20.05.2024

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Folge 29-22 vom 22. Juli 2022 / Allenstein / Zeitkapsel verweist auf neuere und ältere Geschichte / Neben Dokumenten der Kuppelrenovierung des Rathauses von 1980 war auch eines von 1914 enthalten

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 29-22 vom 22. Juli 2022

Allenstein
Zeitkapsel verweist auf neuere und ältere Geschichte
Neben Dokumenten der Kuppelrenovierung des Rathauses von 1980 war auch eines von 1914 enthalten
Uwe Hahnkamp

Seit Februar dieses Jahres wird die Spitze des Turms des Allensteiner Rathauses renoviert. Bis jetzt steht noch das Gerüst um Kugel und Wetterfahne, die dort ihren Platz wieder einnehmen sollen. Die zu Beginn der Arbeiten gefundene Zeitkapsel hat ihren Inhalt preisgegeben und wartet darauf, frisch gefüllt wieder an die Spitze zurückzukommen.

Bei Unwettern wurde die Spitze des Turms beschädigt, stand schief und drohte einzustürzen. Wegen der Sperrung des Platzes vor dem Rathaus konnten dort nicht einmal die Demonstration gegen den Krieg in der Ukraine stattfinden. Als die ersten Arbeiten starteten, fiel den Handwerkern ein zugeschweißter kupferner Zylinder mit der Aufschrift „Renovierung des Rathausturms, August 1980“ in die Hände. 

Geschichte aus der Dose ...

Autor dieses geheimnisvollen Zylinders mit Nachrichten aus der Vergangenheit ist der Blechnermeister Bohdan Zalewski, der damals die Arbeiten leitete. „Ich hätte nicht gedacht, dass diese Kapsel noch zu meinen Lebzeiten gefunden und geöffnet wird“, gestand er gerührt bei der feierlichen Öffnung des Objekts Ende März im früheren Trolleybus-Depot des Museums der Moderne des Städtischen Kulturzen-trums in Allenstein. Es war ein passender Ort für ein zu erwartendes Dokument der neuesten Geschichte der Stadt. Unter den wachsamen Augen von Stadtpräsident Piotr Grzymowicz übernahm der Regionalhistoriker Rafał Bętkowski vom Museum die Aufgabe, den Zylinder zu öffnen.

Es war fast wie eine historische Mahlzeit aus einer Konservendose. Als Hauptgang gab es eine Dokumentation der Arbeiten von 1980. „Das Gerüst um die Kuppel des Turms steht, vor Ort ist auch Kupferblech mit einem Gewicht von etwa zwei Tonnen. Es wurde berechnet, dass so viel für den Austausch der gesamten Blechabdeckung der Kuppel benötigt wird“, beginnt ein umfangreicher Artikel in dem Exemplar der „Gazeta Olsztyńska“, das im Zylinder gefunden wurde. Als Beilage dazu ein Satz damals ausgegebener Złoty-Münzen und ein Kupferschild mit den Namen des Investors und des Baukommissars.

… oder wie aus der Matrjoschka

Als Sahnehäubchen auf dem Nachtisch hat Bohdan Zalewski aber wie in einer russischen Matrjoschka eine noch ältere Geschichte in die von 1980 integriert. „Bei der damaligen Renovierung haben wir eine zerbrochene Flasche mit einem Dokument auf Transparentpapier aus dem Jahr 1914 gefunden und zur Sicherung in unsere Kapsel übernommen“, berichtete er. „Im Jahre des Heils 1914 am 2. Juni“ beginnt das in Deutsch zur Beendigung „sämtlicher Turm- und Kupferarbeiten“ abgefasste Dokument. „Der Klempnermeister Albert Heinrici wohnte mit seiner Familie am damaligen Friedrich-Wilhelm-Platz, seine sieben Söhne, auch vier Frauen dieses Namens und die Gesellen haben unterschrieben“, zählte Bętkowski auf. 

Doch besonders interessant ist das Datum. „1914 war der Turm fertig, die Wetterfahne zeigt aber das Jahr 1915. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkriegs muss das Gerüst noch länger gestanden haben, anders kommt man nämlich nicht hoch, um sie anzubringen“, erklärte Bętkowski. Die erste Sitzung des Rats fand 1916 nach den Innenausbauten im Rathaus statt. 

Was genau mit den Gegenständen aus der Zeitkapsel passieren soll, ist noch unklar. „Das Dokument sollte konserviert und in einem Museum gezeigt werden, eine Kopie und die restlichen Dinge in einer neuen Kapsel wieder vor Ort hinterlegt werden“, lautet der Vorschlag Bętkowskis.