Als im Jahr 2014 der Nachbau des Potsdamer Stadtschlosses eingeweiht wurde, galt dies als ein Beispiel dafür, dass in Berlin-Brandenburg auch Großprojekte der öffentlichen Hand halbwegs zu den kalkulierten Kosten und im Zeitplan fertiggestellt werden können. Nicht ganz zehn Jahre später zeigt sich: Die Erfolgsgeschichte hat einige Schönheitsfehler.
Bereits wenige Jahre nach der Einweihung weist die Fassade des Schlosses sichtbare Schäden auf. Das Gebäude beherbergt Brandenburgs Landtag. Im Innern handelt es sich um einen modernen Funktionsbau für die Parlamentsarbeit. Weitgehend dem historischen Vorbild entspricht allerdings die Fassade des Landtags. Bereits im Sommer 2021 sind an mehreren Stellen der Ost-, West- und Südfassade sowie auch an der Fassade des Innenhofs Risse und Abbrüche am Gesims festgestellt worden. An einigen Stellen war sogar großflächig Putz abgeplatzt. Nachdem mehrere Gesteinsbrocken vom Dach herabgefallen waren, mussten zum Schutz von Passanten Absperrgitter aufgestellt werden.
Zum Teil werden die Fassadenschäden im Innenhof des nachgebauten Schlosses mittlerweile beseitigt. Handwerker haben auch schon eine Fuge am Dach beseitigt. Diese war Ursache für Abplatzungen am Gestein des Gesimses. Geblieben sind noch immer Mängel an der sogenannten Kutschauffahrt. Diese liegt auf der Seite des Gebäudes, die gegenüber dem Hotel „Mercure“ liegt. Zwischen Auffahrt und Bürgersteig haben sich mehrere Rinnen gebildet, die eine Unfallgefahr darstellen. Bislang verhindern Absperrgitter, dass Fußgänger zu Schaden kommen. Auch oberhalb der Kutschauffahrt zeigen sich bei den Natursteinpfeilern der sogenannten Altane Risse.
Die Steuerzahler werden für die Kosten der Sanierung vermutlich nicht aufkommen müssen. Das Land Brandenburg nutzt das Gebäude im Zuge einer öffentlich-privaten Partnerschaft. Errichtet wurde der Bau für knapp 150 Millionen Euro von dem holländischen Baukonzern BAM. Dessen deutsches Tochterunternehmen ist 2021 an das Stuttgarter Unternehmen Zech Hochbau AG übergegangen. Verantwortlich ist Zech seitdem auch für die Instandhaltung und Instandsetzung des wiederaufgebauten Stadtschlosses.
Rundum wächst die „alte“ Stadt
Brandenburg zahlt dafür bis Ende 2043 eine Miete. Wie die Landtagsverwaltung mitteilte, hat sie inzwischen beim Landgericht Potsdam ein selbstständiges Beweisverfahren eingeleitet. Dieses soll dabei helfen, die Ursachen der Mängel und damit auch die Kostenfrage zu klären.
Der Nachbau des Stadtschlosses ist nur eines von mehreren Projekten in Potsdams Mitte, die sich an historischen Vorbildern orientieren. Unmittelbar gegenüber dem Fortuna-Portal des Schlosses entsteht am Alten Markt ein Komplex mit Wohn- und Geschäftshäusern mit historisierenden Fassaden. Unter diesen Gebäuden findet sich auch der Nachbau des berühmten „Plögerschen Gasthofs“ unmittelbar gegenüber dem Landtag. In einigen Hundert Metern Entfernung ist mittlerweile zudem der obere Teil des wiederaufgebauten Turms der Potsdamer Garnisonkirche zu sehen. Seit dem Frühjahr verschwindet schrittweise das Baugerüst, sodass immer mehr von der sandsteinfarbenen Barockfassade des Turms sichtbar wird. Laut Planung der Wiederaufbaustiftung soll der Kirchturm bis Ende 2024 auch seine Turmhaube und die Wetterfahne erhalten. H.M.


