Wenn es um den Einsatz von Bargeld geht, gilt in Deutschland Vertragsfreiheit. Das heißt, ein Anbieter von Waren oder Dienstleistungen kann die Barzahlung in seinen Allgemeinen Geschäftsbedingungen fordern oder aber auch ausschließen.
Derzeit wird vor allem von der letztgenannten Möglichkeit Gebrauch gemacht, und das in zunehmendem Maße. Kritikwürdig ist dies besonders dann, wenn staatliche, kommunale oder öffentlich-rechtliche Einrichtungen, zu denen wie im Falle des „ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice“ keine Alternative existiert, sich weigern, Bargeld anzunehmen. Denn eine solche Verfahrensweise läuft praktisch auf ein obrigkeitlich verfügtes Bargeldverbot hinaus, obwohl Euro-Scheine und -Münzen gemäß der Bestimmungen des Artikels 128 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union und der Verordnung (EG) Nr. 974/98 gesetzliche Zahlungsmittel innerhalb der EU sind.
Die Verweigerung der Annahme von Bargeld im täglichen Leben sorgt zunehmend für Probleme, weil immer mehr Bereiche betroffen sind. So bestehen inzwischen etliche Betreiber von Wertstoffhöfen oder Parkplätzen auf bargeldloser Zahlung. Und auch der Besuch von kulturellen Veranstaltungen wie dem Rock-Festival Wacken Open Air oder dem Festival Jazzopen Stuttgart war vergangenes Jahr nur noch für diejenigen möglich, die das ausschließlich digitale Bezahlen akzeptierten. Übrigens fingierte in Stuttgart der börsennotierte Zahlungsdienstleister Mastercard als „Premiumsponsor“.
Zusätzlich lehnen neuerdings viele Hotels Bargeld ab, darunter der Friedrikenhof in Lübeck-Oberbüssau, der Lippische Hof in Bad Salzuflen, das Parkhotel Berghölzchen in Hildesheim und das Mighty Twice Hotel in Dresden. Als Grund nennt das Lübecker Hotel „das neue, verschärfte Kassengesetz“, dem zufolge alle Beherbergungsbetriebe im Lande teure elektronische Kassensysteme mit zertifizierten internen Sicherheitseinrichtungen zum Schutz vor Manipulationen verwenden müssen, wenn sie Bargeldumsätze erzielen.
Mittlerweile gibt es sogar schon Lebensmittelhändler, die keine Scheine oder Münzen mehr akzeptieren. Dazu gehört beispielsweise eine Filiale der Neu-Ulmer Bäckereikette Bayer, die ab dem 1. März die – so gendergetreu bezeichneten – „Kund:innen“ mit Bargeld abweist.
Parallel hierzu werden in zunehmendem Maße Geldautomaten abgebaut. Allein bei den Volks- und Raiffeisenbanken und den Sparkassen verschwanden 2021/22 über 3000 davon. Darüber hinaus sperren die Geldinstitute nun oftmals den Zugang zu ihren Automaten während der Nachtstunden.W.K.


