In früheren Jahrzehnten gab es weit mehr deutsche Motorradproduzenten als heute. Seien es Kreidler, Maico oder Zündapp in der jüngeren oder Adler, NSU oder Victoria in der älteren Vergangenheit des 20. Jahrhunderts. Eine Firma, die vor 100 Jahren, also 1923, ins Motorradsegment einstieg, soll nicht vergessen werden: das in Chemnitz im Jahr 1909 gegründete Unternehmen Schüttoff.
Der Name geht auf den Firmengründer Arthur Schüttoff (1882–1946) zurück, der nach einer Schlosserlehre und einem Maschinenbaustudium unter anderem bei den Wanderer-Werken gearbeitet hat. Mit Albert Bässler gründete er im Jahr 1909 in Chemnitz das Unternehmen „Schüttoff & Bässler“. Zunächst war die Herstellung von Gewindefräsmaschinen und Hinterdrehbänken der Hauptzweig der Produktion. Im Jahr 1919 schied Bässler als Teilhaber aus, es erfolgte die Umbenennung in „Schüttoff AG“, verbunden mit einer Neuorientierung: Motorräder und Werkzeugmaschinen sollten nun die zentralen Erzeugnisse sein. Nach einer Vorlauf- und Entwicklungszeit setzte Schüttoff seine lange gereiften Überlegungen um und produzierte 1923 die ersten Motorräder unter seinem Namen.
Es sollten hochwertige Motorräder in kleiner Serie mit Viertaktmotoren sein, vor allem Modelle in Kategorien 350 und 500 Kubikzentimeter Hubraum. Die 350er Modelle (18 PS) trumpften vor allem im Rennsport auf – 1925 wurde eigens eine Rennsportabteilung gegründet. So war das 350er Sportmodell dann auch das meistverkaufte Schüttoff-Zweirad. Zwischen 13,5 und 22 PS zogen die verschiedenen 500er Maschinen aus ihren Motoren und waren daher auch prädestiniert für den Betrieb mit einem Seitenwagen.
Neben diesen Viertaktern waren auch Modelle mit Zweitaktmotor und 200 Kubik Hubraum und vier beziehungsweise 4,5 PS im Angebot. Darüber hinaus gab es auf Basis der G 500 ein Lastendreirad oder Dreiradwagen, der vor allem bei der Deutschen Reichspost im Einsatz war.
Im Rennsport und bei Zuverlässigkeitsfahrten stellten sich bereits 1925 erste Erfolge ein. Nur ein Jahr später schlugen 36 Siege und der Sieg der deutschen Straßenmeisterschaft zu Buche. Doch mit den technischen Veränderungen wie der Umstellung vom Zweigang- zum Dreiganggetriebe wurde die Konkurrenz stärker. Ein speziell entwickeltes Rennmodell für die Saison 1929 mit einem Königswellenmotor kam zu spät und war mit lediglich 18 PS zu schwach und unausgereift, sodass die Schüttoff-Maschinen nun hinterherfuhren.
Auch firmenintern gab es zu dieser Zeit Veränderungen. 1928 übernahmen die Zschopauer Motorenwerke die Aktienmehrheit bei der Schüttoff AG, die Zweiräder erhielten ab 1929 DKW-Motoren aus Zschopau. Die dann aufkommende Weltwirtschaftskrise war keine gute Zeit für Werkzeugmaschinen und hochklassige Motorräder. Letztlich war der Niedergang nicht zu stoppen: 1932 erfolgte die Liquidation der Schüttoff AG, danach die Übernahme durch die Auto Union mit Audi, DKW, Horch und den Wanderer-Werken. Für eine fünfte Firma war kein Platz, das Schüttoff-Gebäude wurde als Zweigwerk genutzt.
Arthur Schüttoff konzentrierte sich danach an einem neuen Standort in Chemnitz wie zu Beginn seiner Laufbahn auf die Produktion von Werkzeugmaschinen. Dies setzte er bis zu seinem Tod am 22. April 1946 fort.