Der Titel „Seht zu, wie ihr zurechtkommt“ war gleichsam das Lebensmotto von Sebastian Schoepps Mutter, einer resoluten Frau, die durch die Kriegserlebnisse ihrer Jugend geprägt wurde. Ihrem Sohn erschien sie stets streng und unnahbar. Schoepp ist ein typischer Vertreter der Babyboomer-Generation. Aufgewachsen in bürgerlicher Umgebung im Eigenheim außerhalb Münchens, erlebte er den beruflichen Aufstieg des Vaters, den engstirnigen Erziehungsstil dieser Zeit, und er war froh, dass sein Studium ihn dieser spießbürgerlichen Welt entriss.
Der 1964 geborene Schoepp studierte in München Kommunikationswissenschaften, Romanistik und Amerikanistik. Er war lange Jahre als Redakteur für die „Süddeutsche Zeitung“ tätig und berichtete über Spanien und Lateinamerika. Darüber hinaus war er als Dozent an der Universität Barcelona tätig. Als Journalist war er viel im Ausland unterwegs. Er sah in sich einen weltgewandten Kosmopoliten.
Gerade hatte er einen Auftrag erhalten, der ihn nach Buenos Aires führen sollte, als ihn die Nachricht erreichte, dass seine Mutter „umgekippt“ sei und im Krankenhaus liege. Als ihm klar wurde, dass es sich um eine ernstere Sache handelte und die Eltern nun nicht mehr alleine zurechtkommen würden, sagte er kurzentschlossen seinen Auslandsaufenthalt ab, was ihn die Beziehung mit seiner lateinamerikanischen Freundin kostete.
Ab diesem Zeitpunkt musste sich der einzige Sohn nolens volens mit der Pflege seiner Eltern beschäftigen. Als Angehörige der Kriegskindergeneration daran gewöhnt, nicht zu jammern und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, hatten sie offenbar keinen Gedanken ans Altern verschwendet und keine Vorsorge getroffen, was bedeutete, dass der Sohn einem Spießroutenlauf gleich alle Hürden, die das verbürokratisierte Pflegesystem bereithält, allein überwinden zu müssen.
Auf einfühlsame Weise gelingt es Schoepp, die Biographien der Eltern mit ihrer Zeitgeschichte zu verknüpfen, wobei er sich auf eigene Recherchen, Vermutungen und Reflexionen stützen musste, da in der Familie eisiges Schweigen über die Vergangenheit herrschte, abgesehen von ein paar Kriegsanekdoten, die der Vater hin und wieder erzählte.
Im Vorwort schreibt Heribert Prantl, dass Schoepp keine Grenzen über intime Augenblicke im Leben der Verstorbenen überschreitet. Dem ist nur zuzustimmen. Es ist ein Resümee der eigenen Verwobenheit mit der Geschichte seiner Vorfahren, das sich überdies spannend liest.
Sebastian Schoepp: „Seht zu, wie ihr zurechtkommt. Was die Kriegsgeneration in uns hinterlässt“, Westend Verlag, Frankfurt am Main 2023, Taschenbuch, 317 Seiten, 14 Euro


