Ann Krispenz vom Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Bern besitzt zwei Doktortitel: einen in Jura und einen in Psychologie. Gemeinsam mit ihrem Vorgesetzten Professor Alex Bertrams ist sie der Frage nachgegangen, welche geistige Verfassung Personen aufweisen, die als linke politische Aktivisten auftreten.
Zu diesem Zweck führten die beiden Wissenschaftler zwei Studien durch, über deren Ergebnisse sie jetzt in einem Artikel im Fachblatt „Current Psychology“ berichten. Der trägt den Titel „Linken Autoritarismus verstehen: Beziehungen zwischen den dunklen Persönlichkeitsmerkmalen und Altruismus sowie Engagement für soziale Gerechtigkeit“.
Im Rahmen der Untersuchungen wurden jeweils um die 400 repräsentativ ausgewählte Freiwillige befragt. Dabei ging es im ersteren Falle um den vermuteten Zusammenhang zwischen linkem Aktivismus und Altruismus, also der Tendenz zu uneigennützigem Handeln. Für diesen fanden Krispenz und Bertrams jedoch keinerlei Belege. Stattdessen entdeckten sie bei ihren Probanden eine ausgeprägte Neigung zu narzisstischer Selbstverliebtheit, die mit mangelnder Empathie, Arroganz und manipulativem Auftreten einhergeht.
Aber damit nicht genug: Parallel stieß das Duo auch noch auf unübersehbare Anzeichen von anti-hierarchischer Aggression. Diese äußere sich in dem Bestreben des jeweiligen Individuums, „diejenigen zu stürzen, welche sich in Machtpositionen befinden und konservative Werte vertreten“. Damit seien die linksorientierten Aktivisten potentielle Träger einer „gewaltsamen Revolution gegen existierende gesellschaftliche Strukturen“.
In der anschließenden zweiten Studie wurde dann der Zusammenhang zwischen anti-hierarchischer Aggression auf der einen und dem Streben nach sozialer Gerechtigkeit auf der anderen Seite untersucht. Dabei lautete die Vorannahme von Krispenz und Bertrams, dass ein solcher wohl mit ziemlicher Sicherheit bestehe. Doch das Ergebnis fiel wiederum überraschend aus: „In dieser Analyse verschwand die Verbindung zwischen anti-hierarchischer Aggression und dem Engagement für soziale Gerechtigkeit und die Beziehung zwischen anti-hierarchischer Aggression und Psychopathie wurde enthüllt.“ Mit anderen Worten: Vielen der in die Untersuchung einbezogenen politischen Aktivisten aus dem linksgerichteten Spektrum geht es offensichtlich nicht um soziale Gerechtigkeit oder die Unterstützung von unterprivilegierten Gruppen, sondern um die Ausübung von Gewalt, deren Zweck darin besteht, die eigenen, Ich-bezogenen Bedürfnisse zu befriedigen – Bedürfnisse, die oft anti-sozial und damit eben auch psychopathisch sind.
Der Artikel erregte natürlich erhebliches Aufsehen, woraufhin Krispenz und Bertrams eilig zurückruderten und ihre Forschungsergebnisse relativierten: Man könne hieraus noch keine Theorie ableiten. Dazu müssten weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Zudem dürften rechte Aktivisten vergleichbare Haltungen zeigen. Beweise für diese Behauptung vermochten sie allerdings nicht vorzubringen. W.K.