04.02.2026

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Folge 33-23 vom 18. August 2023 / Wirtschaftsförderung / Milliardenzuschüsse in der Kritik / „Mittelstand im Regen“: Subventionen für Großinvestoren in Magdeburg und Dresden erregen Unmut

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-23 vom 18. August 2023

Wirtschaftsförderung
Milliardenzuschüsse in der Kritik
„Mittelstand im Regen“: Subventionen für Großinvestoren in Magdeburg und Dresden erregen Unmut

Rund zehn Milliarden Euro soll das Halbleiterwerk kosten, das der taiwanesische Weltmarktführer TSMC in Dresden errichten will. Bereits 2027 wollen die Taiwanesen in Sachsen zusammen mit Bosch, Infineon und NXP die Produktion aufnehmen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck begrüßte die Entscheidung von TSMC für den Standort Dresden. Der Grünen-Politiker sagte, der Bau der Fabrik werde substantiell zur Versorgung Deutschlands und Europas mit Halbleiterchips beitragen. „Deutschland ist ein attraktiver und wettbewerbsfähiger Standort, gerade auch bei Schlüsseltechnologien wie der Mikroelektronik“, so Habeck weiter.

Tatsächlich wird die Attraktivität des Standortes auch in diesem Fall kräftig mit Hilfe der Steuerzahler aufpoliert. Laut einem Bericht des „Handelsblatts“ hat der Bund zugesagt, den Fabrikbau mit fünf Milliarden Euro zu fördern. Umgerechnet auf die in Aussicht gestellten 2000 Mitarbeiter würde damit jeder Arbeitsplatz, der in dem TSMC-Werk neu entsteht, mit 2,5 Millionen Euro subventioniert. 

Der Anteil von Steuergeldern an der Gesamtinvestition ist bei der Dresdner Chipfabrik sogar noch höher als im Fall der zwei Chipwerke, die der amerikanische Halbleiterhersteller Intel in Magdeburg errichten will. Dort sollen bei einer Gesamtinvestition von 30 Milliarden Euro immerhin zehn Milliarden an staatlichen Geldern fließen.

Beim TSMC-Projekt in Dresden ist nun allerdings in der Wirtschaft und auch unter Ökonomen starker Unmut über die Subventionspolitik des Bundes zu spüren. Scharfe Kritik kam etwa vom Branchenverband „Der Mittelstand BVMW“: Der Vorsitzende des Verbandes, Christoph Ahlhaus, sagte: „Es ist keinem Unternehmer in Deutschland mehr vermittelbar, warum den Großen milliardenschwere Begrüßungspakete geschnürt und großzügige Ausgleichszahlungen für die hohen deutschen Strompreise gewährt werden, während man den Mittelstand im Regen stehen lässt.“ Der Verband fordert, Strompreise für alle Unternehmen in Deutschland auf ein „wettbewerbsfähiges Niveau“ zu deckeln.  

„Ungewisse Wette auf die Zukunft“

Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht in den geplanten Chipfabriken von Intel in Magdeburg und TSMC in Dresden „eine ungewisse Wette auf die Zukunft“. Der Staat gebe 15 Milliarden Euro an Subventionen allein für diese beiden Fabriken aus. Dies werde sich wirtschaftlich nur dann rechnen, wenn diese beiden Investitionen „einen Impuls für die gesamte regionale Wirtschaft geben und auch in anderen Branchen und bei Zulieferern Innovationen und neue Arbeitsplätze entstehen“, so Fratzscher gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“. 

Auch der Präsident des RWI-Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung, Christoph Schmidt, zeigt sich skeptisch. Schmidt erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“, es sei zweifelhaft, dass die Subvention dem Land langfristig mehr bringe, „als wenn man die gleichen Mittel in die Forschung und Entwicklung etwa von Speichertechnologien oder in die Infrastruktur für den Import und Transport von Wasserstoff stecken würde“. H.M.