Nachdem der tschechische Milliardär Daniel Křetínský 2016 dem schwedischen Konzern Vattenfall dessen Kraftwerke und Tagebaue in der Lausitz abkaufte, war in Brandenburg von Kosten von drei Milliarden Euro für die künftige Rekultivierung der Bergbauareale die Rede. Obwohl mit dem politisch beschlossenen Kohleausstieg diese Folgekosten schon in wenigen Jahren fällig werden könnten, herrscht beim zuständigen Energieversorger LEAG gute Stimmung.
Laut dem Informationsdienst Bloomberg hat Křetínskýs EPH-Konzern in seinem Nachhaltigkeitsbericht angekündigt, das Geschäft seiner deutschen Tochterunternehmen LEAG und Mibrag umzubauen. Die Bergbauaktivitäten beider Unternehmen will EPH demnach in eine neue Schwestergesellschaft namens EP Energy Transition übertragen. Zweck der Ausgliederung soll es sein, das Geschäft mit den „schmutzigen“ Kohlekraftwerken auszugliedern, um den Cottbusser Energieversorger LEAG künftig als Unternehmen präsentieren zu können, das sein Geld mit Windkraft und Photovoltaik verdient. Laut Bloomberg haben sich auch schon Bergbauriesen wie Anglo American und Teck Resources eine „grüne“ Umweltbilanz zugelegt, indem sie ihre fossilen Geschäfte ausgegliedert haben.
Bereits im Herbst 2022 hatte die LEAG für „erneuerbare“ Energien das Projekt GigawattFactory angekündigt. Dazu will der Versorger mehr als zehn Milliarden Euro investieren, um bis 2030 in der Lausitz sieben Gigawatt Wind- und Sonnenstrom erzeugen zu können. „Das ganze Projekt ist ein starker Jobmotor für Ostdeutschland. Und es hilft, Energie wieder bezahlbar zu machen“, so LEAG-Chef Thorsten Kramer.
Bei den Plänen der LEAG, die Lausitz zum „grünen Kraftwerk der Nation“ zu machen, spielen Tagebauflächen eine wichtige Rolle. „Unser Goldstaub sind 33.000 ha konfliktarme Bergbaufolgefläche in der Lausitz“, so Kramer im Herbst vergangenen Jahres. Laut Kramer handelt es sich „um jede Menge Fläche, um dort ohne hemmende Einsprüche von Nachbarn in großem Maßstab erneuerbare Energien aufzubauen“. Angesichts der Dimension des Projekts regt sich allerdings Kritik. Kleinere Projektentwickler befürchten Wettbewerbsnachteile.
Auch Martin Maslaton, Regionalbeauftragter des Bundesverbandes Windenergie an Land (BWE), bezeichnet die Flächendimension der LEAG-Areale als problematisch und sprach von einer kartellrechtlichen Relevanz. Im Kontrast dazu sicherte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) beim Besuch im Kraftwerk Jänschwalde vor einigen Wochen „volle politische Unterstützung” für die LEAG-Pläne zu.
Schon im Sommer 2021, Habeck war noch nicht Wirtschaftsminister, hatte die LEAG ein „grünes“ Tochterunternehmen auf den Weg gebracht. Das bringt eine Autorin der Rechercheplattform Correctiv zu der Befürchtung: „Sollte das Geschäft mit der Braunkohle irgendwann am Ende sein, dann wäre Křetínský die lästige Renaturierung los. Er könnte weiter den Retter der Lausitz spielen, während die Bürgerinnen und Bürger für seine Mondlandschaften zahlen.“ Mit der angekündigten Abtrennung und Auslagerung des Bergbaugeschäfts der LEAG könnte die Diskussion, wer letztendlich für die Renaturierung der Tagebaue zahlen muss, wieder intensiver werden. H.M.


