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Folge 18-23 vom 05. Mai 2023 / Allenstein / Der Fast-Food-Boom kehrt zurück / McDonald’s & Co. expandieren – „Milchbar Olsztyniak“ nach kommunistischem Vorbild als Alternative

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 18-23 vom 05. Mai 2023

Allenstein
Der Fast-Food-Boom kehrt zurück
McDonald’s & Co. expandieren – „Milchbar Olsztyniak“ nach kommunistischem Vorbild als Alternative
Dawid Kazanski

In den vergangenen Jahren hat der Umweltgedanke in vielen Lebensbereichen mit Nachdruck Einzug gehalten. Gesunde Ernährung schien die Gewöhnung an Fast Food, verarbeitete Lebensmittel und schnelles, ungesundes Essen zu verdrängen. Vor allem  die Menschen in den Großstädten setzten auf eine gesunde Ernährung und trafen beim täglichen Lebensmitteleinkauf eine bewusstere Wahl. Dieser Trend wurde auch von den Medien aus Gründen des Umweltschutzes unterstützt. 

Im südlichen Ostpreußen schossen Naturkost-, Kräuter- und Bioläden wie Pilze aus dem Boden. Sie boten unter anderem Fleisch aus biologischer Aufzucht, frisches, regional zertifiziertes Obst und Gemüse, Produkte aus biologischem Anbau, verschiedene Naturkosmetika und Nahrungsergänzungsmittel sowie Arzneimittel auf Basis natürlicher Inhaltsstoffe an. Allein in Allenstein entstanden etwa zehn solcher Läden in verschiedenen Stadtteilen. 

Aufgrund der Wirtschaftskrise, der steigenden Inflation und der schrumpfenden Geldbörsen der Stadtbewohner achten die Menschen heute jedoch viel mehr auf niedrige Preise als auf die Qualität der Produkte. Sowohl Naturkostläden als auch renommierte Restaurants sind von der Pleite bedroht. Zahlreiche Gastronomiebetriebe mussten bereits schließen. Besonder die Lokale in der Altstadt, darunter auch Kneipen, kommen kaum noch über die Runden oder haben ihr Geschäft bereits aufgegeben. In immer mehr leeren Schaufenstern hängen Schilder mit der Aufschrift „zu vermieten“. 

Kunden müssen rechnen

Die Kunden müssen rechnen. Die Krise bekommt inzwischen jeder zu spüren. Kredite müssen bezahlt, Lebensmittel gekauft und das Auto betankt werden. Besuche in der Altstadt, um mit der Familie Essen  zu gehen, werden immer seltener, da zu kostspielig. Viele ziehen es daher vor, sich mit Freunden zu Hause zu treffen, als mit ihnen auf ein Bier in die Kneipe zu gehen. 

Eine interessante Alternative für die geplünderten Geldbörsen der Stadtbewohner ist die im März eröffnete „Milchbar Olsztyniak“. Das Lokal wurde in der Zeppelinstraße gegenüber dem Rathaus an der Stelle der ehemaligen Cocktailbar eröffnet, die sich dort seit 1967 befand. Bei der Milchbar handelt es sich um ein ganztägig geöffnetes Lokal mit traditioneller Küche. 

Milchbars waren in der Nachkriegszeit in Polen weit verbreitet, wobei zunächst Milchgerichte vorherrschten. Heute erinnert die Einrichtung an die kommunistische Ära. Die Grundidee besteht darin, traditionelle, schmackhafte Gerichte zu einem erschwinglichen Preis zu servieren. Das ist auch in der „Milchbar Olsztyniak“ der Fall. Dort wird eine Vielzahl von Gerichten zubereitet, nicht nur Milch-, sondern auch Mehl- und Fleischgerichte, die sich auf die traditionelle polnische Küche beziehen. Die Olsztyniak-Bar wird nicht aus dem Staatshaushalt subventioniert, wie es landesweit bei einigen anderen Milchbars der Fall ist. Daher sind die Preise zwar erschwinglich, aber man kann sie nicht als niedrig bezeichnen. 

Die Fast-Food-Ketten boomen hingegen erneut. Die Allensteiner Stadtlandschaft wird von einem Unternehmensriesen in diesem Sektor beherrscht – McDonald’s, der vor Kurzem sein fünftes Restaurant in der Stadt eröffnet hat und ein sechstes bereits baut. Zu einer interessanten Situation kam es in der Sikorskiego-Straße. Nur etwa 500 Meter von der McDonald’s-Filiale entfernt erfolgte die Eröffnung eines weiteren auf Hamburger spezialisierten Restaurants des schwedischen Unternehmens MAX Premium Burger. 

Laut einer landesweiten Studie, die auf der Beobachtung von fast drei Millionen Besuchen von Polen in Fast-Food-Restaurants beruht, ist fast die Hälfte der Kunden solcher Lokale zwischen 25 und 34 Jahre alt. Eine weitere aktive Gruppe ist zwischen 35 und 44 Jahre alt – mehr als 20 Prozent. Es handelt sich also um junge, berufstätige Menschen, für die eine schnelle Mahlzeit für wenig Geld Priorität hat und die keine Zeit für die Suche nach ausgewogenen Gerichten aufbringen. In Allenstein ist die Situation ähnlich, und solange die allgegenwärtigen überhöhten Preise die Budgets der Einwohner auffressen, ist zu erwarten, dass die Fast-Food-Ketten triumphieren werden.


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