04.02.2026

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Folge 28-23 vom 14. Juli 2023 / Sensburg / Bayerische Autorin mit ostpreußischen Wurzeln / Erinnerungen an Eltern und Großeltern – Irmgard Irro zu Besuch bei der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Bärentatze“

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-23 vom 14. Juli 2023

Sensburg
Bayerische Autorin mit ostpreußischen Wurzeln
Erinnerungen an Eltern und Großeltern – Irmgard Irro zu Besuch bei der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Bärentatze“
Uwe Hahnkamp

Ende Mai hatten die Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Bärentatze“ in Sensburg und die Masurische Gesellschaft gemeinsam für einen Spätnachmittag zu einer literarischen Begegnung in den Sitz der „Bärentatze“ eingeladen. Stargast war die Autorin Irmgard Irro aus Niederbayern, deren Vorfahren im Landkreis Neidenburg zuhause waren.

Ein Autorenabend sei es nicht, dafür sei es zu früh am Tage, erklärte Sebastian Jabłoński, Deutschlehrer und Vorsitzender der „Bärentatze“, bei der Begrüßung der über 20 Gäste mit trockenem Humor. Zusammen mit Barbara Willan von der Masurischen Gesellschaft hatte er die niederbayerische Schriftstellerin mit ostpreußischen Wurzeln eingeladen, aus ihren Büchern zu lesen und von sich zu erzählen, was diese mit viel Wärme und Lebhaftigkeit tat.

Ihre Wurzeln liegen im Ort Groß Dankheim bei Willenberg im Landkreis Ortelsburg. Dort war ihre lebhafte Mutter zuhause, bis in dem Dorf Soldaten aus Bayern einquartiert wurden. „Um meine Mutter hatten schon andere Männer geworben, aber der eine war zu alt, der andere brachte ihr als besonderes Geschenk eine Aktentasche mit, und dann war da auf einmal der große, gutmütige, etwas stille Soldat“, so Irro bei ihrem Vortrag. Sie verliebten sich, 1941 wurde geheiratet und 1942 zog das junge Paar mit dem ersten Sohn nach Niederbayern. Dort wurde Irmgard Irro 1949 geboren.

Ihre Mutter wurde also nicht vertrieben, erzählte aber gern und viel von ihrer Kindheit, von den Bäumen, die anders waren als in Bayern, nämlich „keine Tannen und Fichten, sondern Kiefern und Birken“, vom sandigen Boden, der damals für die junge Irmgard einfach „Spielplatz“ und nicht „dürftiger Ackerboden“ bedeutete. „Sie ließ gerne die Fenster offen, und sie sang sehr gerne. Ich habe von ihr viele ihrer Lieder gelernt“, erinnert sich Irro.

Wie weit weg ist Ostpreußen?

Für Irro weit, fern, in einer anderen Galaxie. „Ganz weit weg – das sagte meine Mutter immer. Einmal hatte ich für uns eine Reise dorthin gebucht, aber sie hat im letzten Moment abgesagt, sie könne und wolle das heute nicht sehen“, erzählte die Autorin, „erst nach ihrem Tod, der mich schwer getroffen hat, habe ich es geschafft zu fahren.“ Sie erkannte das Dorf nach den Erzählungen wieder, sie wusste, wo was war. Und sie schrieb darüber – für ihre Mutter und ihre Großeltern.

Die Großmutter kam übrigens erst 1947 nach Niederbayern, hatte auf der Flucht Schweres erlebt. Bevor sie Ostpreußen verließ, musste sie noch ihren Mann begraben, dem der Verlust seines alten Hauses das Herz brach. Er war sehr fromm, gehörte zur Bewegung der Gebetsvereine (gromadki) und sah dem Tod gefasst ins Auge. „Am Morgen wachte er auf und wusste, dass er sterben würde. Er bat darum, ihn zu waschen und ihm ein frisches Hemd zu bringen und anzuziehen. Eineinhalb Stunden später ist er dann gestorben“, fasste Irro das Geschehen an diesem Tag zusammen.

Der Großmutter hat sie in einer ihrer bayerischen Kurzgeschichten „Rosi und ihre Omi“ ein Denkmal gesetzt, und ein weiteres Buch zur Geschichte ihres Dorfs herausgebracht. „Früher war ich introvertiert, eben niederbayerisch wie mein Vater, aber nach dem Tod meiner Mutter wurde ich temperamentvoll wie sie.“ Diese Energie trägt weitere Früchte, in Kürze erscheint ein Buch mit Tagebuchnotizen von einem längeren Aufenthalt in der Region Willenberg und Allenstein. Dann wird sie hoffentlich wieder in Ostpreußen zu Gast sein.