04.02.2026

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Folge 31-23 vom 04. August 2023 / Wirtschaftsklima / Der Trend bei den Pleiten setzt sich fort / So viele Insolvenzen wie zurzeit gab es seit 2016 nicht mehr – Eine Besserung ist nicht in Sicht

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-23 vom 04. August 2023

Wirtschaftsklima
Der Trend bei den Pleiten setzt sich fort
So viele Insolvenzen wie zurzeit gab es seit 2016 nicht mehr – Eine Besserung ist nicht in Sicht
Hermann Müller

Die Zahl der Unternehmen, die Insolvenz angemeldet haben, ist auf den höchsten Wert seit sieben Jahren geklettert. Nach Angaben des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) wurden im Juni 1050 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften regis­triert. Gegenüber dem Vormonat stieg die Zahl der Unternehmenspleiten um 16 Prozent. Gegenüber dem Juni 2022 kletterte die Zahl der Insolvenzen gar um 48 Prozent. Betroffen sind laut dem IWH vor allem mittlere und große Unternehmen. 

Das IWH wertet für seine Untersuchungen die Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Registergerichte aus. Die Bekanntmachungen werden mit Bilanzkennzahlen der betroffenen Unternehmen verknüpft. Dieses Vorgehen macht es nach Angaben des Instituts möglich, schneller belastbare Aussagen zum Insolvenzgeschehen in Deutschland zu machen. 

Auch die Daten des Statistischen Bundesamts zeigen, dass die Firmenpleiten deutlich zunehmen. Die Wiesbadener Behörde hatte Mitte Juni seine Zahlen zum ersten Quartal 2023 vorgelegt. Laut diesen Daten erhöhte sich die Zahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem ersten Quartal 2022 um 18,2 Prozent auf 4117. 

Von den Medien aufgegriffen wurden in den vergangenen Monaten vor allem Insolvenzen im Handel wie etwa die Insolvenzanträge der Kaufhauskette Galeria Karstadt Kaufhof oder des Modehändlers Peek & Cloppenburg, Bezogen auf die Gesamtzahl der jeweiligen Unternehmen gab es im ersten Quartal jedoch die meisten Insolvenzen nicht im Handel, sondern in der Logistikbranche. Auf diese Branche entfielen 26 Insolvenzanträge je 10.000 Firmen. Mit 20 Fällen je 10.000 Firmen folgten die Bereiche Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden sowie die Kategorie „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“, zu der auch die Zeitarbeitsfirmen gehören. 

Daten zu den Firmeninsolvenzen im Mai deuten darauf hin, dass sich der Pleiten-Trend fortsetzt. Bereits im April lag die Zahl der Insolvenzen um 4,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat. Auch im Mai stellten die Statistiker eine Zunahme der Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vorjahresmonat fest. In diesem Fall betrug der Anstieg 3,1 Prozent. 

Bei der Entwicklung spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Staatshilfen und die teilweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht hatten die Zahl der Firmenpleiten in den Jahren 2020 bis 2022 auf ein niedriges Niveau gedrückt. Nach dieser Sondersituation sorgen nun allerdings teils drastisch gestiegene Energiekosten, höhere Personalausgaben und die Normalisierung des Zinsniveaus dafür, dass sich die finanzielle Lage vieler Unternehmen verschlechtert. Obendrein verdüstern sich auch noch die Konjunkturaussichten für die deutsche Wirtschaft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex deutet als wichtiger Frühindikator darauf hin, dass auf die Unternehmen eine schwierige zweite Jahreshälfte zukommt. „Die Schwächephase der deutschen Wirtschaft geht in die Verlängerung“, so das Münchner Ifo-Institut. 

Der Internationale Währungsfonds geht in seiner jüngsten Konjunkturprognose sogar davon aus, dass die deutsche Wirtschaftsleistung als einzige unter 20 untersuchten Volkswirtschaften in diesem Jahr sinken wird.