05.03.2024

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 46-22 vom 18. November 2022 / Nachruf / Ein Mann der klaren Worte / Auf gut Deutsch, bitte! – Der „Sprachpapst“ Wolf Schneider ist mit 97 Jahren verstorben

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-22 vom 18. November 2022

Nachruf
Ein Mann der klaren Worte
Auf gut Deutsch, bitte! – Der „Sprachpapst“ Wolf Schneider ist mit 97 Jahren verstorben
Ansgar Lange

16 Jahre lang leitete Wolf Schneider die Hamburger Journalistenschule und war keinen Tag krank. Nur der Tod galt ihm als akzeptable Entschuldigung für das Fernbleiben seiner Schüler. Nun ist Deutschlands „Sprachpapst“ in Starnberg gestorben. Der 1925 in Erfurt geborene Journalist, Talkshow-Moderator und Sachbuchautor war ein Leistungsfanatiker. Journalisten, so sein Credo, müssten es sich schwer machen, um es den Lesern leicht zu machen. Qualität komme von Qual. Nichts war ihm mehr zuwider als Blähwörter, Adjektive, Schachtelsätze und Anglizismen.

Im Jahr 2019 gehörte der Verstorbene neben Monika Maron, Walter Krämer und dem PAZ-Autor Josef Kraus zu den Initiatoren eines Aufrufs des Vereins Deutsche Sprache, der „Schluss mit dem Gender-Unfug“ forderte. Schneider schrieb und predigte klares und schönes Deutsch. Kein Wunder, dass er Gender-Wortungetümen wie „die Radfahrenden“, „die Studierenden“ oder auch „LuftpiratInnen“ nichts abgewinnen konnte. 

Auch im hohen Alter hat Schneider die Entbehrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit nie vergessen, wie er in seiner 2014 erschienenen Autobiographie „Hottentottenstottertrottel. Mein langes, wunderliches Leben“ bekannte: „Wenn ich in ein heißes Vollbad sinke oder mir Butter dick aufstreiche, habe ich ein lebendiges Gefühl von Luxus, von Rache für erlittene Not – seit fast siebzig Jahren“. 

Als Atheist hielt Schneider selbst nicht viel von dem Ehrentitel „Sprachpapst“. Doch dem nicht uneitlen und bisweilen arrogant auftretenden früheren Chefredakteur der Tageszeitung „Die Welt“ dürfte er trotzdem geschmeichelt haben. In seiner Autobiographie bekannte er sich ausdrücklich zu seiner Selbstsicherheit und Arroganz. Er hielt sie für keinen Makel. Nur nett wollte er nie sein. 

Schneider arbeitete unter anderem für den „Stern“ und die „Süddeutsche Zeitung“. Ob der rechtsliberale Schneider, der 2020 noch erfolglos mit seiner Frau bei den Kommunalwahlen für die FDP in seinem Wohnort Starnberg angetreten war, heute noch in die oft „woken“ und links-grünen Redaktionen passte? Zweifel sind angebracht.

Schon vor Jahrzehnten widersprach der Autor von „Deutsch für Profis“ den damals schwer auf links gekämmten Publizisten Erich Kuby und Sebastian Haffner, dass das Geschlecht eine bloße soziale Zuschreibung sei. „Meinen Sie nicht, dass, wenn zwei Menschen ein Kind haben wollen, es alles in allem kein Nachteil wäre, wenn eine von ihnen eine Frau ist“, so sein lässiger Konter auf derlei Hirngespinste.