22.06.2024

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Folge 34-22 vom 26. August 2022 / Für Sie gelesen / Banales und Richtiges

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 34-22 vom 26. August 2022

Für Sie gelesen
Banales und Richtiges
Wolfgang Kaufmann

Es gibt Bücher, deren Inhalt schon bald nach ihrem Erscheinen obsolet wird, ohne dass den Autor eine Schuld hieran trifft. Das gilt auch für „Hassliebe. Warum Deutsche und Russen nicht miteinander können“ von Anna Rose. Die in Russland geborene Journalistin und Übersetzerin, die an der Berliner Humboldt-Universität promovierte und für die Regierungszeitung „Rossijskaja Gaseta“ und für den kremlkritischen Radiosender „Echo Moskwy“ als Deutschlandkorrespondentin tätig war beziehungsweise noch ist, will uns Deutschen einen Spiegel vorhalten und zugleich Verständnis für die russische Befindlichkeit von heute wecken.

Allerdings sind viele der Themen, die sie anspricht, aus jetziger Sicht deutlich zu banal. Warum sich russische Frauen besser kleiden als ihre Geschlechtsgenossinnen hierzulande und Russen ein anderes Verhältnis zur Ordnung haben als die peniblen Deutschen, interessiert niemanden mehr ernsthaft, seit ein blutiger Krieg zwischen Russen und Ukrainern tobt, zu dem wir uns positionieren müssen, was eindeutig zu Lasten der Russen geht. Obwohl diese als Volk natürlich nicht alle hinter Putin stehen. Dennoch hat sich zumindest die Liebe erst einmal auf unabsehbare Zeit erledigt …

Politische Fehleinschätzungen

Ansonsten enthält Roses Buch auch zahlreiche eklatante politische Fehleinschätzungen, wobei damit nicht nur die stereotyp-negativen Aussagen über die AfD gemeint sind. So vertritt die Autorin die Ansicht, dass die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel Russland als „unberechenbaren Feind“ betrachtet habe und zur „kalten Kriegerin“ geworden sei, um den USA zu „imponieren“. In Wirklichkeit war freilich meist das Gegenteil der Fall – vor allem während der Ära Trump.

Andererseits liegt Rose aber auch vielfach richtig. Das gilt beispielsweise für die Passagen, in denen sie die Berichterstattung der bundesdeutschen Mainstream-Medien kritisiert. Diese haben die russischen Warnungen vor der radikalislamischen Terrorgefahr tatsächlich verharmlost oder gar ins Lächerliche gezogen. Und die Autorin unterscheidet dezidiert zwischen Mittel- und Westdeutschen, was angesichts der geschichtlichen Entwicklung auch durchaus ratsam ist. Dabei kommt sie zu folgendem Urteil: „Der Drang nach Belehrung und die Überheblichkeit der Westdeutschen sind das Teufelszeug, das es verhindert, dass das russische und das deutsche Volk zueinander finden.“ 

Allerdings haben die Ost- beziehungsweise Mitteldeutschen zwischen 1945 und 1994 genügend üble Erfahrungen mit den russischen Invasoren und Besatzern gemacht, welche noch heute für reichlich Distanz oder gar Abscheu sorgen. Oder anders ausgedrückt: Wenn man im Osten der Bundesrepublik heute mehr Putin-Sympathisanten trifft als im Westen, ist das weniger ein Ausdruck von Russenliebe als von Protest gegen das ampelbunte politische Establishment in Berlin.

Anna Rose: „Hassliebe. Warum Deutsche und Russen nicht miteinander können“, Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2021, broschiert, 349 Seiten, 18 Euro