04.02.2026

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Folge 33-23 vom 18. August 2023 / 1. Viscount Nuffield / Der Henry Ford des Vereinigten Königreichs / Der Mini trug auch seinen Namen – Vor 60 Jahren starb der einstige Eigentümer von Morris, MG, Riley und Wolseley

© Preußische Allgemeine Zeitung / Folge 33-23 vom 18. August 2023

1. Viscount Nuffield
Der Henry Ford des Vereinigten Königreichs
Der Mini trug auch seinen Namen – Vor 60 Jahren starb der einstige Eigentümer von Morris, MG, Riley und Wolseley
Manuel Ruoff

Als das vielleicht bekannteste Automobil britischer Provenienz, der Mini, 1959 auf den Markt kam, wurde er sowohl als Austin als auch als Morris verkauft. Das lag daran, dass sein Produzent, die British Motor Corporation (BMC), über beide großen Marken verfügte. Und das wieder ist darauf zurückzuführen, dass dieser zeitweise größte britische Automobilhersteller 1952 aus einer Fusion der Austin Motor Company mit der Nuffield Organization hervorgegangen war.

Dass die 1905 von Herbert Austin, dem 1. Baron Austin, mit potenten Geldgebern in Birmingham gegründete erste britische Automobilfabrik Austin Motor Company den Markennamen Austin beisteuerte, ist noch vergleichsweise unkompliziert. Schon etwas komplizierter verhält es sich mit der Nuffield Organization. Sie wurde 1938 von einem Briten erschaffen, der seit eben jenem Jahr der 1. Viscount Nuffield war und in eben jenem Nuffield in der Grafschaft Oxfordshire vor 60 Jahren, am 22. August 1963, auch verstarb.

Die Nuffield Organization gründete der Viscount 1938, um den in jenem Jahr von ihm übernommenen Automobilhersteller Riley, der 1895 von William Riley in Coventry als Fahrradfirma gegründet worden und inzwischen insolvent war, mit den schon in seinem Besitz befindlichen Automobilunternehmen zu vereinen. Zu Letzteren gehörten außer dem 1927 in Konkurs gegangenen Unternehmen Wolseley vor allem die 1913 von William Morris gegründete Morris Motor Company und die zehn Jahre darauf entstandene Sportsparte Morris Garages (MG). So kam der Mini-Hersteller BMC außer in den Besitz der Marke Austin auch in den der Marke Morris.

William Morris und der Viscount Nuffield waren ein und dieselbe Person. Am 10. Oktober 1877 kam der später geadelte Bürgerliche in Worcester, einer Stadt in den West Midlands zur Welt. Als 15-Jähriger verließ er die Schule. Neun Monate nach dem Abschluss einer Ausbildung zum Fahrradmechaniker und Fahrradverkäufer eröffnete er einen kleinen Fahrradreparaturbetrieb im Haus seiner Eltern. Nach dem Umzug in einen eigenen Laden kam zur Reparatur die Produktion von Drahteseln. Es folgte der Herstellung von Motorrädern und schließlich von Autos.

Mit dem Modell Oxford gelang ihm der Durchbruch. 1912 entwarf er es, im darauffolgenden Jahr gründete er zu dessen Produktion in einer ausrangierten vormaligen Kaserne in Cowley in der Grafschaft Oxfordshire seine Morris Motor Company.

Der Erste Weltkrieg bedeutete einen Rückschritt. Statt Automobilen wurde in den Produktionsstätten nun Munition hergestellt. Nach dem Krieg konnte Morris jedoch an seine Vorkriegserfolge anknüpfen und kräftig expandieren. 1929 kam der Morris Minor, eine Art Ford Modell T oder VW Käfer der Briten. Von Henry Ford übernahm er auch die Fließbandfertigung und war damit ähnlich erfolgreich wie der Amerikaner.

Im Gegensatz zu jenem waren ihm jedoch keine Nachkommen vergönnt und damit auch nicht die Gründung einer Automobildynastie. Befreit vom Zwang, das Erarbeitete für nachfolgende Generationen zusammenzuhalten, betätigte sich das Mitglied der Anglo-German Fellowship als Mäzen und sozialer Wohltäter. Nennenswerte eigenständige britische Automobilmarken gibt es heute nicht mehr und einen Viscount Nuffield auch nicht. Aber das Nuffield College beispielsweise, das nach Morris benannt ist, weil es von ihm 1937 begründet wurde, gibt es noch heute.