05.03.2024

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Folge 46-22 vom 18. November 2022 / Cancel Culture / Demokratie in Gefahr / Der Psychologe Kolya Zydatiss zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie eine linkslastige Elite Meinungsfreiheit und liberale Werte bedroht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-22 vom 18. November 2022

Cancel Culture
Demokratie in Gefahr
Der Psychologe Kolya Zydatiss zeigt anhand zahlreicher Beispiele, wie eine linkslastige Elite Meinungsfreiheit und liberale Werte bedroht
Wolfgang Kaufmann

Dass Stalin 1927 befahl, kaltgestellte Widersacher aus Fotos herauszuretuschieren, gilt als eine der vielen Schandtaten des sowjetischen Diktators. Inzwischen hat er aber jede Menge Nachahmer gefunden. Der auch in Deutschland gebräuchliche Begriff für deren Treiben lautet „Cancel Culture“, was sich in etwa mit „Lösch-“ oder „Zensurkultur“ übersetzen lässt.  Mittlerweile ist es zunehmend üblich, Menschen aufgrund ihrer legitimen Meinungsäußerungen oder Mitgliedschaften in legalen Organisationen und Parteien aus dem Beruf oder dem öffentlichen Raum zu drängen. Das schadet der Demokratie, wie Kolja Zydatiss in seinem Buch „Cancel Culture“ nachweist.

Der Psychologe, Neurowissenschaftler und Statistiker, der sich mit den gravierenden Fehlentwicklungen der heutigen Zeit beschäftigt, bietet eingangs eine Chronik, aus der hervorgeht, wie die Cancel Culture seit 2015 gleich einem Krebsgeschwür um sich griff und sogar zur Mundtotmachung von Nobelpreisträgern führte. Die Aufstellung zeigt, dass die vom politisch-medialen Establishment vorgebrachte Behauptung, man dürfe in den westlichen Demokratien offen und ohne schädliche Folgen seine Meinung sagen, wenn sie nicht strafbar sei, eine dreiste Lüge ist. 

Inzwischen kann es jeden treffen, der auch nur ein falsches oder richtiges Wort äußert, nachdem er seinen eigenen Verstand bemüht hat. Er wird von fanatischen selbsternannten oder von der Obrigkeit ermächtigten Zensoren zum Schweigen gebracht. Ganz nach dem zynischen Credo des ugandischen Machthabers Idi Amin: Natürlich garantiere er Redefreiheit, aber was nach der Rede passiere, stehe auf einem anderen Blatt.

Das Ziel der Cancel Culture ist laut Zydatiss eine drastische Verengung des Meinungsspektrums, die von den zunehmend linkslastiger werdenden Eliten in Staat und Gesellschaft angestrebt werde, weil diese jeglichem Individualismus misstrauten und deshalb eine permanente Erziehung der Bürger anstrebten. Sie hätten auch keine Skrupel, die Geschichte zu verfälschen und das Verhältnis zwischen Richtig und Falsch auf den Kopf zu stellen. Diese „Revolution von oben“ könne die „Killer-App der Zivilisation“ sein, wenn niemand gegensteuere. Zu Letzterem gehöre, permanent darauf zu verweisen, „dass einflussreiche Kreise daran arbeiten, eine noch namenlose Ideologie zu etablieren, die in vielerlei Hinsicht mit den … liberalen Werten und Grundannahmen bricht, die westliche Gesellschaften jahrzehntelang ausgezeichnet haben“. 

Kolya Zydatiss: „Cancel Culture. Demokratie in Gefahr“, Solibro-Verlag, Münster 2021, broschiert, 175 Seiten, 16,80 Euro