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Folge 33-23 vom 18. August 2023 / Ausstellung / Schwankend im Blumenmeer / Künstler als Floristen – Die Münchner Kunsthalle lässt mit „Flowers Forever“ Blumen sprechen

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-23 vom 18. August 2023

Ausstellung
Schwankend im Blumenmeer
Künstler als Floristen – Die Münchner Kunsthalle lässt mit „Flowers Forever“ Blumen sprechen
Norbert Matern

Man glaubt es kaum, aber der Direktor der Münchner Kunsthalle Roger Diederen gibt es schriftlich: „Flowers Forever. Blumen in Kunst und Kultur“ ist die erste Ausstellung, die sich der Kunst und Kulturgeschichte der Blume vom Altertum bis heute widmet. 

Es sei, wie es wolle. Tatsächlich ziehen die aus deutschen und ausländischen Museen stammenden rund 170 naturnahen wie aus kostbarstem Porzellan und edlen Metallen gefertigten Ausstellungsstücke und wertvollen Gemälde die Besucher schnell in ihren Bann. Immer geht es um die Blume in Kunst und Wissenschaft, in Mythologie und Religion, in Literatur, Politik, Ökonomie und Ökologie. 

Die beiden Höhepunkte des thematisch gegliederten Parcours sind zweifellos der Spiegelsaal, den man eher vorsichtig betritt, weil schon der Boden auf den ersten Blick nicht verrät, ob er Realität oder Spiegelung ist. Die KI gesteuerten Installationen zeigen virtuelle farbige Blumengärten, deren Pflanzen sich unaufhörlich bewegen und verändern: Ein technisches und ästhetisches, bewundernswertes Schauspiel!

Den letzten Raum der Ausstellung bildet ein riesiger Rosengarten, der schon handwerklich ein Hingucker ist. Calyx heißt das Meer von rund 200.000 getrockneten Blüten, welche die englische Künstlerin Rebecca Louise Law mit gut 180 Helferinnen aus München gesammelt, getrocknet und kunstvoll verarbeitet hat. Kein Wunder, dass vor allem die weiblichen Besucher sich darin gern fotografieren lassen.

Blumen begleiten den Menschen von der Geburt bis zu seinem Ende. Sie beglücken die Liebenden, vermitteln Botschaften. Memento mori heißen die kleinen, mit Blumenkränzen geschmückten, Skelette aus dem Freisinger Dom Museum. Und Trost spenden die Madonnenbilder – Rose ohne Dornen – oder mit Lilien als Zeichen der Reinheit. Im 17. Jahrhundert entstand im Kloster Seon die blumenreiche Strahlenkranz Monstranz.

Die Ausstellung belässt es aber nicht nur bei Schönheit und Freude. Nelken wurden politische Symbole wie bei der Nelkenrevolution 1974 in Portugal als die aufständischen Soldaten Nelken in die Gewehrläufe steckten. Eher linksorientierte Politiker tragen bevorzugt rote Nelken am Revers.

Im 17. Jahrhundert begann mit Tulpen der internationale Blumenhandel. Ein Bild zeigt weite Tulpenfelder in den Niederlanden. Blumenmotive kamen auf elegante Möbel, Vasen, Geschirr und Gebrauchsgegenstände. 420.000 Blumenarten hat die Wissenschaft bis heute katalogisiert. Von dieser Vielfalt lässt die Ausstellung einiges ahnen. „Von einem Blütenrausch im flirrenden Garten Eden“ schwärmt ein Besucher.

Der Katalog aus dem Prestel Verlag „spricht nicht durch die Blume“. Internationale Experten äußern sich präzise zu Botanik, Kunst, Kultur, Literatur und Wirtschaft; Kurztexte beleuchten Hintergründe zu einigen Objekten.

Im Umfeld der Ausstellung findet in München mit 500 Rahmenveranstaltungen das „Flower Power Festival München 2023“ statt. Im Herbst wandert die Ausstellung in veränderter Form ins Musée des Impressionnismes in Giverny. 

„Flowers Forever. Blumen in Kunst und Kultur“ in der Kunsthalle München, Theatinerstraße 8, bis 27. August, täglich geöffnet von 10 bis 20 Uhr, Eintritt: 16 Euro. Der Katalog kostet in der Kunsthalle 35 Euro. 

www.kunsthalle-muc.de