Bargeldloses Bezahlen erlaubt den Einsatz von Kontrollsoftware, mit deren Hilfe es möglich ist, Finanzdaten, Angaben über die Person des Kunden und Informationen über erworbene Produkte zusammenzuführen, auszuwerten und zu „erzieherischen“ Zwecken zu nutzen. So gibt es mittlerweile Banken, die in Kooperation mit Handelsunternehmen und Kreditkartenanbietern den „CO₂-Fußabdruck“ einer Person berechnen, um die Umwelt- beziehungsweise Klimaschädlichkeit von deren Kaufverhalten einzuschätzen, wobei das momentan noch auf freiwilliger Basis geschieht.
Zu diesen Geldinstituten gehören Nordea in Finnland, Bunq in den Niederlanden, die Banca Mediolanum in Italien und Mitto in Spanien. Je nach Anbieter folgen Hinweise auf „klima- und umweltfreundlichere“ Alternativen, Werbung für Rabattaktionen, an denen teilnehmen kann, wer etwas von dem „Klimakiller“ CO₂ einspart, sowie Vorschläge, das durch die Entscheidung des Verbrauchers freigesetzte Kohlendioxid durch Kompensationszahlungen zu „neutralisieren“.
Momentan sind die Verfahren zur Bestimmung der CO₂-Bilanz noch wenig ausgereift. Letztendlich laufen sie allesamt auf sehr grobe Schätzungen auf der Basis von Durchschnittswerten für die Produkte einer Branche hinaus. Wer also etwa einen Flug bucht, dessen „CO₂-Konto“ wird mit der durchschnittlichen Kohlendioxidmenge belastet, die im Luftverkehr pro Person und Strecke anfällt.
Doch das soll sich bald ändern. Beispielsweise nötigt die norwegische Statistikbehörde SSB die Supermärkte und den größten Zahlungsdienstleister des Landes nun dazu, Kassenbelege und Zahlungsdaten zu übermitteln, damit das Konsum- beziehungsweise Ernährungsverhalten der Bürger so detailliert wie möglich erfasst werden kann. Als Begründung für diese umstrittene Praxis muss die „Förderung der Gesundheit“ der Norweger herhalten. Allerdings haben verschiedene Lebensmittelketten bereits Widerstand angekündigt.W.K.


