04.02.2026

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Folge 32-23 vom 11. August 2023 / Gesellschaft / Wie staatliche Betreuung zur Entmündigung führt / Mit immer mehr Verboten, Geboten, Warnungen und Empfehlungen mischt sich der Staat ins Leben der Bürger ein – Ist das nur übertriebene Fürsorge, oder folgt dieser Exzess einer verborgenen Absicht?

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 32-23 vom 11. August 2023

Gesellschaft
Wie staatliche Betreuung zur Entmündigung führt
Mit immer mehr Verboten, Geboten, Warnungen und Empfehlungen mischt sich der Staat ins Leben der Bürger ein – Ist das nur übertriebene Fürsorge, oder folgt dieser Exzess einer verborgenen Absicht?
Wolfgang Kaufmann

Auf dem Malerweg, welcher die gesamte Sächsische Schweiz durchzieht, suchten früher Künstler wie Caspar David Friedrich nach Inspiration und  einzigartigen Motiven. Dabei stießen sie dort weder auf eiserne Geländer noch auf die heute verbreitet zu findenden Schilder des Staatsforstes mit der Aufschrift „Betreten des Waldes auf eigene Gefahr“ – ergänzt um Piktogramme, die vor Naturgegebenheiten wie herabfallenden Ästen, Steilwänden, Gewitter, Steinschlag oder suboptimalen Bodenverhältnissen warnen. Damals hielt die Obrigkeit solche Belehrungen offenkundig für überflüssig.

Und das Beispiel Malerweg ist nur eines von vielen: Mittlerweile neigen kommunale und staatliche Stellen sowie regierungskonforme Medien zu regelrechten Informationsexzessen, um den Bürgern Selbstverständlichkeiten einzutrichtern. Man denke nur an die ständigen Ermahnungen, nicht zu lange in der Sonne zu verweilen und ausreichend zu trinken, sobald sich das Quecksilber „bedrohlich“ der 30-Grad-Marke nähert. Diesen Sommer bot die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ zusätzlich sogar einen Charité-Professor auf, um ihrer Leserschaft zu erklären, warum der Mensch bei Hitze schwitze und wie er das am besten bewerkstelligen könne, ohne tot umzufallen. 

Das Urteilsvermögen verkümmert

In Erinnerung sind auch noch die unablässigen Hinweise während der Corona-Zeit, sich nicht gegenseitig anzuhusten und ans regelmäßige Händewaschen und Lüften zu denken. Ganz wichtig ist zudem der Verbraucherschutz: Wer mit 18 Jahren zur Wahl gehen oder mit 17 bei der Bundeswehr Dienst an der Waffe leisten kann, verfügt nach Meinung einiger Ministerien noch lange nicht über die Kompetenz, eigenverantwortlich Kaufentscheidungen zu treffen oder Verträge zu schließen – daher muss der paternalistische Staat, der genauso agiert wie die zur Überbehütung, Einmischung und Überwachung tendierenden Helikopter-Eltern, hier schwere gesetzgeberische Geschütze auffahren.

Die Folge all dessen sind Bürger, die tatsächlich oft kaum mehr selbst beurteilen können, welches Verhalten gefährlich ist und wo echte Risiken lauern. Davon können unter anderem die Ärzte in den Notaufnahmen der Krankenhäuser ein Klagelied singen: Manchmal müssen sie Menschen behandeln, welche auf haarsträubend törichte Weise zu Schaden gekommen sind wie beispielsweise beim Spazierengehen auf der Autobahn oder nächtlichen Spontanbesuchen in der „Unterkunft“ von mehreren unbekannten „jungen Männern“. Gleichzeitig werden die Notfallmediziner mit Lappalien konfrontiert, die letztlich nicht einmal den Gang zum Hausarzt nötig gemacht hätten. Daher verteilen manche Kliniken nun Handzettel in den Notaufnahmen, aus denen unter anderem hervorgeht, dass ein geschwollener Mückenstich keine dringende intensivmedizinische Hilfe erfordert und Rettungswagen nicht als Ersatz für Busse oder Taxis gedacht sind.

Der übergriffig-überfürsorgliche Gouvernanten-Staat sorgt also verbreitet für eine erlernte Hilflosigkeit gepaart mit Vollkaskomentalität: Wenn „die da oben“ auf alles achten, dann sind sie auch für sämtliche Folgen verantwortlich. So entstehen „pflegeleichte“ Untertanen, die wenig nachdenken und nicht aufbegehren. Allerdings hat die erlernte Hilflosigkeit Konsequenzen, wie bereits die beiden US-amerikanischen Entdecker dieses psychischen Phänomens Martin Seligman und Steven Maier 1967 bei ihren Experimenten feststellten: Das durch eine systematische Untergrabung der Selbstbestimmung herbeigeführte Gefühl der Hilf- und damit auch Machtlosigkeit führt zum Verlust jeglicher Motivation und damit zur Lethargie; dazu kommt die gedankliche Abstumpfung. Das Ergebnis sind unmündige Bürger, wobei sich die Frage stellt, ob dies nur ein Kollateralschaden des staatlichen Paternalismus ist oder ein erwünschtes Ergebnis. Immerhin wird durch die kritiklose Duldsamkeit seitens des Volkes ja das Durchregieren erleichtert.

Selbst Kant hat schon gewarnt

Augenfälligster Ausdruck des Letzteren sind die wie Pilze aus dem Boden schießenden Gebote und Verbote, die als Ausdruck der Sorge um das körperliche und seelische Befinden „der Menschen da draußen“ hingestellt werden. Deswegen war der selbst ernannte Schutzpatron aller Deutschen während der Corona-Pandemie, Karl Lauterbach, ja auch der „Gesundheitsminister der Herzen“, solange viele Leute glaubten, er könne sie vor Ungemach bewahren. 

Nur die wirklich Mündigen meinten von Anfang an, für ihr Wohlergehen durchaus selber sorgen zu können, wenn man sie denn ließe. Das ist heute genauso: Die einen finden es wunderbar, wenn der Staat den Verzehr vermeintlich ungesunder Lebensmittel erschwert und es schwachen Persönlichkeiten damit erleichtert, nicht zu verfetten, während die anderen auf Eigenverantwortung und den regelmäßigen Einsatz von Vernunft, Waage und Spiegel setzen, bevor die Kleidung aus allen Nähten platzt und die üblichen Folgeschäden der Adipositas auftreten.

Die Wahrnehmung von Eigenverantwortung – ganz gleich auf welchem Gebiet – zählt also zu den wichtigsten Grundvoraussetzungen, um mündig und damit zumindest innerlich frei zu sein. Das wusste schon der berühmte Philosoph Immanuel Kant, welcher im Dezember 1784 schrieb: „Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen.“ 

Doch genau diese Entschlusskraft fehle vielen Menschen, so der Professor für Logik und Metaphysik an der Albertus-Universität in Königsberg, wofür er vollkommen zu Recht die „Faulheit und Feigheit“ seiner Zeitgenossen verantwortlich machte. Deshalb antwortete Kant auf die Frage, ob das „aufgeklärte Zeitalter“ nun bereits angebrochen sei, auch mit einem klaren „Nein“. Würde der große Denker heute noch leben, wäre seine Reaktion vermutlich die gleiche, obwohl sich die anhaltende Unmündigkeit inzwischen oft in dem nachgeplapperten Slogan „Folge der Wissenschaft!“ äußert. 


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