Während sich die Menschen in Europa und Nordamerika über einen kalten und verregneten Sommer ärgern, vermelden deutsche Medien einen „Hitzerekord für die Geschichtsbücher“ (so etwa „Der Tagesspiegel“). Der Juli 2023, so die Phalanx der Kommentare, werde der wärmste Juli-Monat seit wahrscheinlich 120.000 Jahren sein.
Grundlage für diese spektakuläre Meldung sind Berechungen des Klimaforschers Karsten Haustein von der Universität Leipzig. Dieser habe für seine Analyse „Daten von Wettervorhersagemodellen, Wetterstationen, Radiosonden, Satelliten und natürlichen Klimaarchiven wie Baumringen oder Bohrkernen aus dem Eis und Sedimentgesteinen ausgewertet“.
Unklar ist jedoch, wie man mit Daten, die bis auf die Eisbohrkerne und die Baumringe nur eine Rückschau von wenigen Jahrzehnten gestatten, auf 120.000 Jahre zurückblicken will. Und so wird Haustein nach dem reißerischen Auftakt denn auch damit zitiert, dass „die Temperaturdaten, die bis zu diesem Zeitpunkt zurückreichen, keine ausreichend hohe zeitliche Auflösung für eine sichere Aussage dazu liefern“ würden. Ob dieser Widerspruch irgendjemandem der die Nachricht Verbreitenden auffällt?
In jedem Fall sei den Klimaforschern, die seit Jahren immer neue Hitzerekorde vermelden, geraten, ab zu aus dem Fenster ihrer Lehrstuben zu schauen und sich zu fragen, ob sich ihre berechneten Erkenntnisse mit dem realen Leben decken. neh


