15.06.2024

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Folge 34-22 vom 26. August 2022 / Dienstleistung / Willkommen in der Servicewüste / Knausern und Schludern beim Personal – Wenn der Verbraucher für schlechtere Bewirtung oder Beratung den vollen Preis zahlen soll

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-22 vom 26. August 2022

Dienstleistung
Willkommen in der Servicewüste
Knausern und Schludern beim Personal – Wenn der Verbraucher für schlechtere Bewirtung oder Beratung den vollen Preis zahlen soll

Im Oktober 2021 tauchte erstmals der neuartige Begriff Skimpflation auf – abgeleitet vom englischen Wort „skimp“ für „knausern“ oder „schludern“. Bei der Skimpflation sinkt die Qualität von Dienstleistungen, während der Preis aber gleich bleibt oder sogar noch steigt. Wie bei der Shrinkflation handelt es sich hier vor allem um eine Reaktion auf höhere Kosten, wobei diesmal die Service-Erbringer betroffen sind, so zum Beispiel durch steigende Löhne für ihre Mitarbeiter. Außerdem kann auch Arbeitskräftemangel die Ursache sein.

Zu den typischen Ausdrucksformen der Skimpflation gehören beispielsweise deutlich längere Wartezeiten beim Sicherheitscheck am Flughafen und die mittlerweile fünfmal höhere Wahrscheinlichkeit als noch vor einem Jahr, am Zielort ohne Gepäck dazustehen, obwohl die Tickets keineswegs billiger verkauft werden. Dazu kommen eingeschränkte Öffnungszeiten für kulturelle und sonstige Einrichtungen aller Art trotz unveränderter Eintrittspreise sowie die reduzierte Auswahl an Speisen in Restaurants aufgrund personeller Einsparungen im Küchenbereich, ohne dass der Kunde davon in irgendeiner Weise mitprofitiert. 

Darüber hinaus äußert sich die Skimp­flation in einer geringeren Zahl von Beschäftigten in Unternehmen wie Callcentern oder Hotels. Das führt dann dazu, dass Reinigungsleistungen seltener erbracht werden als bisher – bei gleichem Zimmerpreis. Oder der Kunde ewig in telefonischen Warteschleifen ausharren muss, obwohl er sich wegen der einstmals so guten Erreichbarkeit des Anbieters bewusst für einen nicht ganz so günstigen Vertrag entschieden hat.

Oftmals dient die Corona-Pandemie heute als Rechtfertigung für die Skimpflation. Die drastischen Abstriche beim Service werden als unvermeidbare Folge der staatlich verordneten Hygienemaßnahmen hingestellt – auch wenn diese gar nicht mehr notwendig sind.

Skimpflation ist ebenfalls eine Form der Geldentwertung, da der Verbraucher letztlich mehr ausgeben muss, wenn er den gleichen Service wie bisher erhalten will. Doch damit nicht genug: Sie sorgt auch für tiefgreifende Unzufriedenheit bis hin zur Staatsverdrossenheit, weil sich die Lebensqualität der Menschen spürbar verschlechtert. So machen Dienstleistungen im deutschen Warenkorb immerhin um die 53 Prozent aus. 

Allerdings lässt sich diese Art der Inflation schlecht erfassen, wie das Statistische Bundesamt ganz offen eingesteht. Im Gegensatz zu verkleinerten Packungsgrößen bei gleichbleibendem Preis gebe es bei Serviceverschlechterungen kaum Möglichkeiten, diese rechnerisch zu berücksichtigen.W.K.