Fußball ist die mit Abstand populärste Sportart der Welt und hat eine unvergleichliche Fähigkeit, die Herzen der Menschen und die Politik zu erobern. Obwohl einige Islamgelehrte im strenggläubigen Saudi-Arabien das Gekicke in kurzen Hosen, noch dazu unter dem Gegröle von zuschauenden Frauen, durchaus als nicht Koran konform ansehen, hat sich in den letzten Jahren das superreiche wahhabitische Saudi-Arabien unter der Führung von Kronprinz Mohammed bin Salman (MBS) auf die ehrgeizige Mission begeben, eine herausragende Fußballnation zu werden und das gesamte Potenzial des Spiels auszuschöpfen – von seinem weitreichenden kulturellen Einfluss bis hin zu den ungenutzten wirtschaftlichen Möglichkeiten.
Nachdem Katar bereits Austragungsort der jüngsten WM war, wird Saudi-Arabien den Asien-Pokal 2027 ausrichten und hat sich zudem um die WM 2030 beworben. Vor allem aber hat sich Saudi-Arabien nach früheren Vorstößen von Ländern wie Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten in den Klubfußball nun als die größte finanzielle Kraft erwiesen, die es in diesem Sport je gegeben hat. Saudische Klubs der Profiliga, deren Namen in der Fußballwelt vorher noch kaum jemand kannte, verfügten in der Saison 2023/24 plötzlich über ein Budget zum Einkauf neuer Spieler, das höher ist als das von Bayern und Dortmund zusammen.
Der saudische Public Investment Fund (PIF) unter dem Vorsitz von MBS ist die treibende Kraft hinter dem Vorstoß in den Fußball. 2021 erwarb der PIF den englischen Klub Newcastle United FC – und machte damit den oft mittelmäßigen Verein zu einem wichtigen Konkurrenten im europäischen Fußball. Der PIF hat 2022 auch den Londoner Chelsea gekauft. In den letzten Monaten hat sich der Fokus Saudi-Arabiens darauf verlagert, seinen heimischen Klubwettbewerb, die Saudi Pro League (SPL), zu einer festen Größe im internationalen Fußball zu machen.
Die SPL machte im vergangenen Jahr Schlagzeilen, als sie Cristiano Ronaldo mit einem zweieinhalbjährigen Vertrag im Wert von weit über 200 Millionen Dollar verpflichtete. Andere Stars wie Karim Benzema, N’Golo Kante, Jordan Henderson und Ruben Neves sind ihm in diesem Sommer in die saudische Liga gefolgt. Im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants sind die saudischen Klubs nicht an die Regeln des finanziellen Fairplays gebunden, welche die Kaufkraft der Klubs einschränken. Dies gibt ihnen die Möglichkeit, ohne große regulatorische Bedenken umfangreiche Verträge abzuschließen. Einigen Berichten zufolge wird Karim Benzema in der saudischen Liga bis zu 100 Millionen Dollar pro Jahr verdienen – über 80 Millionen Dollar mehr als bei Real Madrid, wo er einer der bestbezahlten Spieler war.
Für ein Land wie Saudi-Arabien kann der Fußball ein Mittel sein, um seinen Ruf als regressiver und autokratischer Staat reinzuwaschen, obwohl der Fußball im saudischen Volk in keiner Weise verwurzelt ist. Bob


