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Folge 31-23 vom 04. August 2023 / Bayreuther Festspiele / Durch die virtuelle Brille betrachtet / „Parsifal“ ist im Computerzeitalter angekommen – Die dafür teuren Eintrittskarten schrecken Publikum ab

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 31-23 vom 04. August 2023

Bayreuther Festspiele
Durch die virtuelle Brille betrachtet
„Parsifal“ ist im Computerzeitalter angekommen – Die dafür teuren Eintrittskarten schrecken Publikum ab
Jolanta Lada-Zielke

Die Richard-Wagner-Festspiele in Bayreuth werden immer teurer. Die Einführung neuer Ideen übersteigt die finanziellen Möglichkeiten des Managements, was man dieses Jahr deutlich spürt. Zur Eröffnung der Veranstaltung am 25. Juli führte man die Oper „Parsifal“ in der Regie des US-Amerikaners Jay Scheib auf, der konsequent auf teure Digitalisierung setzt. 

Die Handlung spielt sich nicht nur auf der Bühne ab, sondern auch in der virtuellen Realität, die das Publikum mit Hilfe einer sogenannten „Augmented Reality“-Brille miterlebt. Das Festspielhaus in Bayreuth zählt 2000 Plätze, aber nur 330 Zuschauer hat man mit solchen Digital-Brillen ausgestattet, weil eine einzelne über 1000 US-Dollar kostet.

Braucht man solche Neuerung, die nicht für alle zugänglich ist? Manche Festspielgäste verzichteten freiwillig auf die Brille. Die charakteristischen „Parsifal“-Symbole befinden sich jedoch in der virtuellen Realität. Auf dem transparenten Bildschirm der Brille schwebt ein von einem Pfeil getroffener Schwan, Klingsors Speer und der Gral in Form einer Schale. Auf der Bühne sind vereinfachte Versionen dieser Symbole zu sehen: ein Wanderstock als Speer und der Gral als smaragdgrünes Kristallgebilde. In der Schlussszene lässt es der Titelheld nach der Enthüllung fallen und in Stücke zerspringen. „Parsifal“ ist ein Bühnenweihfestspiel, weshalb viele diese Entmythologisierung des Grals als übertrieben sehen.

Einerseits bereichert die virtuelle Projektion die Inszenierung, andererseits lenkt sie das Publikum ab. Man verpasst etwas von der Aufführung, wenn einem eine riesige Fliege vor der Nase hängt, oder zwei Klapperschlangen von Kundry miteinander kämpfen. Im dritten Akt gibt es virtuelle Anspielungen auf die Klimawandel (zerdrückte Plastikflaschen und verbrauchte Batterien) sowie auf den 

Ukrainekrieg (Granaten und Kalaschnikows). Die blutende Wunde von Amfortas stellt man sehr realistisch dar. 

Nur die Musik ist nicht zu beanstanden. Der Spanier Pablo Heras-Casado leitet das Orchester mit sicherer Hand und viel Feingefühl. Die Glocken im ersten Akt klingen würdevoll, die Harfen bei den Schlussakkorden zart und subtil. Unter den Sängern sind stimmlich und technisch am besten Andreas Schager als Parsifal und Georg Zeppenfeld als Gurnemanz; der Letztere verfügt über eine hervorragende Diktion. Die lettische Mezzosopranistin Elīna Garanča (Kundry) bezaubert mit ihrer dunklen, starken Stimme, die sie gekonnt dosiert, sollte aber ihre Aussprache verbessern. Zum Schluss bekamen alle Solisten, Chor und der Dirigent einen stürmischen Applaus, während das Regieteam einige Buhrufe sammelte. 

Es bleibt die Frage, um wie viel die Eintrittspreise für das Festspielhaus steigen werden, damit jeder Zuschauer wählen könnte: mit oder ohne AR-Brille. Diese können nicht nur die Realität erweitern, sondern auch die Geldbörsen leeren. Erstmals konnte man bei den Festspielen noch kurzfristig Karten zum Preis von bis zu 459 Euro erwerben. 


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