28.04.2026

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Folge 38-22 vom 23. September 2022 / Erinnerungen / Eine Kindheit im Kaukasus / Unter dem Künstlernamen Banine veröffentlichte die Tochter eines aserbaidschanischen Ölbarons im Exil ihre Erlebnisse um 1900 in Baku

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 38-22 vom 23. September 2022

Erinnerungen
Eine Kindheit im Kaukasus
Unter dem Künstlernamen Banine veröffentlichte die Tochter eines aserbaidschanischen Ölbarons im Exil ihre Erlebnisse um 1900 in Baku
Manuela Rosenthal-Kappi

Als junges Mädchen träumt Banine – Pseudonym von Umm-El-Banine Assadoulaeff – davon, der rückständigen und von Widersprüchen geprägten Welt ihrer Heimatstadt Baku zu entrinnen und nach Paris auszuwandern.

„Wir alle kennen Familien, die zwar arm sind, aber als achtbar gelten. Meine hingegen war außerordentlich reich und alles andere als achtbar.“ Mit diesem Satz beginnt Banines Buch. Sie ist die Tochter eines Ölbarons, einer der reichsten Familien Aserbaidschans. Mit Witz und Humor erzählt sie im Folgenden von den ständigen Streitereien unter den Geschwistern des Vaters, unter Schwagern und Schwägerinnen oder Tanten sowie von ihrer stets aufs Übelste fluchenden streng muslimischen Großmutter. Die Heranwachsende liebt die Sommer auf dem Landsitz der Familie, wohin es aber auch die „verlauste“ Verwandtschaft lockt, die es sich auf Kosten ihrer reichen Sippe bequem macht. 

Ihr früh verwitweter Vater, Geschäftsmann und Lokalpolitiker, stellt eines Tages die selbstbewusste Russin Amina als seine neue Frau vor. Sie liebt den Luxus und unterstützt die älteren Töchter ihres Mannes darin, sich der traditionellen Fesseln zu entledigen. Von Banine, die ihre Stiefmutter still bewundert, nimmt sie jedoch keine Notiz. So muss Banine zurückbleiben, als ihr Vater seine Frau und die älteste Tochter nach Paris ausreisen lässt. Die jüngeren Kinder bleiben zurück und erleben, wie in der Folge der Russischen Revolution die Familie ihren Reichtum verliert. 

Banine verliebt sich ausgerechnet in einen Bolschewiken, der sie mit nach Russland nehmen will. Im letzten Moment entscheidet sich die 15-Jährige dagegen und heiratet einen 20 Jahre älteren, ihr verhassten Mann, den ihr Vater für sie als Gegenleistung für einen Pass, den dieser ihm besorgt hat, bestimmte. Diese Entscheidung ermöglichte ihr 1923 selbst die Auswanderung nach Paris und den Beginn eines Lebens in Freiheit ohne ihren Angetrauten.

Die Romanbiographie „Kaukasische Tage“ gibt auf lebendige, aber wenig spannende Weise Einblicke in die vorrevolutionäre Zeit in Baku. Die Autorin schreibt über Liebe, Emanzipation, Revolution und Emanzipation.

In Paris war die Autorin unter dem Namen Banine als Übersetzerin und Journalistin tätig. In Frankreich wurden ihre Memoiren bereits 1945 veröffentlicht. Nun liegen sie in deutscher Übersetzung vor. 

Banine: „Kaukasische Tage“, dtv, München 2022, gebunden, 319 Seiten, 24 Euro