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Folge 28-23 vom 14. Juli 2023 / Afrika / Hat Wagner ausgespielt? / In der Zentralafrikanischen Republik und in Mali hängt die Zukunft der russischen Miliz in der Schwebe

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-23 vom 14. Juli 2023

Afrika
Hat Wagner ausgespielt?
In der Zentralafrikanischen Republik und in Mali hängt die Zukunft der russischen Miliz in der Schwebe
Bodo Bost

Mit der versuchten Rebellion von Jewgeni Prigoschin, dem Anführer der russischen Wagner-Miliz, gegen Russlands Präsidenten Wladimir Putin stellt sich die Frage nach der Zukunft der Gruppe auf dem afrikanischen Kontinent. 

Mit Einsätzen in Afrika erlangte die Söldnertruppe erstmals Bekanntheit. Mit den verdeckten und konspirativen militärischen Operationen der Truppe konnte Russland dem Westen am meisten schaden. Prigoschin ist 2018 selbst in den Sudan und 2021 in die Zentralafrikanische Republik gereist. Eines seiner Interviews gab er einem panafrikanischen Medium, in dem er seine „aufrichtige und uneigennützige Hilfe“ und „militärischen Erfolge“ gelobt hat. Wird die Rebellion des Gründers gegen seinen Meister und die angekündigte Auflösung von Wagner das Ende des Afrika-Abenteuers bedeuten?

Russland wird weiterhin in der Zentralafrikanischen Republik operieren, entweder mit der Wagner-Gruppe, die derzeit an der Seite der Armee gegen die Rebellen kämpft, oder mit einem anderen Kontingent, wie ein hochrangiger Vertreter der Präsidentschaft des zentralafrikanischen Staates nach Prigoschins gescheiterten Putschversuch gegenüber der Presseagentur Agence France-Presse bestätigte. Diese Ankündigung war zeitlich mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow abgestimmt. Russlands Chefdiplomat bestätigte, dass die Söldnertruppe „weiterhin“ in Mali und der Zentralafrikanischen Republik operieren werde. Dennoch tauchen nach Prigoschins gescheiterter Rebellion viele Fragen auf.

Gold und Diamanten als Belohnung

„Die Zentralafrikanische Republik hat 2018 ein Verteidigungsabkommen mit der Russischen Föderation und nicht mit Wagner unterzeichnet“, ließ Lawrow wissen. Russland hat die Gruppe Wagner unter Vertrag genommen, wenn Russland nicht mehr mit den Söldnern einverstanden ist, dann muss es ein neues Kontingent schicken. 

In der Zentralafrikanischen Republik wie auch in anderen möglichen Einsatzgebieten auf der Welt wird man vielleicht den Anführer wechseln, aber die Wagner-Soldaten werden weiterhin im Auftrag der Russischen Föderation operieren. Hunderte von Wagner-Söldnern waren 2018 in der Zentralafrikanischen Republik gelandet, offiziell, laut Moskau, um die Armee auszubilden, aber vor allem, weil das Regime von Präsident Faustin-Archange Touadéra mit der ehemaligen Kolonialmacht Frankreich unzufrieden war. Frankreich hat das Land seit dem Beginn eines blutigen Bürgerkriegs im Jahr 2013 nicht befrieden können, weshalb große Teile des Landes in die Hände von Rebellen fielen, die mit ihren eroberten Gebieten nach Unabhängigkeit streben.

Im Jahr 2020 retteten die Wagner-Söldner Touadéra, der von einer Rebellenoffensive auf Bangui bedroht wurde, sein Amt und vielleicht auch das Leben, als sie den Angriff von Séléka-Rebellen auf die Hauptstadt Bangui zurückdrängten. Seitdem beschuldigen die Vereinten Nationen (UN), internationale NGOs und Paris die Russen – ebenso wie die zentralafrikanischen Rebellen und Soldaten – der Übergriffe und Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung. 

Sie beschuldigen die Gruppe Wagner zusätzlich, sich dort zu einem „räuberischen Konzern“ der knappen Ressourcen – Diamanten, Gold und Holz – des laut der UN zweitärmsten Landes der Welt entwickelt zu haben. Der Zugriff auf die Ressourcen des Landes war laut „Vertrag“, die Gegenleistung des Touadéra-Regimes für die Dienste der Wagner-Söldner, denen es immerhin gelungen scheint, das jahrelang umkämpfte Zentralafrika aus den Schlagzeilen zu bringen.

Mali kann Wagner nicht bezahlen

Nach Zentralafrika ist die russische paramilitärische Gruppe zunehmend in anderen Ländern Afrika aktiv, insbesondere in Madagaskar, in der libyschen Wüste, im Sudan und in Mali, wo die Militärjunta diese Söldner einsetzt und sich seit der Verschlechterung ihrer Beziehungen zur ehemaligen Kolonialmacht Frankreich diplomatisch auf die Seite Russlands gestellt hat. In Mali kamen die russischen Söldner im Dezember 2021 nach einem Militärputsch ins Land, sie verdrängten im Juli 2022 die Franzosen aus Mali, die dort 2013 das Regime vor einem Sturz durch radikale Moslems gerettet hatten.

Die Vereinten Nationen beschuldigten Anfang Mai die malische Armee und „ausländische“ Kämpfer, im März 2022 bei einer Anti-Dschihadisten-Operation in Moura mindestens 500 Menschen hingerichtet zu haben. Im Gegensatz zu den zentralafrikanischen Behörden haben sich die malischen Übergangsbehörden nicht zu den Ereignissen um den Putsch geäußert. Wie es heißt, hat Mali, das über wenig Bodenschätze verfügt, Zahlungsschwierigkeiten gegenüber den Söldnern, die deshalb ungehalten sind.