30.04.2026

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Folge 38-22 vom 23. September 2022 / Lauchhammer / Batterien statt Rotorblättern? / Svolt will nach eigenen Angaben aufgegebenes Vestas-Werksgelände als Produktionsstandort nutzen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-22 vom 23. September 2022

Lauchhammer
Batterien statt Rotorblättern?
Svolt will nach eigenen Angaben aufgegebenes Vestas-Werksgelände als Produktionsstandort nutzen
Hermann Müller

Der dänische Windradhersteller Vestas hat erst vor Kurzem die Produktion von Rotorblättern im südbrandenburgischen Lauchhammer eingestellt. Überraschend teilte der chinesische Batteriehersteller Svolt nun mit, das aufgegebene Vestas-Werksgelände als Produktionsstandort nutzen zu wollen. Nach Angaben des Unternehmens, sollen in Lauchhammer Batteriezellen hergestellt werden, die am künftigen Svolt-Standort im saarländischen Heusweiler weiterverarbeitet werden sollen. 

Die Wahl des Standortes Lauchhammer durch die Chinesen hatte im Saarland zunächst für Irritationen gesorgt. Die „Lausitzer Rundschau“ hatte nämlich berichtet, Svolt könnte wegen der neuen Pläne in Brandenburg möglicherweise Abstand nehmen von einer geplanten Batteriefertigung im Saarland. Svolt teilte als Reaktion allerdings mit, es sei nicht auf der Suche nach einem Alternativstandort zu den geplanten Fabriken in den saarländischen Orten Heusweiler und Überherrn. 

Schon seit Längerem zeichnet sich jedoch ab, dass sich der von Svolt anvisierte Produktionsstart im Saarland massiv verzögert. Wie der Saarländische Rundfunk (SR) berichtet, rechnet Svolt damit, in Überherrn erst ab 2028 die Batterie-Serienproduktion für Elektroautos starten zu können. Angepeilt war ursprünglich ein Produktionsstart ab Ende 2023.

Laut dem SR-Bericht steht das Bauleitplanverfahren für die Fabrikansiedlung noch immer im Anfangsstadium. Zudem gibt es Widerstand von zwei Bürgerinitiativen. Svolt hat jedoch Verträge mit Autobauern wie Stellantis zur Lieferung von Batterien abgeschlossen. Bei der Suche nach schneller verfügbaren Alternativen, zur Erfüllung dieser Liefervereinbarungen, hat sich Svolt nun für das ehemalige Vestas-Werksgelände in Lauchhammer entschieden.

In Brandenburg wird die Freude über diese Standortentscheidung getrübt durch Befürchtungen um die Pläne des Autobauers Tesla. Im November 2020 hatte Tesla–Chef Elon Musk angekündigt, neben seinem Autowerk in Grünheide bei Berlin die größte Batteriefabrik der Welt aufbauen zu wollen. 

Das „Wall Street Journal“ berichtete nun allerdings unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, Tesla wolle seinen Plan zur Herstellung von Batterien in Deutschland aussetzen. Laut dem Bericht will Tesla seine Batterie-Strategie ändern, um von Steueranreizen in den USA zu profitieren. US-Präsident Joe Biden hatte im August ein Gesetz namens „Inflation Reduction Act“ (IRA) unterzeichnet. Neben Subventionen für den Kauf bestimmter Elektroauto-Modelle bringt das Gesetz ab 2023 auch hohe Steuer-Gutschriften für Batterie-Produktion in den USA.

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach erklärte inzwischen mit Blick auf die künftige Tesla-Batteriefabrik in Grünheide, es sei „nicht auszuschließen, dass sich an den Zeitplänen etwas ändern kann“. Den milliardenschweren Inflation Reduction Act in den USA bezeichnete der märkische Wirtschaftsminister als einen ganz klaren „Angriff auf den europäischen Markt“. Mit enormen Zuschüssen werde versucht, US-Unternehmen zurück in die Heimat zu holen, so Steinbach.