13.03.2026

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Folge 45-22 vom 11. November 2022 / Porträt / Brasiliens Anti-Trump

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 45-22 vom 11. November 2022

Porträt
Brasiliens Anti-Trump
H. Tews

Nach den Midterm-Kongresswahlen könnte sich in den USA Ähnliches abspielen wie jetzt bereits in Brasilien: das Comeback eines verfemten Ex-Präsidenten – allerdings unter anderen Vorzeichen. Während der Republikaner Donald Trump womöglich seine Kandidatur für die nächste US-Präsidentschaftswahlen vorbereitet, ist dem linken Luiz Inácio Lula da Silva der erneute Sprung an die Spitze Brasiliens gegen den „Trump Brasiliens“, Jair Bolsonaro, knapp geglückt.

Da Silva war bereits von 2003 bis 2011 brasilianischer Präsident, durfte aber nach zwei Amtszeiten nicht wiedergewählt werden. Als er bei den Präsidentschaftswahlen 2018 erneut antreten wollte, wurde er durch ein Korruptionsverfahren gestoppt. Auf ähnliche Weise versucht man jetzt in den USA bei der Affäre um geheime Regierungsdokumente die Wiederwahl Trumps zu verhindern.

Im Fall von da Silva brachte man Bestechlichkeit im Zusammenhang mit der von einem Nachfahren des aus Pommern stammenden Kartographen und Auswanderers Emil Odebrecht gegründeten Odebrecht-Gruppe ins Spiel. 2018 wurde da Silva in zweiter Instanz zu einer Haftstrafe von zwölf Jahren verurteilt, kam aber Ende 2019 wieder frei, als herauskam, dass einer seiner Richter als Anhänger seines politischen Gegners Bolsonaro befangen gewesen sei. Aus prozessualen Gründen wurde das Urteil zwar aufgehoben, freigesprochen ist da Silva damit indes nicht.

Wegen der Antagonisten da Silva und Bolsonaro ist Brasilien ähnlich gespalten wie die USA. Von der Hälfte der brasilianischen Wähler wird „Lula“ als das geringere Übel betrachtet, geliebt wird er nicht. In seiner ersten Amtszeit hat der aus einfachen Verhältnissen stammende Politiker, der mit zwölf Jahren als Schuhputzer die Familie unterstützte, ehe er als Gewerkschafter Karriere machte und die brasilianische Arbeiterpartei gründete, noch mit einem Sozialprogramm punkten können, das Millionen von Bedürftigen aus der Armut verhalf. Der Regenwald schrumpfte aber auch unter der Präsidentschaft des jetzt 77-Jährigen. Da wirkt der knapp ein Jahr jüngere Trump gegen ihn noch wie ein Jungspund.