05.03.2024

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Folge 46-22 vom 18. November 2022 / Prinz Louis Ferdinand von Preußen / Der vielseitige „preußische Apoll“ / Der vor 250 Jahren geborene Hohenzoller war sowohl Beau, trinkfester Frauenheld, Schuldenmacher und Feldherr als auch Komponist und Pianist

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-22 vom 18. November 2022

Prinz Louis Ferdinand von Preußen
Der vielseitige „preußische Apoll“
Der vor 250 Jahren geborene Hohenzoller war sowohl Beau, trinkfester Frauenheld, Schuldenmacher und Feldherr als auch Komponist und Pianist
Martin Stolzenau

Prinz Louis Ferdinand von Preußen zählt zu den bekanntesten und schillerndsten Persönlichkeiten der Hohenzollern. Der Neffe König Friedrichs des Großen ging einerseits in die Geschichtsschreibung als Kriegsheld und einflussreiches Mitglied der antinapoleonischen Kriegspartei am preußischen Hof ein sowie andererseits als trinkfester Frauenheld und Schuldenmacher. Um den sogenannten preußischen Apoll ranken sich deshalb zahlreiche Legenden mit etlichen folgenschweren Liebesaffären. 

Doch sein heutiger Nachruhm gründet sich vor allem in seinen Leistungen als Pianist und Komponist. Mit seinem Klavierspiel und seinen Kompositionen beeindruckte er Musikgrößen wie Ludwig van Beethoven, Johann Ladislaus Dussek, Friedrich Heinrich Himmel oder Robert Schumann. Sie wurden schon zu seinen Lebzeiten in der „Allgemeinen Musikalischen Zeitung“ gewürdigt. 

In der Blüte seiner Jahre fiel dieses musikalische Jahrhunderttalent aus dem Hause Preußen schon mit 33 Jahren in einem Vorgefecht der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt. Das wurde als böses Omen für den gerade begonnenen Vierten Koalitionskrieg gewertet, und in der Tat führte dieser Preußen an den Rand des Abgrunds. 

Musikgrößen waren beeindruckt

Vor zweieinhalb Jahrhunderten, am 18. November 1772, wurde der Preußenprinz auf Schloss Friedrichsfelde bei Berlin geboren. Er erhielt den Taufnamen Friedrich Ludwig Christian, bekannt wurde er aber unter dem Namen Louis Ferdinand. Als Eltern gelten der jüngste Bruder Friedrichs des Großen, Prinz August Ferdinand von Preußen, und dessen Gattin, Anna Elisabeth Luise geborene Prinzessin von Brandenburg-Schwedt. Einige Quellen von Zeitgenossen verweisen allerdings hinsichtlich der Vaterschaft auf den Grafen Friedrich Wilhelm Carl von Schmettau, der als Hofmeister der Mutter fungierte, und auf den Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, der außer als Militär auch als Frauenheld überliefert ist. 

Louis Ferdinand erhielt eine standesgemäße Erziehung, wurde früh auf eine militärische Laufbahn orientiert und erwarb als junger Offizier im Ersten Koalitionskrieg mit seiner Tapferkeit ersten Lorbeer. Das trug ihm schon 1799 den Rang eines Generalleutnants ein. Doch dann war der „hochstrebende Geist“ im Garnisonsdienst von Magdeburg unterfordert. Er weilte oft in Berlin, trank regelmäßig schon am Morgen Champagner, war der Stargast in vielen Salons und hatte immer wieder neue Liebesaffären. Zwischendurch allerdings widmete sich der Prinz der Musik, zu der er mit seiner Begabung ein besonderes Verhältnis entwickelte.

Aus den Tagebuchaufzeichnungen seiner Schwester Luise ist ersichtlich, dass er wohl schon durch die Mitglieder der Hofkapelle des Vaters früh zur Musik kam und ersten Unterricht erhielt. Die nächsten Impulse bekam er am Hof der Prinzessin Anna Amalia von Preußen, seiner Tante, die vom Bachschüler Johann Philipp Kirnberger als Musikerin geprägt worden war, und am Hof seines Onkels Heinrich in Rheinsberg durch dessen Hofkapelle. Dazu kamen weiterführende autodidaktische Studien bis hin zu ersten eigenen Kompositionen. Während seiner militärischen Laufbahn vervollkommnete er sich eher sporadisch. 

Als Beethoven 1796 bei einem Zusammentreffen in Berlin Louis Ferdinand für sein ungewöhnliches Klavierspiel lobte, kam das einem Ritterschlag gleich. Mit Folgen. Beethovens Kompositionen nahm er sich zum Vorbild. 

Dazu kam ab 1800 Dussek, den er in Hamburg kennengelernt hatte. Der Musiker wurde in Magdeburg und Berlin sein Gesellschafter, Kompositionslehrer, Kammermusikpartner und Zechkumpan. Daraus wurde eine Künstlerfreundschaft, die bald durch Friedrich Heinrich Himmel, den Berliner Hofkapellmeister, eine Ergänzung fand. 

Früher Tod auf dem Schlachtfeld

Die drei Musikerfreunde waren in den Salons der berühmten Salonièren wie Rahel Levin, in denen sich die geistige, künstlerische und literarische Elite traf, gerngesehene Gäste und brillierten als Pianisten. Dort lernte Louis Ferdinand einige schöne und geistreiche Bürgerfrauen kennen, die dann seine Geliebten wurden wie Pauline Wiesel. In dieser Umgebung vervollkommnete der Prinz auch seine musik­ästhetische Erziehung. Er übernahm Anregungen aus den Gesprächen in den Salons, las die Schriften der Frühromantiker und besuchte die Vorlesungen von August Wilhelm Schlegel. Robert Schumann hielt ihn deshalb für den „Romantiker der klassischen Periode“. Als der Prinz sich 1804 in einer diplomatischen Mission in Wien aufhielt, gab es eine weitere Begegnung mit Beethoven, der ihm dann sein 3. Klavierkonzert widmete.

Außenpolitisch gehörte Louis Ferdinand zur sogenannten Kriegspartei am preußischen Hof, die unter der Schirmherrschaft der Preußenkönigin Luise für einen Feldzug gegen Napoleon eintrat. Der König zauderte lange, gab schließlich nach, und so begann am 9. Oktober 1806 der Vierte Koalitionskrieg. 

Der Prinz führte die preußische Vorhut bei Saalfeld, spielte in seinem Quartier auf der Rudolstädter Heidecksburg noch Kompositionen von Beethoven, wurde bereits am zweiten Kriegstag in einem Vorhutgefecht getötet. In der Fürstengruft der Saalfelder Johanniskirche wurde sein Leichnam beigesetzt. 1811 wurde der Sarg in den Berliner Dom überführt. 

Künstlerfreund Dussek übernahm die Herausgabe der Kompositionen des mitten aus dem Leben gerissenen Preußenprinzen, komponierte ihm zu Ehren eine Elegie und setzte ihm solchermaßen ein musikalisches Denkmal. Größen wie Johann Andreas Streicher, Carl Czerny oder Franz Liszt spielten die Klavierkompositionen des Louis Ferdinand. Theodor Fontane widmete dem „preußischen Apoll“ ein Gedicht. Nach einer längeren Phase des Vergessens initiierte Wilhelm II. 1910 eine Neuausgabe der Werke des Prinzen. In Wöhlsdorf bei Saalfeld sowie zwischen Saalfeld und Rudolstadt erinnern inzwischen Denkmäler an Louis Ferdinand.





Verwandte Prinz Louis Ferdinands

Königin Luise war durch die Ehe mit König Friedrich Wilhelm III. eine angeheiratete Nichte und eine Base zweiten Grades des Prinzen Louis Ferdinand.

Prinz August Ferdinand war 20 Jahre jünger als sein Bruder Friedrich der Große und 42 Jahre alt, als sein Sohn Louis Ferdinand zur Welt kam.

Prinzessin Anna Elisabeth Luise war eine Tochter von August Ferdinands Schwester Prinzessin Sophie Dorothea Marie und damit eine Nichte ihres Ehemannes.