04.02.2026

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Folge 28-23 vom 14. Juli 2023 / Nord-Stream-Anschläge / Nicht nur Staaten kommen in Betracht / Neueste private Untersuchungsergebnisse vergrößern den Kreis der möglichen Täter

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-23 vom 14. Juli 2023

Nord-Stream-Anschläge
Nicht nur Staaten kommen in Betracht
Neueste private Untersuchungsergebnisse vergrößern den Kreis der möglichen Täter
Wolfgang Kaufmann

Die Ermittler, die das Attentat auf drei der vier Stränge der Pipelines Nord Stream 1 und 2 am 26. September vergangenen Jahres untersuchen, haben sich bislang stets in der Weise geäußert, dass hierfür jeweils Sprengsätze von 500 bis 900 Kilogramm Gewicht verwendet worden seien und dass deshalb hinter dem Anschlag ein staatlicher Akteur stecken müsse. 

Nun allerdings berichtet die US-amerikanische Online-Plattform „The Intercept“, die wegen ihrer kritisch-unabhängigen Berichterstattung auf der Boykottliste des US-Militärs steht, über privaten Nachforschungen des schwedischen Ingenieurs Erik Andersson, die gänzlich andere Ergebnisse erbrächten.

Der 62-Jährige, der früher als Subunternehmer für Volvo und Boeing arbeitete und seine Firma schließlich 2006 für 100 Millionen US-Dollar verkaufte, hat 20.000 Dollar in eine von den schwedischen und dänischen Behörden genehmigte Expedition zur Vor-Ort-Erkundung der zerstörten Röhren auf dem Grunde der Ostsee investiert. Das Unternehmen fand Ende Mai statt und dauerte drei Tage. An diesen wurde eine Unterwasserdrohne von dem Taucherschiff „Baltic Explorer“ zu den Tatorten hinabgelassen. 

Nach der Sichtung der Aufnahmen meinte Andersson, dass das Zerstörungsbild eher auf einen einzigen 50-Kilogramm-Sprengsatz pro Schadstelle hindeute als auf eine oder gar zwei Sprengladungen von mindestens einer halben Tonne Gewicht. Denn die großen Krater neben den Pipelines seien zweifellos infolge der Explosion des darin enthaltenen Gases entstanden. Das wurde inzwischen auch durch einige Experten der US-Marine bestätigt, die meinten, bei dem enormen Gasdruck im Inneren der Röhren hätten möglicherweise sogar zehn Kilogramm Sprengstoff ausgereicht.

Vier Sprengsätze von jeweils maximal einem Zentner Gewicht in 70 bis 88 Metern Tiefe zu platzieren, ist ungleich weniger komplizierter, als mit zehnmal schwereren Ladungen zu hantieren. Der Chef des schwedischen Unternehmens Poseidon Diving Systems AB, Peter Andersson, geht davon aus, dass es alleine in seinem Land um die 30 Taucher gebe, die dazu in der Lage wären.

Erik Andersson glaubt, auch eine Erklärung dafür gefunden zu haben, dass ein Strang der Pipeline Nord Stream 2 unversehrt blieb. Aufgrund der magnetischen Anomalien im Bereich der Rohre bestehe die Möglichkeit, dass die Kompasse der Taucher gestört und deswegen versehentlich zwei Ladungen an einer Röhre angebracht worden seien.

Die Ergebnisse der Untersuchungen des Schweden stützen die Theorie von der Täterschaft einer kleinen ukrainischen oder pro-ukrainischen Gruppe. Allerdings gibt der Ingenieur Andersson auch zu bedenken: „Selbst wenn die Ukraine die Operation geplant und durchgeführt hat, kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die USA auf eine Weise daran beteiligt waren, die sie verantwortlich machen … Zumindest muss sich die Ukraine sicher gewesen sein, dass die USA eine … Sabotage von Nord Stream begrüßen würden … Wenn die Ukraine es also getan haben sollte, dann hat sie es für das ganze Team getan.“