04.02.2026

Preußische Allgemeine Zeitung Zeitung für Deutschland · Das Ostpreußenblatt · Pommersche Zeitung

Suchen und finden
Folge 28-23 vom 14. Juli 2023 / Bernstein / Rarität aus Ostpreußen / Schlossmuseum Oranienburg präsentiert einzigartigen Bernsteinkronleuchter – Weltweit gibt es davon nur zwei weitere Exemplare

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 28-23 vom 14. Juli 2023

Bernstein
Rarität aus Ostpreußen
Schlossmuseum Oranienburg präsentiert einzigartigen Bernsteinkronleuchter – Weltweit gibt es davon nur zwei weitere Exemplare

Das Schlossmuseum Oranienburg nördlich von Berlin ist um eine Attraktion reicher: Ab sofort präsentiert die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) hier ihren Bernsteinkronleuchter dauerhaft der Öffentlichkeit. 2001 zuletzt ausgestellt, befand sich dieses Objekt der Schatzkunst, welches um 1650 in Königsberg hergestellt wurde und von herausragender kunsthandwerklicher Qualität ist, mehr als 20 Jahre im Depot. International sind nur zwei weitere Exemplare aus Bernstein bekannt, die beide im Schloss Rosenborg in Kopenhagen verwahrt werden. Der Kronleuchter der SPSG ist dabei das einzige Beispiel, dessen Arme ganz aus dem kostbaren Werkstoff gefertigt sind.

Der Kronleuchter stammt aus der Sammlung von Baron Mayer Amschel de Rothschild (1818–1874) und wurde 1977 mit Mitteln der Stiftung Deutsche Klassenlotterie von der West-Berliner Schlösserverwaltung bei Sotheby’s ersteigert. Er repräsentiert beispielhaft die große Bernsteintradition des Hauses Brandenburg-Preußen, an die nach 1945 kein einziges Objekt in der Sammlung mehr erinnerte. Da der Kronleuchter zum Zeitpunkt des Erwerbs in sehr schlechtem Zustand war, wurden zunächst umfassende Restaurierungsmaßnahmen vorgenommen. Von 1983 bis 2001 hing er im Schloss Charlottenburg, ehe er ins Depot wanderte.

Aufgrund der reichen Bernsteinvorkommen im südlichen Ostseeraum sammelten und verschenkten die Hohenzollern in der Frühen Neuzeit zahlreiche Kunstobjekte aus dem seltenen Material. Am bekanntesten ist das Bernsteinzimmer, welches König Friedrich Wilhelm I. in Preußen dem Zaren Peter dem Großen von Russland übereignete. 

Auch Kronleuchter aus dem fossilen Baumharz wurden als diplomatische Geschenke überreicht und waren als Kunstkammerstücke hochgeschätzt. Sie wurden allerdings nie als Beleuchtungskörper verwendet. Eine Benutzung wäre wegen ihres überaus leichten und deshalb nicht belastbaren Gewichts ein zu großes Risiko gewesen. Der Bernstein wird jedoch wegen seiner leuchtenden Farben sowie seiner Brennbarkeit seit der Antike mit der Sonne und dem Element Feuer assoziiert. Tatsächlich leitet sich sein Name sogar vom mittelniederdeutschen Verb „bernen“ ab, „brennen“.

Vorbild für den Bernsteinkronleuchter im Schlossmuseum Oranienburg war der im 17. Jahrhundert häufigste Leuchtertypus, der sogenannte Flämische Messingkronleuchter. Dieser besteht aus einem zentralen Schaft mit runden Segmenten unterschiedlicher Größe, in den geschwungene Arme und Zierelemente, sogenannte Reflektoren, eingehängt werden. Als Bekrönung verbreitet ist ein heraldischer Adler. Im Groteskensaal des Schlossmuseums wird der Kronleuchter in einer eigens dafür angefertigten Vitrine ausgestellt.tws/SPSG