatzkanzler Rishi Sunak in die Stichwahl gelangt. Sunak, der im Werbefilm die Erfolgsgeschichte seiner indischen Einwandererfamilie betont, liegt bei den fraktionsinternen Wahlen seit Beginn vorne. Aber er hat auch erbitterte Feinde im Lager der verbliebenen Johnson-Getreuen, die ihn als Verräter angreifen, weil sein Rücktritt vor zwei Wochen die Wagenburg des Tory-Kabinetts kollabieren ließ. Der Brexit-Minister Jacob Rees-Mogg hasst ihn und stichelt, Sunak habe die Steuern auf ein „sozialistisches Niveau“ erhöht. Die Steuerpolitik ist das am heftigsten umkämpfte Thema. Zu kämpfen hat 42-jährige Ex-Schatzkanzler auch damit, dass der Ex-Investmentbanker und seine Frau, eine indische Milliardärstochter, als „zu reich“ erscheinen. Labour kann ihm leicht vorwerfen, er wisse nichts von den finanziellen Sorgen und Nöten einfacher Wähler. 

Eine „wache“ Staatsministerin

Auf dem zweiten Platz lag nach drei Wahlrunden überraschend Penny Mordaunt, Staatsministerin für Handel, die in der breiteren Öffentlichkeit in den vergangenen drei Johnson-Jahren kaum in Erscheinung getreten ist. Sie galt zwischenzeitlich sogar als Favoritin. 

Doch „PM4PM“ („Penny Mordaunt for Prime Minister“, so lautet ihr Wahlkampfslogan) hat auch Schwächen – namentlich, dass sie vielen Konservativen als „zu woke“ gilt. Als ehemalige Staatssekretärin für Gleichheit machte sich die attraktive Blondine die Agenda der LGBTI-Bewegung ein bisschen zu leidenschaftlich zu eigen, sagen ihre Gegner. Nicht nur hat die 48-jährige linksliberale Konservative das Dogma „Transfrauen sind Frauen und Transmänner sind Männer“ vertreten, sie schrieb auch in einem Gesetzentwurf „gebärende Person“ (statt Mutter). Jetzt dementiert sie dies.

Ebenfalls Chancen, in die Stichwahl zu gelangen, rechnete sich Liz Truss aus, die Außenministerin, hinter der sich die Brexit-Hardliner und Parteirechten sammeln. Doch Truss wirkte in den Fernsehdebatten eher hölzern und spröde. Die 46-Jährige trug eine Rüschenbluse, die stark an Margaret Thatcher erinnern sollte, und fordert sofortige Steuersenkungen. Falls die Brexit-Lobby „European Research Group“ der Tories ihre Stimmen auf sie vereint, könnte sie Sunak doch noch sehr gefährlich werden.

Die rechte Überraschungskandidatin ist indes Kemi Badenoch. Es klingt für deutsche Ohren vielleicht gewöhnungsbedürftig, doch die schwarze Abgeordnete, die ihre Jugend in Nigeria verbracht hat, sorgt bei den britischen Rechtskonservativen für Begeisterung. Warum? Weil die erst 42-jährige Badenoch wie keine andere gegen die „woke“ Linke Front macht und deren ewiges „Rassismus“-Geschrei klug kontert. In einer legendären Parlamentsdebatte verdammte sie als Staatssekretärin für Gleichheit die linke „Critical Race Theory“. Diese impliziert eine Art umgekehrten Rassismus gegen Weiße, weil Weiße quasi erblich als ewige Täter und Schwarze strukturell als Opfer dargestellt werden. Ebenso hat Badenoch die LGBTI-Lobby ausgebremst. 

Auch wenn die schwarze Konservative die Schlussrunde nicht gewinnen sollte, sagen viele Kommentatoren, dass sie zu den führenden Tory-Politikern der nächsten Generation zählen wird.

Spätestens am 5. September soll der nächste Premier feststehen. Wer immer in die Downing Street einzieht, steht vor einer monumentalen Aufgabe. Er oder sie muss den Rückstand von derzeit zehn Prozentpunkten auf Labour in den Umfragen aufholen. Die Tories haben nur zwei Jahre Gnadenfrist bis zur nächsten Parlamentswahl.