24.05.2024

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Folge 29-22 vom 22. Juli 2022 / Hans Graf von Lehndorff / „Er brachte Hoffnung und Glauben zurück“ / Als Arzt und Christ in schwerer Zeit tätig – Evangelisch-augsburgische Kirche in Langgut ehrt den Ostpreußen mit einer Gedenktafel

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-22 vom 22. Juli 2022

Hans Graf von Lehndorff
„Er brachte Hoffnung und Glauben zurück“
Als Arzt und Christ in schwerer Zeit tätig – Evangelisch-augsburgische Kirche in Langgut ehrt den Ostpreußen mit einer Gedenktafel
Uwe Hahnkamp

Die kurze Beschreibung einer großen Persönlichkeit auf einer neuen zweisprachigen Gedenktafel im Vorraum der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Langgut zwischen Allenstein und Osterode lautet: „… Kommendator des Johanniterordens, evangelischer Christ“. Mit diesen Worten ist Hans Graf von Lehndorff gemeint, dessen Sohn Carl am 8. Juli diese Tafel im Rahmen einer Feierlichkeit enthüllte.

Hans Graf von Lehndorff arbeitete als Arzt in Königsberg, als die Stadt 1945 von der Roten Armee angegriffen wurde. Nach 77 Jahren ist schwer vorstellbar, was er dort durchgemacht hat, auch wenn der aktuelle Krieg beweist, dass die Menschheit nichts dazugelernt hat. In der eingekesselten Stadt, die pausenlos beschossen wurde, und sich danach durch Plünderungen, Morde und Brandschatzen in eine Apokalypse verwandelte, tat er Dienst als Mediziner, hielt als evangelischer Christ Andachten und versuchte, sich und seinen Mitmenschen Würde, Hoffnung und Glauben zu erhalten – und zu überleben.

Berichte aus der Hölle

Im Oktober 1945 verließ von Lehndorff Königsberg und schlug sich ins Grenzgebiet von West- und Ostpreußen durch, mit den für ihn aus seiner Kindheit familiären Orten Januschau, Grasnitz und Langgut, wo er unter anderem in Biessellen und später in Rosenberg tätig war. „Hier versorgte und half er Deutschen, Masuren und Polen“ ist auf der Gedenktafel zu lesen; „und Russen“ müsste man noch hinzufügen, denn auch diese gehörten zu den Patienten von Hans Graf von Lehndorff. Im Jahr 1947 durfte er dann aus Rosenberg in den Westen ausreisen, wo er sich in Bonn niederließ und lange Jahre eine Klinik betrieb. Carl Lehndorff, sein Sohn, der zur Enthüllung der Tafel aus der Bundesrepublik angereist war, hatte von seinem Vater selten etwas über diese Zeit gehört. „Mein Vater konnte und wollte mit uns nicht darüber reden, er sprach lieber über Erinnerungen aus seiner Kindheit“, erklärte er, „die Zeit von 1945–47 hat er in seinem bekannten ,Ostpreußischen Tagebuch‘ schriftlich niedergelegt.“

Dieses Buch hatten Katarzyna und Krzysztof Walenczak von der Stiftung Turnitzmühle Heritage Foundation für sich entdeckt, die das kulturelle Erbe der Region, darunter auch die Kirche in Langgut, erhalten möchte. Sie hatten den Evangelisch-Augsburgischen Pfarrer Wojciech Płoszek in Osterode, zu dessen Gemeinde die Kirche in Langgut gehört, auf das Tagebuch aufmerksam gemacht und die Initiative zur Gedenktafel angestoßen.

Dass diese gerade in dieser Kirche angebracht wurde, ist übrigens kein Zufall. Hier hielt Hans Graf von Lehndorff im November 1945 nämlich den ersten Gottesdienst nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch das ist auf der Tafel vermerkt, ergänzt um die Inschrift „Er brachte Hoffnung und Glauben zurück.“ Damals wie auch jetzt bei der feierlichen Enthüllung war die inzwischen über 90 Jahre alte Margarethe Wischniewski dabei. Dank ihr und seit einigen Jahren ihrer Tochter ist der Friedhof um die Langguter Kirche bis heute gut gepflegt. Am 8. Juli konnte sie ihre Erinnerungen an Carl Lehndorff weitergeben, in dem sie einen aufmerksamen Zuhörer fand. 

Er kennt die Gegend, die er mit seinem Vater im Jahr 1977 bereist hat, denn Hans Graf von Lehndorff blieb der Region nicht nur aus der Entfernung treu. Er gehörte dem Johanniterorden an und sorgte bis zu seinem Tod mit Hilfstransporten für die dort lebenden Menschen. „Er setzte so die Tradition des Ordens im Bereich der humanitären Hilfe konsequent fort“, lobte ihn Przemysław Florjanowicz-Błachut von der Subkommende Polen der Johanniter in Warschau. Er vertrat bei der Feierlichkeit den Orden, da die deutsche Delegation ihre Teilnahme krankheitsbedingt absagen musste.

Ehrenkommendator und Preußenschildträger

Der Orden verlieh Hans Graf von Lehndorff zuletzt den Rang eines Ehrenkommendators. Für seine Tätigkeit für Ostpreußen wurde er von der Landsmannschaft Ostpreußen mit seiner höchsten Auszeichnung, dem Preußenschild, geehrt. Seine Bedeutung für die Region zeigen auch die Gäste des Festakts am 8. Juli. Der Bischof der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in der Republik Polen, Paweł Hause, der Bevollmächtigte für Minderheitenfragen des Marschalls der Woiwodschaft, Wiktor Marek Leyk, sowie die Vorsitzenden der deutschen Gesellschaften in Mohrungen, Urszula Mańka, und in Osterode, Heinrich Hoch, hatten an diesem Freitag-Nachmittag den Weg in das kleine Dorf Langgut auf sich genommen, um ihm die Ehre zu erweisen, damit Hoffnung und Glauben nicht verloren gehen.