21.05.2024

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Folge 46-22 vom 18. November 2022 / Für Sie gelesen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 46-22 vom 18. November 2022

Für Sie gelesen

Das Leben der Enid Blyton

Maria Regina Kaiser, die bereits einige Biographien berühmter Frauen veröffentlicht hat, schreibt in ihrem neuen Buch „Enid Blyton. Geheimnis hinter grünen Hecken“ über das Leben der englischen Kinderbuchautorin. Blyton führte ein für die damalige Zeit ungewöhnliches Leben einer willensstarken Frau, die schon als Kind wusste, dass sie Schriftstellerin werden wollte.

Anfangs übte die junge Enid fleißig Klavier, um ihrem Vater zu gefallen, den sie abgöttisch liebte. Er sah Enid als berühmte Pianistin. Doch die Tochter hatte ständig Geschichten und Abenteuer im Kopf, die sie ihrem Vater erzählte. Er fand, dass sie auch in dieser Hinsicht begabt sei, glaubte aber nicht an einen Erfolg. Nachdem sich die Eltern 1910 trennten, wurde die 13-jährige Enid immer widerspenstiger. Sie schrieb jeden Tag Gedichte und Geschichten und schickte diese zum Unmut ihrer Mutter an Verlage. 

Ständig Geschichten im Kopf

Nachdem Enid die Schule beendet und den Aufnahmetest an der Musikhochschule bestanden hatte, entschloss sie sich jedoch spontan für eine Ausbildung zur Lehrerin an einer Fröbel-Schule. Sie bestand ihren Abschluss mit Auszeichnung. Zeitweilig kam es vor, dass sie sich bei Verlagen vorstellen sollte, die Interesse an ihren Kurzgeschichten zeigten. So auch der Verleger Hugh Pollock. Er förderte Blyton, und 1924 heirateten die beiden. Sie schrieb weiterhin unter ihrem Mädchennamen. 

Die Autorin hatte die Gabe, Kinder mit ihren Geschichten zu fesseln. Sie verfasste auch Berichte für Lehrerzeitschriften, in denen sie auf die sensible kindliche Seele hinwies. Die Kinder schrieben ihr täglich unzählige Briefe, die Blyton alle selbst beantwortete. Für ihre beiden Töchter hatte sie wenig Zeit, da sie ständig an ihrer Schreibmaschine saß. Zeitlebens engagierte sich die Schriftstellerin karikativ. Sie unterstützte finanziell vernachlässigte und schutzlose Kinder. 

Zeitlebens karikativ engagiert

Hugh Pollock erlitt ein Trauma durch den Ersten Weltkrieg. Er begann zu trinken, und die Ehe zerbrach infolgedessen 1942. Blyton heiratete ein Jahr später den Chirurgen Kenneth Waters, der sie bei ihrer Arbeit unterstützte und ihr die Zeit zum Schreiben ließ.

Blytons Kinderbücher wie die Reihe „Fünf Freunde“ wurden weltberühmt und in viele Sprachen übersetzt. Der Reichtum ermöglichte der Autorin Angestellte, die sich um alles, inklusive ihrer Töchter, kümmern konnten, damit ihr Zeit blieb, die nächste Geschichte zu schreiben. 

1961 erkrankte Blyton an Demenz, und sie verstarb 1968 verwirrt und ohne Erinnerung an ihre Familie oder ihre Erfolge als Schriftstellerin im Pflegeheim in Hampstead. Eine starke, einfühlsame und intelligente Frau auf Seiten der Kinder – das hat sie berühmt gemacht. Ihre Geschichten werden auch noch heute gern gelesen. 

Angela Selke

Maria Regina Kaiser: „Enid Blyton. Geheimnis hinter grünen Hecken“, Romanbiographie, Südverlag, Konstanz 2022, gebunden, 304 Seiten, 22 Euro