22.06.2024

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Folge 34-22 vom 26. August 2022 / Parlamentswahlen in Italien / Ein Land streitet über eine Flamme / ritiker sehen Parteilogo der „Fratelli d'Italia“ als Symbol des Faschismus – Giorgia Meloni bestreitet das

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-22 vom 26. August 2022

Parlamentswahlen in Italien
Ein Land streitet über eine Flamme
ritiker sehen Parteilogo der „Fratelli d'Italia“ als Symbol des Faschismus – Giorgia Meloni bestreitet das
Peter Entinger

In der vergangenen Woche mussten die Parteien, die sich am 25. September um Parlamentssitze in Italien bewerben, ihre Logos beim Wahlleiter hinterlegen. Mit Spannung wurde erwartet, ob Giorgia Meloni, Spitzenkandidatin der Fratelli d’Italia (Brüder Italiens, FDI), ihrer Partei eine Auffrischung verpasst. Doch daraus wurde nichts. 

Auf einer Pressekonferenz präsentierte die Favoritin das Logo ihrer Partei – inklusive der trikoloren Flamme: grün-weiß-rot lodernd auf einem schwarzen Strich. Faschistische Nostalgiker sagen, er symbolisiere den Sarg Benito Mussolinis. Die Flamme stehe für das „Ewigkeitslicht“, das auf dem Sarg des Duce im norditalienischen Predappio steht. Der Ursprung des Symbols ist nicht völlig aufzuklären. Zweifelsohne geht er auf die Idee des neofaschistischen Nachkriegsführers Giorgio Almirante zurück. 

Der Ende der 80er Jahre gestorbene und bis heute populäre Rechts-Politiker hat stets behauptet, die Flamme stehe für eine Armee-Einheit aus dem Ersten Weltkrieg. Jahrzehntelang war sie das Logo der neofaschistischen Sozialbewegung MSI. Als Almirante starb und sein Nachfolger Gianfranco Fini einen Pakt mit dem Konservativen Silvio Berlusconi schloss, wurde die Flamme kleiner und verschwand schließlich, als die Postfaschisten 2008 mit Berlusconis Forza Italia ein Bündnis schlossen. 

Erste weibliche Regierungschefin

Aus der Konkursmasse des MSI und der Nachfolgerorganisation Alleanza Nationale entstanden 2014 die „Brüder Italiens“ und die trikolore Flamme tauchte wieder auf. Nach den jüngsten Umfragen kämen die FDI auf 25 Prozent, Giorgia Meloni hat also beste Chancen, erste weibliche Regierungschefin zu werden.

Viele, auch in ihrer Partei, hatten erwartet, sie würde sich für einen moderaten Auftritt entscheiden. Doch es kam anders. „Das ist das Symbol, auf das wir so stolz sind“, twitterte Meloni nach der Präsentation. „Zweideutig, eindeutig“, befand der „Corriere della Sierra“ den Auftritt. Meloni selbst versicherte zwar, die Flamme habe nichts mit dem Faschismus zu tun. Antifaschistische Opferverbände waren dennoch empört. Auch parteiintern ist Unbehagen zu spüren „Ich kann verstehen, dass das Symbol für viele Menschen wichtig ist. Für andere ist es mit Blick auf die Zukunft nicht wichtig“, sagte Rachele Mussolini, Enkelin des Duce, die für die FDI im Stadtrat der Hauptstadt Rom sitzt.