Christian Wilhelm Haken stammte aus Greifswald, machte als evangelischer Pfarrer in Pommern Karriere und erlangte als Historiker und Volkskundler eine überregionale Bekanntheit. Er trat mit zahlreichen Veröffentlichungen über Köslin, Stolp, die pommerschen „Cassuben“, die Reformationsgeschichte sowie über herausragende Persönlichkeiten Pommerns hervor und gehörte zu den Stützen der Zeitschrift „Pommersches Archiv der Wissenschaften und des Geschmacks“.
Christian Wilhelm Haken wurde am 12. Juli 1723 in Greifswald geboren. Sein Geburtsort entstand im Gefolge einer Zisterziensergründung 1199, erhielt 1250 das Lübische Stadtrecht, zählte zu den Gründungsmitgliedern der Hanse und fiel im Westfälischen Frieden 1648 mit ganz Vorpommern für lange Zeit an Schweden. Erst 1815 kam Schwedisch-Vorpommern auf dem Wiener Kongress an Preußen. Haken war also zunächst Schwede. Sein Vater fungierte in Schwedisch-Vorpommern als Postmeister. Die Mutter war eine Tochter des Pfarrers Christian Tornow in Belgard, wo der Junge in der Obhut des Großvaters aufwuchs. Belgard liegt an der Persante südöstlich von Kolberg in Hinterpommern, wurde 1105 erstmals urkundlich erwähnt und entwickelte sich an der Kreuzung von wichtigen Handelsstraßen nach der Verleihung des Lübischen Stadtrechtes zur Handelsstadt und zeitweiligen Residenz pommerscher Herzöge. Zu Hakens Zeit war Belgard preußisch.
Sein Großvater fungierte als Pfarrer der Belgarder Marienkirche. Er interessierte den Jungen für Geschichte und orientierte ihn auf eine kirchliche Laufbahn. Zu diesem Zweck besuchte Haken dann das Gröningsche Collegium im pommerschen Stargard, das damals als Bildungsstätte einen guten Ruf hatte. Es folgte für Haken das Theologiestudium in Königsberg. Parallel beschäftigte er sich im wachsenden Maße mit der pommerschen Geschichte. 1748 gedieh zu einer Zäsur.
Haken wurde zum Pfarrer in Jamund bei Köslin berufen. Das war sein erstes Amt. Jamund liegt südlich des Jamunder Sees nahe Köslin in Hinterpommern, wurde 1278 erstmals urkundlich erwähnt und gehörte ab 1331 zu den Stadteigentumsdörfern der Stadt Köslin. Die ältesten Teile der Jamunder Kirche, dem Arbeitsplatz von Haken, stammen aus dem 14. Jahrhundert. Sie besaß eine Bibliothek und eine Naturaliensammlung. Beide wurden durch Haken erweitert. Er erfüllte seine Amtspflichten, betrieb nebenbei wachsende historische sowie volkskundliche Studien und trat mit Veröffentlichungen hervor. Das reichte von einer „Geschichte der Königlich Preußischen Hinterpommerschen Immediat-und vormaligen Fürst- und Bischöflichen Residenzstadt Cößlin“ bis zu ersten Beiträgen zur „Stadtgeschichte von Stolp“. Haken erregte damit überregionales Aufsehen, gründete im Sog der Anerkennung die „Pommerschen Provinzblätter“ und gehörte dann auch zu den Herausgebern der Zeitschrift „Pommersches Archiv der Wissenschaften und des Geschmacks“. Diese Zeitschrift erschien vierteljährlich und gedieh zu einer Plattform für Hakens Texte. Er untersuchte nun auch die Volkssitten und die sprachlichen Besonderheiten Hinterpommerns und gilt deshalb bis heute als einer der ersten Volkskundeforscher Pommerns.
Der schriftstellernde Pfarrer wurde schließlich 1771 nach Stolp berufen. Die Stadt liegt an der Stolpe nahe Köslin, entwickelte sich aus einer kaschubischen Siedlung zu einer pommerschen Residenzstadt und dann zu einer preußischen Garnisonsstadt der Roten Husaren mit einer Kadettenanstalt. Haken predigte als 1. Pfarrer an der Marienkirche, hatte die Aufsicht über die Stolper Schulen und leitete über Jahre die regionale Synode. Rund 20 Jahre galt er als der Hauptrepräsentant der evangelischen Kirche im Kreis Stolp. Parallel produzierte er weitere Beiträge und Schriften. Als Themen sind die Stolper Stadtgeschichte, die Geschichte des Husarenregiments, das Wirken namhafter Persönlichkeiten und der Wortschatz der Region überliefert. Über diese Vielfalt des Wirkens starb Haken am 20. Dezember 1791 in Stolp. Noch zu seinen Lebzeiten hatte Christian Benjamin Glassbach ein Porträt von ihm geschaffen. In seinem unveröffentlichten Nachlass befand sich ein „Hinterpommersches Wörterbuch“, das für Sprachforscher bis heute interessant ist. Aus seiner Ehe ging Sohn Johann Christian Ludwig hervor, der danach ebenfalls als schriftstellernder Pfarrer tätig war.